Donnerstag, 25. Mai 2017

Der kleine Laden der einsamen Herzen von Annie Darling

Klappentext:
Posy Morland hatte es immer schwer im Leben. Als sie einen kleinen, heruntergekommenen Buchladen in Bloomsbury erbt, scheint sich ihr Glück endlich zu wenden. Sie plant, den Laden neu zu eröffnen und dort nur Liebesromane mit Happy Ends zu verkaufen. Denn traurige Geschichten gibt es im wahren Leben ja genug. Doch Sebastian, der Enkel der verstorbenen Besitzerin, hat andere Pläne für den Laden und legt Posy Steine in den Weg, wo er nur kann. Dummerweise ist Sebastian auch schrecklich attraktiv – und der unverschämteste Kerl in ganz London. Findet zumindest Posy. Und rächt sich auf ihre Weise: Sie schreibt selbst einen Roman namens Der Wüstling, der mein Herz stahl – mit Sebastian als Held zum Verlieben ...

Ich mag Bücher, deren Schauplatz Buchhandlungen sind. Nicht erst seit Katarina Bivalds "Ein Buchladen zum Verlieben". Seither erhoffe ich mir bei jedem neuen Buchladen-Roman ein ähnlich tolles Leseerlebnis. 

Begonnen hat "Der kleine Laden der einsamen Herzen" schon mal gut. Trotz dem Einstieg mitten in der Trauerfeier der Buchladenbesitzerin Lavinia. Als Leser wünscht man sich Lavinia kennen zu lernen - es muss eine tolle Frau gewesen sein! Obwohl Posy nicht verwandt ist mit ihr, erbt sie den Buchladen Bookends. Sebastian, Lavinias Enkel, erbt das Grundstück; und sollte der Buchladen in den nächsten zwei Jahren kein Gewinn abwerfen, geht er ebenso an ihn. Jetzt liegt es an Posy, den Buchladen auf Vordermann zu bringen. Ihre Idee, daraus einen auf Liebesromane spezialisierte Buchhandlung zu machen, stösst besonders bei Sebastian auf taube Ohren. Er hätte lieber eine Krimibuchhandlung und mischt sich fortan kräftig ein.

Sebastian ist ein schwieriger Charakter. Er ist verwöhnt, egoistisch und dennoch merkt man, dass dies alles nur Schutzschilde sind und ihm viel an Posy liegt. 
Posy hingegen ist eher scheu. Es heisst, sie war mal anders, doch dann starben ihre Eltern und sie wurde zur Ersatzmutter für ihren kleineren Bruder Sam. Posy war und ist dankbar für alles was Lavinia für sie getan hat und wohl deshalb gibt sie bei Sebastian klein bei. Sie lässt sich alles gefallen, getraut sich nicht zu wehren oder mal auf den Tisch zu klopfen; ausserdem verteidigt und entschuldigt sie sich immer und überall. Ihr Verteidigungsmechanismus greift auch bei den Angestellten. Posys Charakter nervte mich zusehends. Sie wirkte extrem naiv und passiv. Posy mag Sebastian mehr, als dass ihr anfänglich bewusst ist. Erst nachdem sie selbst beginnt eine Regency-Liebesschnulze zu schreiben, entdeckt sie ihre Gefühle für Sebastian. 

Die Zusammensetzung der Angestellten des Buchladens ist gut gelungen. Alle sind irgendwie anders, doch Lavinia gab ihnen eine Chance. Nina mit den blauen Haaren und dem Bronté-Zitat-Tattoo; die introvertierte Verity, die kein Gefühl für Farben zu haben scheint und der wortkarge Literaturstudent Tom, der Montags der Kuchen wegen bei Bookends arbeitet. 

Die Autorin schildert den Alltag in einer Buchhandlung, die ihre besten Tage gesehen hat und an einer Neuausrichtung arbeitet. Bis auf einige gewollt eingefügte Turbulenzen ist ihr das auch sehr realitätsnah gelungen. Es passt auch sonst alles zum Thema Lovestory - vom Namen der Autorin (wohl ein Pseudonym) über Posys Begeisterung für die Regencyzeit und die auf Liebesromane spezialisierte Buchhandlung bis zu deren neuen Namen und weiteren Kleinigkeiten. Diesbezüglich war die Grundidee unverkennbar und ist der Autorin total gelungen. 

So gut der rote Faden sich durch den Roman zog, so sehr mangelte es mir an der Umsetzung der Protagonistin Posy, die zu oft klein beigab und der Figur von Sebastian, der zu häufig bewusst den Widerling spielte und sich überall einmischte. 

Als Special zählt am Ende des Buches die Autorin je 5 ihre Lieblings-Liebesgeschichten und Lieblings-Buchhandlungen auf. 

Fazit: Ein leichter Unterhaltungsroman rund ums Thema Liebesgeschichten - leider mit einigen Schwächen seitens der Charaktere.
3.5 Punkte. 


Kommentare:

  1. Ui UI ,,, zum Glück hab ich Deine Rezension eben entdeckt. Fast hätte ich mir das Buch bestellt als Rezensionsexemplar. Habe dafür ein Buch von Rebecca Hunt gewählt.* Everland* heisst der Titel. Ich bekomm es hoffentlich ...
    LG Angela

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  2. Dann drück ich dir die Daumen für "Everland" :-)
    Es hat sich so gut angehört und das Potential wäre da gewesen (siehe roter Faden), aber die Umsetzung haperte. Fast schon übertrieben zu brav kommt Posy daher. Schade, schade.
    Liebe Grüsse
    Anya

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  3. Hallo liebe Anya,

    das Buch hatte ich in der Buchhandlung schon ein paar mal in den Händen und habe es bisher nicht mitgenommen.

    Die Geschichte klingt echt gut, nach deiner Besprechung muss ich allerdings sagen das ich es jetzt erstmal im Laden stehen lassen werde.

    Liebe #litnetzwerk Grüße
    Bella

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  4. Hallo Bella
    das geht mir manchmal auch so, dass ich nicht sicher bin und lass das Buch liegen und ein paar gelesene Rezis später, weiss ich, wieso es nicht einziehen durfte. Vielleicht stolperst du ja später mal drüber und kannst unverbindlich rein lesen um dir ein eigenes Bild zu machen.
    Liebe Grüsse
    Anya

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  5. Hallo Anya,

    machmal zweifel ich ja ein bisschen an mir, ob ich vielleicht einfach nicht in der richtigen Stimmung für so ein Buch war. Aber deine Rezension zeigt mir, dass ich die beiden Protagonisten nicht als einzige so egoistisch (Sebastian) und naiv-passiv (Posy)empfunden habe. Schade eigentlich, denn Buchhandlungen als Schauplatz mag ich immer sehr. :)

    Liebe Grüße,
    Hanna von buchsichten.de

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  6. Hallo Hanna
    nein, du bist nicht die Einzige, die so ihre Probleme mit den Protagonisten hatte :-) Und wir beide sind da nicht alleine, wie ich schon gesehen habe. Bei Buchhandlungs-Geschichten erwarte ich halt einfach immer ein bisschen mehr, und wenn das dann nicht kommt, macht sich Enttäuschung breit.
    LG, Anya

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