Sonntag, 8. September 2013

Not amused: Das Haus der Tänzerin von Kate Lord Brown

Klappentext: 

Die alte Villa in den Hügeln von Valencia ist für Emma der perfekte Rückzugsort: Der verwilderte Garten duftet nach Orangenblüten, die Leute im Dorf sind hilfsbereit und schon bald eröffnet die gelernte Parfümeurin einen Blumenladen. Doch warum vermachte ihre verstorbene Mutter ihr dieses Anwesen? Immer mehr fühlt sich Emma von der geheimnisvollen Vergangenheit des Hauses angezogen. Und dann entdeckt sie ein zugemauertes Zimmer.





Eine englische Parfümeurin, die einen Blumenladen in Spanien eröffnet, ausserdem ein Haus besitzt, deren Garten nach Orangenblüten duftet und der Titel erst noch eine „Tänzerin“ beinhaltet – das kann doch nur spannend sein! Dachte ich.

Am Anfang verliert sich das Buch in Geschichten direkt an der Front, es geht um den spanischen Krieg um 1936. Die zweite Zeitebene findet um 2001 statt, und leider muss der 11. September auch noch für das Verschwinden von Emmas Ex-Freund herhalten.

Erst ab Kapitel 12 geht Emma nach Spanien. Ihre verstorbene Mutter hat ihr ein Haus vermacht, von dem Emma nichts wusste. Grossmutter Freya antwortet auf die vielen Fragen nach der Vergangenheit ihrer Mutter Liberty nicht. Wie oft in solchen Zeitebenen-Geschichten auch hier wieder eine Grossmutter die lieber schweigt als erklärt. Dafür erzählt ihr Macu in Spanien von der Vergangenheit ihrer Grosseltern und Eltern.

In diesem Buch sind wir auch wieder einmal Zeugen davon, dass Protagonisten einfach so ihr bisheriges Leben aufgeben und so mir nichts dir nichts an einen andern Ort umziehen. 

In der Realität geht das ja alles nicht so einfach: abgesehen von etlichen Behördengängen braucht man auch eine finanzielle Absicherung, und wer kann schon einfach aus seinem Beruf aussteigen und woanders ganz neu anfangen ohne genügend Geld auf der hohen Kante zu haben? Auch sprechen die Protagonisten immer die jeweilige Landessprache fliessend. 

Die Vergangenheit wird teilweise sehr ausführlich beschrieben, aber die Gegenwart bleibt oberflächlich. 

Laut Buchbeschreibung hätte ich eine andere Geschichte erwartet – all das, was im Klappentext vorkommt hat eine Nebenrolle. So ist die Tänzerin im Buch nicht wirklich aktiv, sie war es vor dem Krieg, im Buch tanzt sie genau einmal. Auch das Parfümieren und das Blumengeschäft bleibt zu stark im Hintergrund. 

Mich hätte noch interessiert, wie sich das Wiedersehen von Charles und Macu gestaltete. So bleibt der Roman sehr oberflächlich im Hauptthema und bleibt "an der Front" detailversessen hängen. Umgekehrt wär das Buch für mich spannender gewesen.

Fazit: Not amused. 
2 Punkte. 

Donnerstag, 5. September 2013

Skoobe - die etwas andere elektrische Bibliothek!

Seit Anfang Jahr lese ich fast nur noch elektronisch auf dem Kindle Paperwhite oder auf dem iPad. Diesen Sommer hab ich Skoobe entdeckt, die etwas andere Bibliothek für alle mit iPads, Kindle Fire oder anderen Tablets. Für 10 bis 20 Euro (je nach Abo) pro Monat könnt ihr soviele Bücher ausleihen wie ihr wollt, es gibt keine Wartezeit wie sonst bei Onleihen und eine riesige Auswahl an Büchern. Ihr könnt auch Merklisten anlegen - auf meinen sind mehr als 400 Bücher drauf, die ich alle noch lesen möchte.

Ich bin total begeistert davon! Wenn ihr das mal testen wollt, dann macht von der 30-Tage-Gratis-Ausprobieren-Aktion Gebrauch, indem ihr euch auf www.skoobe.de anmeldet und diesen Code eingibt: MGMTJP2DE 

Auch Kinderbücher "der Drache Kokosnuss" oder "TKKG", oder viele Bücher der Serie "Erst ich ein Stück, dann du" sind erhältlich. 

Der Diogenes Verlag (Donna Leon, Petros Markaris) ist leider nicht zu finden, dafür sonst fast alle bekannten deutschen Verlage. 
Teilweise sind auch Neuerscheinungen blitzschnell auf Skoobe zu finden, wie letzte Woche "Orangenmond" von Stefanie Gerstenberger. 




Der Olivenhain von Courtney Miller Santo

Klappentext:
Sonnige Hügel, köstliche Oliven und das Geheimnis des Glücks
Seit vielen Generationen leben die Kellers im sonnigen Kildron und bauen Oliven an. Sie sind keine gewöhnliche Familie, denn durch eine besondere Veranlagung haben die weiblichen Nachkommen ein besonders langes Leben, und die älteste, Anna, ist 112 Jahre alt. Als ein Forscher auf die Familie aufmerksam wird, versetzt er sie in große Unruhe. Auf der Suche nach dem Grund der mysteriösen Langlebigkeit stößt er auf ein Netz aus gut gehüteten Familiengeheimnissen, und es kommen einige Wahrheiten ans Tageslicht, denen die Keller-Frauen bisher immer aus dem Weg gegangen sind. Von da an ist nichts mehr, wie es war ...


Der Buchtitel wie auch der Buchbeschrieb haben mich neugierig gemacht auf die Geschichte der Frauen der Familie Keller: 
Ein Professor will die Langlebigkeit der Frauen erforschen, die seit 5 Generationen auf der Olivenplantage leben. Jede trägt ein Geheimnis mit sich rum.  Sei es die Älteste, Anna, die sich nur ganz vage an ihre Kindheit in Australien erinnern kann, oder die Jüngste, Erin, aufgezogen von ihren Grossmüttern, die auf die Plantage zurück kommt als sie bemerkt, dass sie schwanger ist.

Unter "sonnige Hügel, köstliche Oliven und das Geheimnis des Glücks" stell ich mir keine so bedrückende Biografien vor. 

Die Frauen und ihre Geheimnisse sind zwar allesamt gut beschrieben, doch es kommt keine wirkliche Spannung auf, es plätschert vor sich hin und zurück bleibt eigentlich nichts was einem in Erinnerung bleibt. 3 Punkte. 

Samstag, 31. August 2013

Mordkommission Istanbul

TV-Tipp:

Samstagabend, 31.August 2013 auf ORF2 um 20:15 Uhr


Mordkommission Istanbul - Rettet Tarlabasi

(mit Erol Sander als Inspektor Mehmet Özakin)






Die Krimiserie mit Inspektor Mehmet Özakin basiert auf den Romanen von Hülya Özkan. Özakin klärt mit Hilfe seines scheuen Kollegen - und oft gegen die Anweisungen seines Chefs - natürlich alle Fälle auf. In den spannenden TV-Folgen sieht man neben den gut verfilmten Romane auch einiges von Istanbul. Ein Muss für Istanbul-Liebhaber! 

Leider ist als Buch nur noch der dritte Band "in deiner Hand" erhältlich, doch wenn ihr die Bücher irgendwo sehen solltet, greift zu.  In diesem Herbst werden auf ORF und ARD noch weitere Folgen zu sehen sein, es lohnt sich, allemal besser als Tatort ;-)

Wer noch mehr eigensinnige Istanbuler Detektive kennenlernen möchte, dem empfehle ich die Bücher von Esmahan Aykol, Barbara Nadel oder Celil Oker. 

Freitag, 30. August 2013

Der Engel mit den bunten Flügeln von Almuth Link

Klappentext:
Luzia entschliesst sich zu einem für die heutige Zeit aussergewöhnlichen Schritt: Sie geht ins Kloster. Erst die quirlige und unkonventionelle Kantorin Sophia, die mit ihrer Leidenschaft für die Musik alle mitreisst, ruft Jahre später mit ihren provozierenden Fragen immer stärkere Zweifel wach. Als Luzia mit dem Anwalt Lars das erste Mal die Liebe kennenlernt, muss sie sich entscheiden …






Die Mutter von Charlotte Link, Almuth Link, legt hier eine eindrückliche Geschichte über eine katholische Nonne vor. 

Luzia lebt seit 30 Jahren im Kloster und arbeitet dort als Gärtnerin. Sie freundet sich mit der protestantischen Kirchenmusikerin Sophia an, die, mit Baby im Tragtuch und samt Hund, bei Luzia um eine Anstellung als Organistin im Kloster bittet. 

Durch die Freundschaft zu Sophia und der wieder entdeckten Liebe zur Musik (Luzia spielt Schlagzeug) merkt Luzia wie ihr im Kloster doch einiges fehlt. Als sie bei einem spontanen Konzert noch den Anwalt Lars kennen- und lieben lernt steht ihre bisher heile Welt Kopf. Wie sie damit umgeht und wie ihre Lebensgeschichte endet, schreibt sie in Tagebuchform an Sophias Tochter Nicola. 

Da ich - damals als erste Reformierte - nach der Schulzeit ein Jahr in einem von katholischen Ordensschwestern geführten Institut ein Haushaltlehrjahr absolvierte und somit die dort lebenden Schwestern auch ein wenig kennenlernte, konnte ich mich gut hinein fühlen in das Gefühlschaos von Luzia. Sie erinnerte mich sehr an unsere Rollschuh-fahrende Schwester M.E., die wohl ähnliches wie Luzia erlebte. 

Dieses toll geschriebene Buch mit dem aussergewöhnlichen Thema ist aber nicht nur für Menschen, die einen Zugang zu Glaubensfragen haben, interessant. Es geht vielmehr um die Frage, ob unsere einstmals gemachten Lebensentscheidungen für alle Zeit Gültigkeit haben müssen oder nicht.

Fazit: Ein Roman über Lebensentscheidungen - darf man seine Meinung irgendwann ändern oder muss man sich strikt daran halten?
4 Punkte. 

Dienstag, 27. August 2013

Der Stern der Theophanu von Beate Sauer

Klappentext: 
Im Jahr 972 wird die junge byzantinische Prinzessin Theophanu aus machtpolitischen Erwägungen mit dem Anwärter auf den deutschen Kaiserthron, dem jungen Otto II., verheiratet. Als das junge Mädchen aus der glänzendsten und schönsten Stadt der damaligen Welt in ihre neue Heimat kommt, fällt ihr die Eingewöhnung schwer. Nicht nur in den deutschen Gefilden, sondern auch am Kaiserhof ist das Klima rau. Doch als die junge Frau sich unverhofft und leidenschaftlich in ihren charmanten Gatten verliebt, wird ihr das Fremde vertraut: Theophanu lebt sich nicht nur gut ein, sondern sie kämpft auch beherzt an der Seite Ottos um die deutsche Kaiserkrone. Allen Ränken ihrer mächtigen Gegner zum Trotz gelingt es der temperamentvollen Theophanu schließlich, zur mächtigsten Herrscherin des Abendlandes zu werden.

Die deutsche Geschichte zwischen Karl dem Grossen und Luther habe ich als Nichtdeutsche nur in einigen Jahrzahlen und Namen im Kopf. Details dazu fehlen mir. So war es spannend, den Roman um Theophanu zu lesen. 

Im Roman geht es vor allem um die Liebe zwischen Theophanu und Otto II. - dies ohne kitschig zu werden - und die Schlachten, in die er zog. Im Grossen und Ganzen spannend und um die Detaillücken in meinem Kopf zu füllen ideal. 

Aber was ich extrem vermisste, war, was Theophanu für unsere Kultur tat, wie z.B. die Einführung des Nikolausbrauchtums und der Einfluss der byzantinischen Kunst hierzulande (z.B. Buchmalerei) durch die Kunsthandwerker, die sie in ihrem Gefolge mitbrachte.

Gut fand ich, dass die Autorin am Ende des Buches beschrieb, was sie geschichtlich wie geändert und/oder hinzugefügt hat. 

Fazit: Ein interessanter Roman über die Frau an Kaiser Otto II. Seite. 
4 Punkte.

Im Kopfstand zum Glück - DVD von Irene Graf

DVD-Beschrieb (von Amazon): 
Vier Grossstadtmenschen in einem modernen Berliner Yogastudio: Der Film begleitet die Protagonisten während der Zeit ihrer Ausbildung zum Yogalehrer. Ihre Motive sind so unterschiedlich wie sie selbst: Sie wollen Yoga lehren, weil der Beruf zu wenig Erfüllung bringt oder weil sie einen seelischen Anker im Hochleistungsbetrieb benötigen, sie suchen einen Ausgleich zum einsamen Schreibtischjob oder wollen einfach tiefer in die Gedanken- und Lebenswelt der verschiedenen Yogalehren einsteigen. Der Film erzählt von Sinnsuche, Körpererfahrung, Grenzüberschreitung - und dem Leben in Berlin. Neben der Vermittlung des Grundwissens verlangt die Ausbildung von den Schülern vor allem, dass sie zu sich selbst stehen, dass sie ihre Fehler, Schwächen, Widersprüche, aber auch ihre Talente und Chancen in Beruf, Familie und bei Freunden erkennen. Jeder für sich allein und trotzdem gemeinsam bestehen sie diese Herausforderungen. Mit heiterer Anteilnahme werden die Protagonisten bei diesem Prozess beobachtet. 


Diese Dokumentation ist zwar interessant und gut gemacht, aber mir fehlte so einiges. Da alle vier Protagonisten aus kreativen Berufen kommen, haben mir eindeutig Personen gefehlt, die einfach nur Sachbearbeiter, Verkäufer etc. sind. 

Es schien so, als ob nur kreative Berufsleute mit unregelmässigen Arbeitszeiten diese Yogalehrer-Ausbildung machen. Ein bisschen "Normalität" um den Film spannender zu machen, wäre schön gewesen. 

Auch inhaltliches über die Ausbildung (z.B. in welchen Zeitabständen finden die Kurse statt? Und wie üben und lernen die Vorgestellten in dieser Zeit?) hat mir gefehlt. 

Die Ausbildungsleiterin kam bis auf die Schlussszenen sehr unzugänglich, emotionslos rüber. 

Fazit: ein interessanter Bericht, aber nicht lehrreich und auch nicht hilfreich, wenn man sich Gedanken darüber macht, ebenfalls solche eine Ausbildung zu absolvieren.