Freitag, 30. Mai 2014

Krimi: Kostas Charitos von Petros Markaris

Petros Markaris erschafft mit Kostas Charitos einen einfachen Athener Kommissar, der seine Fälle jeweils gründlich löst.  

Auch wenn sein Vorgesetzter schon lange meint, der Fall sei einfach oder bereits geklärt, gibt Charitos nicht auf und ermittelt weiter. Er steht oft zwischen seiner Arbeit und seiner Familie (Frau und erwachsene Tochter), noch öfter aber zwischen seiner Frau und seiner Tochter. 

Alles was Griechenland bewegt, wird von Petros Markaris in den Krimis aufgenommen. 

So wird jedes Buch zu einer spannenden gesellschaftskritischen Auseinandersetzung mit dem aktuellen Zeitgeschehen. Jeder der fiktiven Fälle könnte gut auch so stattgefunden haben. 

Markaris bringt uns durch Kostas Charitos viel echtes Griechenland näher. 

Alle die mich kennen, wird es nicht wundern, dass mir "Die Kinderfrau" am besten gefallen hat. Petros Markaris, der selbst in Istanbul geboren wurde und hier zur Schule ging, verbindet in diesem Kriminalfall die griechisch-türkische Vergangenheit: Charitos besucht mit seiner Frau Adriani Istanbul und wird in eine spannende Ermittlung hineingezogen.

Informatives Interview auf 3sat mit Petros Markaris

Bisher erschienen:
- Hellas Channel
- Nachtfalter
- Live!
- Balkan Blues
- Der Grossaktionär
- Die Kinderfrau
- Faule Kredite
- Zahltag
- Abrechnung 

Mittwoch, 28. Mai 2014

Die Gabe der Zeichnerin von Martina Kempff

Klappentext:
Der Dombau zu Aachen: das größte Rätsel, das Karl der Große der Nachwelt hinterlassen hat. Wie konnte es damals gelingen, die mächtige Steinkuppel zu wölben? Den Schlüssel hält die begabte Tochter eines Baumeisters aus Bagdad in Händen. Doch als junge Frau ist es ihr unmöglich, ihren Vater zu unterstützen. Deshalb reist sie als Mann verkleidet an den Hof des großen Karolinger Königs – und lernt den Sohn des königlichen Baumeisters kennen, für den sie bald mehr empfindet, als gut für die gemeinsame Sache ist.




Da ich schon begeistert über die Welfensaga/Karolinger-Frauen-Trilogie von Martina Kempff war, muss ich ihr neuestes einfach lesen. Ich wurde nicht enttäuscht! 

Der Fernhändler Isaac und der Baumeister Iosefus werden zusammen mit dessen Sohn Esra und seiner Haussklavin Dunja von Kalif Harun al Raschid nach Aachen zu König Karl dem Grossen gesandt. Sie sollen Karl bei seinem grossen Traum, dem Bau eines grossen Gotteshaus behilflich sein. Was zuerst niemand weiss, dass Ezra kein Junge sondern ein Mädchen ist. 

Ihre Mutter starb bei der Geburt und gab ihr den Namen Teresa. Fortan zieht Dunja das Kind auf und Iosefus gibt Teresa als Jungen aus. Ezra hat das Talent ihrer Mutter geerbt: Zeichnen. Und einen Traum. 

Zusammen mit Odo von Metz und seinem Sohn Lucas bauen Iosefus und Ezra am mächtigen Dom, dessen Highlight eine grosse Kuppel sein soll.

Wie sie das um das Jahr 800 herum bewerkstelligt haben, die Liebe zwischen Ezra und Lucas sowie Einblicke in Karls Leben, Reisen, Politik und Bauwesen zur damaliger Zeit - all dies hat Martina Kempff in diesen aussergewöhnlich guten historischen Roman über den Dombau zu Aachen gepackt. 

Wie auch ihre Karolinger-Frauen-Trilogie ist dieser Roman exakt recherchiert und gibt beim Lesen das Gefühl "genauso könnte es gewesen sein". Für Leser der Trilogie gibt es sogar ein Wiedersehen mit Gerswind und Luitgard. 

Auch der Humor kommt nicht zu kurz: besonders als Isaac Abul Abbas, den weissen Elefanten, von Bagdad nach Aachen transportieren muss. 

Fazit: Ein toller spannender historischer Roman und eine krönende Zugabe der Welfensaga! 5 Punkte. 



Dienstag, 27. Mai 2014

Die verborgene Sprache der Blume von Vanessa Diffenbaugh

Klappentext:
Victoria Jones kennt von Geburt an nur Waisenhäuser und Pflegefamilien. Wie ein Gegenstand wurde sie von einer Bleibe zur nächsten weitergereicht. Schon als Kind hat sie sich deshalb zu einer wortkargen, menschenscheuen Kratzbürste entwickelt. Einzig für Blumen interessiert sie sich, und für deren Sprache, denn die hat sie von Elizabeth gelernt, dem einzigen Menschen, von dem sie je Liebe erfahren hat. Mit achtzehn Jahren ist Victoria obdachlos und ganz auf sich allein gestellt - bis sie einen Job in einem kleinen Blumenladen findet. Auf dem Markt der Blumenhändler lernt sie schliesslich einen jungen Mann kennen. Erstaunt stellt sie fest, dass Grant ebenfalls die Sprache der Blumen versteht. Gegen ihren Willen keimt in Victoria nach langer Zeit wieder Hoffnung: auf Liebe, auf eine Familie, auf ein Zuhause. Doch ihre Vergangenheit, ihre schmerzvollen Erinnerungen an Elizabeth holen sie immer wieder ein. Kann es Grant gelingen, sie trotzdem zu lieben - so unberechenbar, so verstockt, so verletzlich, wie sie ist?


An Victorias achtzehntem Geburtstag muss sie aus dem Heim ausziehen: weil sie sich vorher nicht um eine Arbeitsstelle bemüht hat, steht sie auf der Strasse und ist obdachlos. Sie bekommt eine Aushilfsstelle in einem Blumengeschäft und lernt an der Blumenbörse Grant kennen. Mit Hilfe der Blumensprache kommunizieren sie miteinander und merken bald, dass sie sich von früher her kennen. 

Nun wird ihre vergangene Geschichte in Rückblenden aufgerollt. Damit wurde ich nicht warm. Vieles davon konnte ich nicht nachempfinden: Unglaubwürdig zum Beispiel, dass ein Waisenhauskind mit 18 Jahren einfach auf die Strasse gestellt wird und keinen Beistand mehr hat. Dazu schlichtweg zuviel sozialkompetente Unfähigkeit bei allen Charakteren, von der Autorin mit einer Überdosis Melodramatik versalzen.

Das einzig Schöne im Buch waren die Beschreibungen von den Bedeutungen der Pflanzen. Grant und Victoria haben zuerst ausschliesslich durch die Blumen miteinander kommuniziert, was mir sehr gut gefallen hat. Doch als es danach darum ging, die Vergangenheit von beiden zu erzählen, kam die oben genannte Unfähigkeit dazu, inklusive der Unglaubwürdigkeit durch einige abstruse Situationen.

Der Schlussteil war zwar einigermassen wieder lesbar, aber die Enttäuschung über das Buch mit dem schönen Titel war bereits zu gross, als dass es der Schluss wieder wettgemacht hätte. 

Sehr gestört haben mich im eBook die Ziffern, mit der jede Pflanze fortlaufend nummeriert war. Wenn man auf die Ziffern klickte, kam man zum Ende des Buches wo jede Pflanze beschrieben war. Aber da z.B. Rosen öfters auftauchten, kam die gleiche Ziffer jedesmal wieder vor - es hätte mir genügt pro Pflanze eine Ziffer zu schreiben und nicht bei jeder Erwähnung die Nummerierung fortzusetzen. Es störte den Lesefluss enorm, wenn z.B. ein Blumenstrauss mit sieben oder mehr verschiedenen Blumen erwähnt wurde und hinter jeder eine Zahl stand. 

Fazit: Die Grundidee des Buches - Kommunikation durch Blumen - hat mir gefallen, aber die Umsetzung fand ich unrealistisch. 
3 Punkte. 


Montag, 26. Mai 2014

Montagsfrage 26.05.2014




Gibt es Autoren, die du lieber im Original liest?

Ja klar, alle deutschsprachigen Autoren ;-) 
Englisch oder Französisch lese ich nur noch wenn mir im Urlaub der Lesestoff ausgeht und ich auf Hotelbibliotheken zurückgreifen muss. Da ich mittlerweile  aber elektrisch lese, hab ich jetzt immer genug Lektüre dabei, so dass ich nicht mehr darauf zurückgreifen muss und ich weiterhin genüsslich deutsch lesen kann. 
Und ihr? 

Sonntag, 25. Mai 2014

Die unverhofften Zutaten des Glücks von Deborah McKinlay

Klappentext:
Eigentlich sollte die Verlobung ihrer einzigen Tochter ein wunderschönes Ereignis für die sechsundvierzigjährige Eve sein. Stattdessen brechen jedoch alte familiäre Konflikte auf und drohen alles zu zerstören. Hilfe kommt von gänzlich unvermuteter Seite: Ganz spontan hat Eve dem Bestsellerautor Jack Cooper einen lobenden Leserbrief geschrieben - und er hat geantwortet. Beide teilen die grosse Liebe zum Kochen, das für sie Lebensfreude, Trost und ein fester Anker in unruhigen Zeiten ist. Über ihre Briefe entwickelt sich langsam eine immer tiefere Beziehung. Eve offenbart Jack ihre familiären Probleme - und auch Jack spricht offen über seine Lebenskrise: drohender 50. Geburtstag, dazu Scheidung und Schreibblockade. Sie können sich gegenseitig helfen; aber sie können, fürchtet Eve, niemals zusammenkommen. 


Auf dem schön gezeichneten Cover ist ein Pfirsich zu sehen. Und mit solch einem Pfirsich beginnt der Briefaustausch zwischen Eve, die in England wohnt und Jack, dem amerikanischen Schriftsteller. Es entwickelt sich eine besondere Brieffreundschaft die sich um Bücher, Essen und das Leben im Allgemeinen und Besonderen dreht. 

Durch ihren Briefkontakt öffnen sich beide zum ersten Mal Fremden gegenüber und sie erkennen, dass sie sich ihren Ängsten stellen müssen. 

Diese Entwicklung ist wunderbar beschrieben. Sie werden "Erwachsen" und merken, dass für "die wahren Zutaten des Glücks" jeder sein eigenes Rezept finden muss.

Fazit: Ein unaufgeregter schöner Lesegenuss! 
4 Punkte.


Freitag, 23. Mai 2014

Krimi: Die tödliche Tugend der Madame Blandel von Marie Pellissier (Gardienne Lucie 1)

Klappentext:
Paris, Place des Vosges: Seit vielen Jahren wacht die Gardienne Lucie über das Wohl des Hauses Nr. 3 und seiner Bewohner. Als die Leiche der kaltherzigen Vanessa Blandel aus der Seine geborgen wird, befürchtet Lucie das Schlimmste. Denn sie hat in der Wohnung der Blandels Spuren verwischt - und Kommissar Legrand wird sie für die Täterin halten! Es steht Spitz auf Knopf. Lucie muss unbedingt vor der Polizei herausfinden, wer Vanessa auf dem Gewissen hat. 





Ein herrlich erfrischender Krimi! 

Erfrischung könnte Paris gebrauchen, denn es ist drückend heiss. An der Place des Vosges Nr. 3 arbeitet die portugiesische Hausmeisterin Lucie seit 40 Jahren. Sie liebt ihren Job, arbeitet gewissenhaft und übernimmt sogar Zusatzarbeiten wie Bügeln für ihre Hausbewohner. 

Ausnahmsweise auch für die hochnäsige Vanessa Blandel, die einzige Person im Haus, die Lucie gar nicht mag. Ein paar Tage später fischt man Vanessas Leiche aus der Seine. Aus Angst Spuren verwischt zu haben, ermittelt Lucie auf eigene Faust heimlich drauflos. Sie landet aber erst mal für einen Tag in der Klinik, Diabetes wurde diagnostiziert. Ihr Mann Antonio möchte dass Lucie deswegen kürzer tritt, doch sie will nicht; ihr Job ist ihr Leben. 

All das zusammen macht Lucie ungewöhnlich nervös und vergesslich, und sie fürchtet ihre Kündigung. Vanessa hatte ihr noch gedroht sie beim Hausverwalter zu melden.

Kommissar Legrand - neu in Paris, arrogant, unsensibel und besserwisserisch möchte den Fall schnell aufklären, damit er vor seinem Vorgesetzten gut dasteht, wenn der aus dem Urlaub zurück kommt. Doch da er sich lieber den Magen vollschlägt, bevor er zu einem Tatort gerufen wird und bei den Ermittlungen immer den einfachsten Weg wählt, ist ihm Lucie immer einen Schritt voraus. 

Fast jede Figur im Krimi trägt ein Geheimnis mit sich herum. Um welche Geheimnisse es sich dabei handelt wird erst spät und peu à peu offenbart. So bleibt das Buch durchgehend spannend.

Fazit: Ein rasanter humorvoller Krimi mit einer nicht nur den Hausbewohnern, sondern auch mir - ans Herz gewachsener Protagonistin! Es schreit nach einer Fortsetzung.
4 Punkte.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Zeit deines Lebens von Cecelia Ahern

Klappentext: 
Zauberhaft, geheimnisvoll und mit einer berührenden Botschaft, das ist der wunderbare Roman der jungen irischen Weltbestsellerautorin. Denn manchmal muss man jemand ganz Besonderem begegnen, um zu erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben. Lou Suffern ist ein »BWM«, ein Beschäftigter Wichtiger Mann. So wichtig und beschäftigt, dass er den 70. Geburtstag seines Vaters vergisst, seine Frau leichthin betrügt und seinem kleinen Sohn noch nicht ein einziges Mal die Windeln gewechselt hat. Eines Tages verwickelt ihn ein Obdachloser namens Gabriel in ein Gespräch. Lou fühlt sich dem Unbekannten seltsam verbunden und verschafft ihm kurzerhand einen Job – was nun wirklich nicht seine Art ist. Doch auch Gabriel hat ein Geschenk für Lou: ein rätselhaftes Mittel, durch das Lou ein anderer wird.


Die Story ist schnell erzählt: Geschäftsmann trifft auf Obdachlosen Gabriel (von allen Gabe genannt; soll wohl den Engel Gabriel darstellen), der ihm aufzeigt, dass sein Leben aus dem Ruder läuft. 

Nur Arbeit und keine Zeit für die Familie, stattdessen mehr als nur flirten mit der Sekretärin, die Theateraufführung der Tochter verpassen, Geburtstagsfest-Planung für seinen Vater seiner Schwester entreissen und die Organisation dann seiner Sekretärin überlassen… 

Die Geschichte von Lou und Gabe wird an Weihnachten von einem Polizist einem Jungen, der festgenommen wurde, weil er einen gefrorenen Truthahn in das Wohnzimmerfenster seines Vaters geschmissen hat, erzählt.

Die Polizei-Truthahnjunge-Geschichte hätte es nicht gebraucht, oder Frau Ahern hätte nur daraus ein Buch schreiben können. Die wäre sicherlich spannender gewesen, als die Lou-Gabe-Geschichte. 

Die Lou-Gabe-Story wird gegen Schluss hin einfach nur billig ("Klongeschichte") und obwohl ich bei emotionalen Themen öfters ein Tränchen verdrücke, hat mich das Ende emotionslos und kopfschüttelnd zurückgelassen.

Das Buch hinterlässt mich unzufrieden, die Aussage des Buches ist klar und (zu) deutlich. Sie wird etliche Male zu oft erwähnt. Zur selben Thematik hab ich schon bessere, weil tiefgehendere Bücher gelesen. 

Fazit: Jetzt weiss ich auch, wieso das Cover rot ist und nicht blau wie ihre andern Bücher: rot = stopp, nicht kaufen. 3 Punkte.