Freitag, 13. Oktober 2017

Krimi: Trüffeltod von Marianne Cedervall (Anki Karlsson 2)

Klappentext:
Ein Jahr ist es her, seit Anki Karlsson in das kleine Dorf Mullvald gezogen ist. Nach den dramatischen Morden im letzten Herbst kann die pensionierte Lehrerin nun endlich die Ruhe genießen. Doch dann kommt wieder Schwung in den verschlafenen Ort: Ein Trüffelfestival findet statt! Nach einer turbulenten Trüffelsafari zusammen mit Ankis Freunden und Nachbarn gipfelt das Spektakel in einem Sechs-Gänge-Menü im schicken Hotel Plogbillen. Doch am Ende des Dinners ist einer der zwölf Gäste tot. Gift! Anki nimmt umgehend die Ermittlungen auf. Unterstützung bekommt sie von ihrem Freund, dem ehemaligen Kommissar Tryggve. Doch die beiden ahnen nicht, dass dieser Fall äußerst delikat ist. Und bald schon ist nicht nur das Leben eines Trüffelschweins, sondern auch Ankis in Gefahr …

Mit Anki und Tryggve ist der Autorin ein sympathisches Ermittlerpaar gelungen, die sich zum Ende des ersten Teils hin endlich erstanden haben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten merken die beiden, dass sie vieles verbindet. Gerade findet ein Trüffelfest in der kleinen Gemeinde statt mit verschiedenen Attraktionen. Anki wie auch Tryggve nehmen zum Abschluss an einem grossen Dinner teil. Als einer der Teilnehmer stirbt, ist es keine Frage, dass die zwei der Polizei nur zu gerne helfen.

Obwohl aufgrund des Trüffelfestivals beide Besuch haben, Anki von ihren drei besten Freundinnen Gunilla, Lena und Ingegard, Tryggve von von seiner Tochter Margareta, ihrem Mann Per und dessen Bekannten Ake, bleibt ihnen Zeit hinter die Geheimnisse des unbeliebten Toten zu kommen. Wie schon im ersten Teil bleibt es spannend bis zuletzt.

Die neuen Figuren im zweiten Teil sind der neue Pfarrer samt Ehefrau, Oskar und Astrid Bergsten, Wirt Gerhard sowie die grosse Familie Hansson. Die meisten der Hanssons haben ihr Leben den Trüffeln gewidmet: die einen suchen Trüffel mit ihren Hunden, die andern verkaufen sie auf dem Markt, die dritten kochen sie im Restaurant. Für Verwirrung sorgten aber die komplizierten Verwandschaftsverhältnisse dieser Familie. Um alle richtig einreihen zu können, habe ich mir einen Stammbaum gezeichnet, den ich beim Lesen immer parat hielt (siehe Foto unten). Alles andere bereitete aber keine Probleme und so war der Krimi erneut ein gemütliches Leseerlebnis.

Mullvald ist ein guter Schauplatz und bietet die perfekte Location für Krimis mit Einheimischen, Sommerfrischler und ehemalige Gotländer, die hier noch ein Ferienhaus besitzen und an Wochenenden, Feiertagen und Ferien anreisen. Ich bin jedenfalls gespannt, was Autorin Marianne Cedervall uns Lesern noch bereit hält.  

Fazit: Trüffel auf Gotland - nicht für alle ein Genuss. Doch der Krimi ist es allemal. 
4 Punkte. 

In diesem zweiten Teil geht es zügig auf Weihnachten zu und um sich in der kalten Jahrezeit wieder aufzuwärmen, geniessen Anki mit ihren Freundinnen und mit Tryggve öfters einen "Hot Teddy". Mit Erlaubnis des Piper-Verlags darf ich Euch das Rezept dafür verraten:


400 ml Wasser
2 Zimtstangen
6 Nelken
Saft einer Zitrone

Alles zusammen aufkochen, 15 Minuten ziehen lassen. Dann in die mit je ca. 4-5cl Kognak (oder: Whisky, Brandy oder Rum) vorbereiteten Teegläser giessen. 

(Tolino S. 37/272/Rezept für 2 Personen)

Reihenfolge:
Band 2: Trüffeltod

Stammbaum der Familie Hansson:

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Krimi: Mord auf der Insel von Marianne Cedervall (Anki Karlsson 1)

Klappentext:
Es ist Herbst auf der schwedischen Insel Gotland. Die Bäume leuchten in den schönsten Farben und die goldenen Sonnenstrahlen wärmen die Bewohner des kleinen Dorfs Mullvald. Anki Karlsson, eine rüstige Dame in den besten Jahren, ist mit ihren beiden Island-Pferden gerade erst hierher gezogen. Endlich hat sie einen Ort der Ruhe und des Friedens gefunden. Doch kaum ist ihr gemütliches Häuschen eingerichtet, da häufen sich auch schon die Absonderlichkeiten. Erst randaliert jemand in der Kirche. Dann wird das Lieblingspferd der einflussreichsten Frau von Mullvald vergiftet. Und schließlich liegt auch noch eine Tote auf Ankis Gartenterrasse. Da Anki nicht nur die »Neue« im Dorf ist, sondern unglücklicherweise auch immer zur falschen Zeit am falschen Ort, fällt der Verdacht bald auf sie. Und so beschließt die resolute Dame, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen.

Bei diesem Krimi lockte mich zuerst das herbstliche Cover. Es verheisst eine einladende, spannende Geschichte um ein Haus oder seine Bewohner. 

Und so ist es auch tatsächlich. Anki zieht nach dem Tod ihres egoistischen Mannes nach Gotland und erfüllt sich ihren Traum, wieder Pferde zu halten. Schnell lebt sie sich ein und freundet sich mit der Pfarrerin und einigen anderen Bewohnern an. Nur der Ragnar, der Kirchensigrist, ist ein Ekel. Da ist Tryggve, der pensionierte Polizist, schon viel umgänglicher, obwohl er Anki gegenüber Vorurteile zu haben schein. Bald ist es aber mit der Ruhe vorbei, denn rund um ihr Haus passieren unerklärliche Dinge - Anki wird es zu bunt und beginnt unbequeme Fragen zu stellen.

Dieser neue Krimi erinnert mich an Britcrime - einfach auf schwedische Art. Ein kleines Dorf auf Gotland, eine Kirche, ein kleiner Supermarkt und interessante Figuren wie Pfarrerin Catharina Sevsson, ihre Haushälterin Rigmor Bloomberg, die hervorragend backen kann, ihre Freundinnen Britta Jacobsen und Solveig, die auf dem Gestüt von Agneta von Pers mitarbeitet, sowie Tierärztin Viveka Järnberg. Dazu einige unsympathische Gestalten wie Brittas Mann Ragnar, der jeder Frau an die Wäsche will, Kantor Hasse Snygg und Hufschmied Hakan Hehlin. An der Ermittlerfront stehen Anders Klintvall und Camilla Persson von der Polizei sowie einer der es nicht lassen: Tryggve, der es Anki anfangs nicht sehr leicht macht. 
Anki ist sympathisch und man fühlt richtig mit ihr, weil es in ihrem neuen Wohnort plötzlich so ungemütlich wird für sie. 

Schauplatz ist das fiktive Dorf Mullvald, im Osten der schwedischen Insel Gotland, im Umkreis von Ardre und Östergarn. Wenn die Bewohner  shoppen wollen, fahren sie mit dem Bus nach Visby. Dank der schönen Beschreibungen kann man sich Mulland gut vorstellen und fühlt sich wohl im Dorf. 

Dieser erste Teil einer Krimiserie eignet sich auch gut als Geschenk für krimilesende Pferdeliebhaber, da mit Ankis Pferden und Agnetas Gestüt viel Pferdestall-Flair verbreitet wird.
Immer im Vordergrund stehen die sehr unterhaltsam und spannenden Ermittlungen. "Mord auf der Insel" ist ein interessanter Krimi mit viel Ambiente und einer Handvoll Verdächtigen, und bleibt bis zum Ende hin spannend. 

Fazit: Schwedisches Pendant zu den Cotswold - auf Gotland ist es vorbei mit der Ruhe. Toller Cosy-Krimi, passend zum Herbst. 
4 Punkte. 

Reihenfolge:
Band 1: Mord auf der Insel 
Band 2: Trüffeltod

Sonntag, 8. Oktober 2017

Hygge: Wie dänische Gemütlichkeit dein Leben glücklicher macht von Jonny Jackson & Elias Lorsen

Klappentext: 
Die Dänen sind eines der glücklichsten Völkchen der Erde. Ihr Geheimrezept zum Glücklichsein? Hygge!Hygge ist kein Wort, das sich leicht übersetzen lässt. Hygge ist ein Lebensgefühl, das die Magie der kleinen Dinge feiert. Es bedeutet Gemütlichkeit, Zusammensein, Picknicks an Sommerabenden und heiße Schokolade in Winternächten. Hygge ist schlicht ein kleines Gegengewicht zu unserer schnellen Welt. Dieses kleine Wohlfühlbuch gibt einen Einblick in die dänische Lebensphilosophie und bietet viele praktische Rezepte, Basteltipps und Anleitungen zum Glücklichsein.


Hygge - diesem Wort begegnete ich in letzter Zeit sehr oft. Es soll aus dem Dänischen kommen und so viel wie Gemütlichkeit oder Wohlbefinden heissen. Oder: Das Glück in den einfachen Freuden des Alltags finden. Mittlerweile gibt es einige Bücher und auch Zeitschriften zu diesem Thema.

Braucht es denn wirklich Bücher zum Thema Gemütlichkeit? Weiss man heutzutage denn nicht mehr, wie man es sich gemütlich machen kann? Um mir diese Fragen zu beantworten, hatte ich mir vorgenommen, mir nächstens eine Zeitschrift ("Hygge") zum Thema zu kaufen und ein Buch dazu an anzuschauen. Beim Verlag Ars Edition entdeckte ich ein gerade neu erschienenes Buch und erhielt es netterweise zur Rezension. Nun konnte ich mich ins Thema vertiefen. 

Das Buch von Jonny Jackson ist zum richtigen Zeitpunkt erschienen - im Herbst. Klar kann man es sich auch im Sommer gemütlich machen, doch der Herbst ist die Zeit, in der die meisten von uns sich gerne aufs Sofa zurück ziehen mit einem guten Buch, vielleicht etwas stricken, öfters Kuchen backen oder vermehrt wieder Warmes essen und trinken. Letzteres besonders nach einem Spaziergang im Wald, bei dem man die farbigen Blätter von den Bäumen fallen sah. 

Vielleicht gibt es Menschen, die Anleitungen oder Ideen brauchen, um sich nach hektischen Arbeitstagen fallen lassen zu können. Vielleicht haben sie es verlernt, wie man sich entspannt. Für all jene und aber auch für Menschen, die es von Natur aus gerne gemütlich und bereits ein kuscheliges Zuhause haben, ist dieser kleine Bildband ein ideales Geschenkbuch. Es besticht mit schönen Fotos und vielen Ideen, wie man es sich (noch) gemütlicher machen kann - und entspannen.  

Man liest von spannenden Spaziergängen und Ideen für saisongerechte Dekorationen, bekommt Tipps für das richtige Kaminfeuerholz und den Kauf umweltbewusster Kerzen. Eine Liste mit Wohlfühlfilmen und Anleitungen für Handarbeiten wie Filzpantoffeln oder Tassenwärmer folgen. Des weiteren sind Rezepte enthalten für viele warme Getränke und Speisen, unter anderem erfährt man wie man ein Lebkuchenhaus selber backen und bauen kann. 

Aus dem Buch nehme ich für mich die Tassenwärmer-Anleitung mit. Man könnte natürlich selbst zu den Stricknadeln greifen, aber die beschriebene Idee geht schnell: man braucht dafür nur einen alten Socken. 

Und dies ist genau das, was mir so gut gefallen hat, nämlich dass sämtliche Ideen ganz einfach umgesetzt werden können. Die Leser müssen also nicht per se bereits ein Profi im Backen und Basteln sein, auch Anfänger werden alles ohne viel Vorkenntnisse  realisieren können. Dies entspricht meiner Meinung nach dem Hygge-Gefühl: unkompliziert und ohne grossen Aufwand - damit man auch wirklich Zeit zum entspannen hat und sich nicht an schwierigen Instruktionen die Zähne ausbeisst und deswegen gestresst wird. Somit empfinde ich das Buch als gelungen!

Fazit: Ein durchaus hyggeliges Buch - ideal zum Verschenken, auch an sich selbst! 
4 Punkte.

Vielen Dank an Ars Edition und Netgalley!

Weitere Rezensionen bei:
Mikka von Mikka liest



Donnerstag, 5. Oktober 2017

Krimi: Gezeitenspiel von Benjamin Cors (Nicolas Guerlain 3)

Klappentext:
„J“ – so nennen die Franzosen den 6. Juni 1944, den Tag der Alliierten-Landung in der Normandie. „J“ – so nennt sich auch eine bislang unbekannte Gruppe, die zum Jahrestag des D-Day einen Anschlag ankündigt. Nicolas Guerlain, Personenschützer der französischen Regierung, kommt Stück für Stück hinter die Pläne. Hilfe bekommt er ausgerechnet von Julie, seiner verschollenen Partnerin, die plötzlich wieder auftaucht. In der Normandie, dem Schauplatz der Feierlichkeiten, ist nichts, wie es scheint … Wer ist Feind, wer Freund? Es beginnt für beide ein mörderischer Wettlauf mit der Zeit – denn der Tag „J“ rückt immer näher.



Nun liegt bereits der dritte Band um Personenschützer Nicolas Guerlain auf. In diesem Band dreht sich alles um den Gedenktag zum D-Day. Ein Anschlag sei geplant, man weiss auch von wem, aber mehr ist selbst dem Chef des Geheimdienstes, Nicolas Vater, nicht bekannt. Um niemanden zu gefährden wollen die Bodyguards des Ministers die Feierlichkeiten absagen, doch der Minister will nichts davon wissen. Nun gilt es herauszufinden welche Pläne der Attentäter hat und ihm zuvor zu kommen. Dies ist extrem schwierig, weil erstens sich der bekannte potentielle Attentäter überhaupt nicht auffällig verhält und zweitens andere schwerwiegende Vorkommnisse die Vorbereitungen für den D-Day überschatten.

Es sind eigentlich zwei Erzählstränge, einerseits ermittelt die Polizei mit Claire und Philippe in Arromanches in diversen Fällen von Vandalismus und einem schwer verletzten, im Wasser aufgefundenen Polizisten. Andererseits versucht Nicolas und die Pariser Truppe alles um den nur dem Geheimdienst angekündigten Anschlag in der Normandie zu verhindern. 

Obwohl in "Gezeitenspiel" endlich Julie für eine kurze Zeit auftaucht und man Nicolas Vater sowie seine Beziehung zu Nicolas besser kennen lernt, ist und bleibt Claire mein Lieblingscharakter in dieser Serie. Sie ist lernbegierig, hat durch Beobachtung viel von Nicolas abgeschaut und ist nicht wortfaul. Claire wird auf jeden Fall eine gute Polizistin und hat bereits in diesem Fall Nicolas den Platz streitig gemacht. 

Die Erzählung ist wie bisher in jedem Fall extrem temporeich. Besonders die mysteriösen Taten - u.a. rot angemalte Kreuze auf dem amerikanischen Friedhof - bergen einige Rätsel, die erst zum Schluss aufgelöst werden.
Weitere Geheimnisse verbirgt der Museumsmitarbeiter Jean Prudhomme, der heimlich im Museum tanzt und seinen anscheinend bettlägerigen Vater pflegt. Diese Figur, der "Jean Petit qui danse" ist dem Autor sehr gut gelungen.
Als bisher bekannter Charakter überrascht Tito mit witzigen und positiv frechen Gaunerstreichen.  

Alles in allem wäre "Gezeitenspiel" ein sehr spannender und interessant aufgemachter Kriminalroman mit tollen Charakteren. Jetzt kommt leider das aber: dass die verschwundene Julie endlich auftaucht, aber der wahre Grund für ihr Verschwinden damals nach wie vor unbeantwortet bleibt, hat mich enorm gestört. Mich nervt es unheimlich, wenn solche offenen Fragen über mehrere Bände hinweg Cliffhanger bilden. Das nimmt mir total die Lust zum weiterlesen und deshalb ist für mich diese Serie ab jetzt zu Ende, da kann er sonst noch so gut schreiben, der Benjamin Cors. 

Fazit: Bis auf den dritten Cliffhanger in Folge hat mir die abenteuerliche Geschichte mit Claire anstatt Nicolas im Mittelpunkt gut gefallen. 

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Monsieur Thomas und das Geschenk der Liebe von Gilles Legardinier

Klappentext:
Als der Arzt Thomas Sellac erfährt, dass er eine inzwischen 20-jährige Tochter hat, fällt er aus allen Wolken. Wie soll er Emma nach so langer Zeit ein guter Vater sein? Hals über Kopf kehrt er in seine Pariser Heimat zurück und nimmt einen Posten an, den keiner haben will, um in Emmas Nähe zu leben: Er wird Direktor eines kleinen Altenheims mit nur fünf schrulligen Bewohnern und der wunderbaren Krankenschwester Pauline. Doch die älteren Herrschaften stellen sich als Glücksfall heraus – denn schnell kommen sie hinter das Geheimnis ihres liebenswürdigen Leiters und tun daraufhin ihr Möglichstes, um Vater und Tochter zu vereinen ...


Gilles Legardinier konnte mich mit "Julie, weiss, wo die Liebe wohnt" nicht überzeugen, umso mehr mit "Monsieur Blake und der Zauber der Liebe". In seinem neuen Roman spielt erneut ein Mann die Hauptrolle, so dass ich gespannt war. 


Hier erzählt der Autor von Thomas, der seit 20 Jahren humanitäre Arbeit in verschiedenen Ländern, zuletzt 12 Jahre in Indien, leistet. Er erfährt eher nebenbei, dass er eine Tochter hat - seine damalige Partnerin hat es ihm verschwiegen. Thomas will seine Tochter unbedingt kennenlernen. Deshalb zieht  er zurück nach Paris und hat erst mal einen Kulturschock, so viel hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Statt als renommierter Arzt in einem Krankenhaus zu arbeiten, übernimmt er eine Stelle in einem kleinen Altersheim mit nur sechs Patienten - einzig und allein, weil es nahe am Wohnort seiner Tochter liegt und er so hoffentlich Zeit findet, um sie zu sehen.

Kaum hat er sich im kleinen Altersheim ein wenig eingearbeitet, spioniert er schon seine unbekannte Tochter Emma aus und ergeht sich in Fantasien, was sie denkt, was sie tun könnte und beginnt ihr Umfeld zu beeinflussen. So begibt er sich in Situationen, die man einem gestandenen Arzt gar nicht zutraut. Aber was macht ein Vater nicht alles um seine Tochter zu beschützen! Sogar seine Patienten helfen mit, denn sie lieben ihren neuen Arzt, der sich Zeit nimmt für sie - der auch schnell hinter ihre Geheimnisse kommt. Ihm zur Seite steht die gewiefte allein erziehende Krankenschwester Pauline. Sie und ihr achtjähriger Sohn Théo sind das Herzstück der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft im Altersheim. 

Der Autor versteht es grossartig den Vaterstolz von Thomas wie auch den Kulturschock zu beschreiben, wie zum Beispiel seine Überforderung angesichts der immensen Auswahl im Supermarkt. 
Keine Figur kommt zu kurz bei Gilles Legardinier. Sie sind alle liebenswürdig und schrullig zugleich. Sei es Chantal mit den blauen Haaren, Jean-Michel Ferreira, der viel zu gerne Süsses isst und sich ab und zu einen elektrischen Schlag verpasst, der im Garten um sich schiessende Oberst Francis Lanzac, Hélène, die Stimmen hört oder Michael mit der tollen Stimme und seinem Hund Attila. Man muss sie einfach alle gerne haben!

Mir scheint, mir liegen die "Monsieur"-Bücher viel mehr als die Frauengeschichten des Autors. Dieses Wohlfühlbuch weist zwischendrin zwar einzelne Längen auf, aber diese warmherzige Geschichte, in der sich die Alten mit dem Arzt und der Krankenschwester zusammen schliessen, wird dermassen charmant und zutiefst menschlich erzählt, so dass ich über die Längen leicht hinweg sehen kann.

Fazit: Eine besondere und sensible Geschichte, die mit witzigen Dialogen, lustigen Streichen und viel Einfühlungsvermögen überzeugt.
4 Punkte.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Wenn die Liebe Anker wirft von Cressida McLaughlin

Klappentext:
Ein kleines gemütliches Boots-Café am beschaulichen Flussufer. Eigentlich traumhaft, trotzdem fällt es Summer schwer zurückzukehren an den Ort, an dem sie so vieles an ihre verstorbene Mutter erinnert. Doch sie muss das Café retten! Und plötzlich ist sie mittendrin, in einem neuen Leben am und auf dem Fluss. Zum Glück hat sie Mason, den Besitzer des Nachbarbootes, der immer da ist, wenn sie Hilfe braucht. Aber ist das nicht alles zu perfekt, um wahr zu sein?





Es gibt Romane, bei denen man den Ausgang gleich von Anfang an kennt. Bei den einen macht es nichts aus, denn das, was zwischen Anfang und Ende steht, ist fesselnd geschrieben oder man liebt die Protagonisten auf den ersten Blick, so dass es eine grosse Freude ist, das Buch zu lesen. 
Leider gehört das vorliegende Buch in die zweite Kategorie. Der Teil zwischen der ersten und der letzten Seite ist lang und langweilig erzählt. Es liest sich wie eine Erzählung über ferne Bekannte, über deren Leben man grad aufgeklärt wird, es einem aber so gar nicht nahe geht. Die Charaktere bleiben auf Abstand, die einzigen, die mir sympathisch waren, sind jene mit Ecken und Kanten wie der alte Norman. 

Er ist einer der sechs Hausbootbesitzer in Willowbeck, einer fiktiven Ortschaft am Great Ouse, ca. 40 Autominuten von Cambridge entfernt. Auf Drängen von Valerie, der Bootsnachbarin, kommt sie Monate nach dem Tod ihrer Mutter endlich einmal nach Willowbeck. Valerie führte das Café weiter, während Summer sich in Schuldgefühlen wälzte und durch Abwesenheit glänzte. Eigentlich will sie auch nur ein Wochenende bleiben. Doch dann macht ihr wider Erwarten die Arbeit im Café Spass und ausserdem gefällt ihr neuer Nachbar Mason. Nur Jenny vom Pub ärgert sich, dass Summer wieder vor Ort ist. Sie macht Summer das Leben schwer und will, dass sie verschwindet. Auch Summers Kollege Ross möchte, dass sie das Boot schnellstmöglich verkauft und zurück nach Cambridge kommt.

Es folgt eine lange Geschichte, die einfach nicht enden wollte. Im Nachhinein fand ich heraus, dass dieser 500 Seiten lange Roman aus vier Kurzgeschichten zusammengeschustert wurde. So wurde mir einiges klar, denn immer wieder dachte ich, das Buch sei nun endlich fertig, doch dann geht es weiter und weiter und hört einfach nicht auf. Wie ein Kaugummi, den man aufbläst, danach in die Länge zieht und weiter kaut, immer wieder - doch das Aroma ist weg und der Kaugummi fade.

Eigentlich wäre es ein tolles Setting - Hausboot, Fluss, Landschaft - doch da ich immer den Flusslauf der Grand Ouse vor Augen hatte konnte ich mir die fiktiven Ortschaften und die im Buch genannten Naturschutzgebiete und Kanalverläufe nicht wirklich vorstellen. Genauso hatte ich Mühe mit den Protagonisten warm zu werden und so war Cressida McLaughlins Buch kein wirkliches Lesevergnügen für mich. Auch die Prise Dramatik beim (zweitletzten) Finale konnte das Buch nicht mehr retten. 

Fazit: Auf die Hälfte reduziert und nur aufs Wichtigste beschränkt hätte die Geschichte Potential gehabt. Doch so ist "Wenn die Liebe Anker wirft" ein viel zu wort-, detail und seitenlastiger Roman, der einem nicht nahe geht. 
3 Punkte.


Montag, 2. Oktober 2017

Montagsfrage 02.10.2017


Hast du bestimmte Rituale?
Zum Beispiel ein bestimmtes Buch jedes Jahr zu lesen oder ein Genre zu testen, das dich wenig anspricht, etc.?

Da ich beruflich immer Monate voraus planen musste (in den Sommerferien die Adventsprogramme, im Januar Osterspecials und Frühlingslager, im Frühling die Sommeraktivitäten und natürlich jeweils mit passenden Liedern, Bastelarbeiten, Geschichten undso weiter vorbereiten), wollte ich wenigstens mit meiner Lektüre saisongemäss sein. 
So habe ich jahrelang im Frühling, bzw. wenn der Frühling eben nicht kommen wollte von Julien Green "Paris" gelesen. Er schreibt darin, wie es ist, wenn es theoretisch Zeit für den Frühling ist, aber draussen noch tiefster Winter und dann später, wie es ist, wenn der Frühling tatsächlich kommt. Anfangs habe ich immer jeweils das ganze Buch gelesen, später nur noch ein paar Kapitel. Ich fand es tröstlich zu lesen, dass ich nicht alleine mit meinen Gedanken da stehe.
Ende August, sobald ich den Sommerblues bekam (sprich genug vom Sommer hatte und mich auf meine Lieblingsjahreszeit Herbst freute) begann ich "September" von Rosamunde Pilcher zu lesen. Es beginnt zwar im Mai, findet seinen Höhepunkt aber im Herbst. Seit ca. 2 Jahren habe ich es nicht mehr gelesen, das Bloggen ist schuld - zu viele andere Bücher wollen gelesen werden. Aber noch immer denke ich daran und werde es sicherlich wieder lesen, vielleicht schon nächsten September. 
Etwas habe ich mir daraus erhalten: ich versuche Bücher in den passenden Jahreszeiten zu lesen: Bücher, in denen es hauptsächlich Winter ist, lese ich im Winter etc. Deshalb habe ich mich dieses Jahr bemüht die Sommerbücher alles noch im August zu lesen, damit ich sie nicht ein weiteres Jahr auf meinem SuB habe.

Wie sieht das bei dir aus, hast du ein bestimmtes Ritual was deine Bücherauswahl oder Lesevorlieben begleitet?


Und sonst so:

Letzten Montag unternahm ich ja spontan eine Reise - sie brachte mich ins Sherlock Holmes Museum in Meiringen. Der Bericht dazu könnt ihr nächstes Wochenende lesen. 

Nachdem ich letzte Woche nicht alle Hausbootromane-Rezensionen geschafft habe und eine noch aussteht, bekommt ihr sie diese Woche zu lesen. Als Einstimmung auf die Buchmesse #fbm17 geht es dann mit Rezensionen zu Büchern, die in Frankreich angesiedelt sind, weiter. 

Habt eine gute Woche!

Sonntag, 1. Oktober 2017

Lesebiografie September 2017

- Mord auf der Insel von Marianne Cedervall (Gotlandkrimi 1) 
- Trüffeltod von Marianne Cedervall (Gotlandkrimi 2, Gotlandkrimi 2) 
- Kommissar Duval - Abschied von Paris von Christine Cazon (KG)
- Jane Austen bleibt zum Frühstück von Manuela Inusa 
- Agatha Raisin und der tote Friseur von M.C. Beaton (Band 8)
- Offshore von Petros Markaris (Kostas Charitos 11 )
- Gezeitenspiel von Benjamin Cors (Nicolas Guerlain 3) 
- Wenn die Liebe Anker wirft von Cressida McLaughlin 
- Das Muster der Liebe von Debbie Macomber (Strickserie/Blossom Street 1)
- Die Maschen des Schicksals von Debbie Macomber (Strickserie/Blossom Street 2)
- Der Garten des Lebens von Debbie Macomber (Strickserie/Blossom Street 3)
- Die Farben der Herzen von Debbie Macomber (Strickserie/Blossom Street 4)

Abgebrochen nach jeweils 120 Seiten:
- Vermählung von Curtis Sittenfeld
- Das geheime Tagebuch der Lizzie Bennet von Bernie Su 


In der vergangenen Woche fand ich kaum Zeit zum lesen und hing an "Wenn die Liebe Anker wirft" fest, bis ich es gestern Abend endlich ausgelesen habe. Trotzdem bin ich erstaunt, dass ich in den ersten drei Septemberwochen so viel zum Lesen gekommen bin, da ich gefühlt fast nur Rezensionen geschrieben habe :-)
Von der Idee, eine Jane Austen-Woche zu machen bin ich aber schnell abgekommen. "Vermählung" von Curtis Sittenfeld musste ich abbrechen, diese amerikanische Adaption von Jane Austens einzigartigem "Stolz und Vorurteil" war schrecklich. Danach erlöste ich "Das geheime Tagebuch der Lizzie Bennet" nach über einem Jahr von meinem SuB. Es war einiges besser, doch es ist eher ein Jugendroman und für junge Frauen von 16 bis 25 gedacht. Deshalb hab ich auch diesen Roman nicht mehr weitergelesen. Die Lust auf Jane Austen in jeglicher Form war mir danach vergangen und so schaffte es nur mein Reread "Jane Austen bleibt zum Frühstück" von Manuela Inusa zu einer Rezension. 

Glücklicher als mit Jane Austen und Company war ich mit den Gotlandkrimis von Marianne Cedervall. Hier war ich froh, blieb der erste Teil ein Jahr auf meinem SuB, so dass ich direkt danach den zweiten Teil lesen konnte. Beide spielen im Herbst, die Lektüre war also sehr saisongemäss. Meine Leseeindrücke dazu sind noch nicht fertig, werden im Oktober aber noch online gestellt. 

Im September habe ich die neuaufgelegte Strickserie, die Blossom Street-Serie von Debbie Macomber gelesen. Im Original gibt es zehn Bände. Auf Deutsch übersetzt wurden vier davon und ich finde das reicht auch. Sie sind nett zu lesen, auf jeden Fall für alle die gerne stricken, aber auf mehr als diese vier Bücher hätte ich keine Lust gehabt. 

Nicht so glücklich war ich mit "Offshore" von Petros Markaris, der neunte Fall von Kostas Charitos. Hier mein Leseeindruck: 
Es ist wie immer: Adriani steckt in der Küche, Kostas meistens im Stau und seine Nase weiterhin in ihm dubios vorkommende Machenschaften.
Durch all die Wiederholungen und anderen sich oft repetierenden Tätigkeiten ist dieser Band extrem langweilig. Seinem Team fehlt der Biss wirklich etwas erreichen zu wollen, denn die viel zu einfachen Lösungen stinken gegen den Wind, aber nur Kostas fällt dies auf. Der Schluss ist müssig und nervig. Leider der langweiligste Kostas Charitos-Fall bisher.


Auch ein wenig enttäuscht hat mich "Gezeitenfall". Im dritten Fall für Nicolas Guerlain tritt seine verschwundene Freundin endlich auf, aber der wahre Grund für ihr Verschwinden damals bleibt nach wie vor unbeantwortet. Mich nervt es unheimlich, wenn solche offenen Fragen über mehrere Bände hinweg Cliffhanger bilden. Das nimmt mir die Lust zum weiterlesen, für mich ist die Serie deshalb ab jetzt zu Ende. Die ausführliche Rezension dazu könnt ihr nächste Woche nachlesen. 

Im Oktober steht die Frankfurter Buchmesse #fbm17 an. Ich freue mich, weiss aber jetzt schon, dass ich während diesen fünf Tagen kaum zum Lesen komme, vielleicht abends ein paar Minuten im Bett. 
Bis zur Messe möchte ich zwei Bücher von Jean-Paul Didierlaurent lesen, da ich ihn bei einem Meet & Greet treffen werde. Und um noch ein bisschen im Buchmesse-Frankreich-Groove zu bleiben, habe ich mir von der Onleihe zwei Bücher von Antoine Laurain auf den Tolino geladen, sowie eine XXL-Leseprobe von "Das Bild aus meinem Traum". In den Bilderrahmen habe ich an der letzten FBM meinen Kopf gesteckt, und jetzt wärs wirklich an der Zeit das Buch zu lesen. 

Auf meiner ungefähren Leseliste stehen aber auch Krimis wie der zweite Cherringham-Krimi (die Vorstellung der Serie schrieb ich im April 2016), dann "Madeiragrab" von Joyce Summer und bereits einige Weihnachtsromane wie der dritte Teil der Manhattan in Love-Serie von Sarah Morgan, "Lichterzauber". Büchermässig weihnachtet es bereits im Oktober.

Im Oktober frei ich mich auch schon auf einige Neuerscheinungen, vor allem auf Serienfortsetzungen wie der dritte Band der "kleinen Bäckerei am Strandweg" (ebenfalls schon weihnachtlich) von Jenny Colgan, sowie der zweite Band des Kommando Abstellgleis "Das Revier der schrägen Vögel" von Sophie Hénaff. Und ganz ganz am Ende des Monats, am 30.10. erscheint "Die Perlenschwester" von Lucinda Riley, der vierte Band ihrer "Die Sieben Schwestern"-Serie. I know what I do at the End of October 😎  Ihr auch?

Vielleicht zieht im Oktober auch noch "Die Glücksbäckerei - Die magische Zeit" von Kathryn Littlewood ein, mehr für meine Tochter als für mich. Irgendwann lese ich die letzten drei Bücher aber auch noch. Ob wohl unsere Kara irgendwie verwandt ist mit Kater Gus aus der beliebten Serie?  
Ein pelziger grauer Kopf mit platt angelegten Ohren schob sich aus einem Klamottenberg am Fußende ihres Bettes. »Sei lieber vorsichtig mit solchen Wünschen«, sagte Gus. »Wünsche, die man kurz vor seinem Geburtstag äußert, könnten in Erfüllung gehen.« Der Schottische Faltohrkater hob eine Pfote und begann sorgsam die Zwischenräume zwischen seinen Krallen zu lecken. (Aus: "Die magische Glücksbäckerei - Die magische Verschwörung“, Seite 6/215)


Ist Gus vielleicht Karas Onkel? Wer weiss...

Wie war euer Lese-September und auf welche Bücher freut ihr euch im Oktober?