Donnerstag, 27. April 2017

Barco Negro von Mario Lima (Fonseca 1)

Klappentext:
Die alte Hafenstadt Porto, am Morgen nach einem heftigen Herbststurm. Straßen sind überflutet, der Verkehr ist zusammengebrochen. Auch bei der Mordkommission stecken die meisten im Stau, als die Meldung eingeht. Ein Leichenfund in einem abgelegenen Haus am Atlantik. Für Ana Cristina, frisch von der Polizeischule, ist das die Chance, endlich an einer richtigen Mordermittlung beteiligt zu werden. Diesmal ist sie dabei, im ersten Wagen, der am Tatort eintrifft. Zwei Tote liegen im Haus, ein Mann und eine Frau. Ein rätselhafter Doppelmord, der immer neue Fragen aufwirft. Eine Spur führt zurück in die dunkle Vergangenheit Portugals, die noch gar nicht so lange her ist. Ana Cristina setzt alles daran, ihren ersten Fall zu lösen. Doch selbst der erfahrene Chefinspektor Fonseca stößt hier an seine Grenzen. Das Verbrechen hat Dinge in Gang gesetzt, die nicht mehr aufzuhalten sind. Unbemerkt bahnt sich ein Drama an, das tödlich enden wird.

Autor Mario Lima ist einer der ersten deutschen Autoren, der Portugal als Schauplatz seiner Bücher verwendet. Er lebt im Land und kann somit vor Ort recherchieren. Daraus entstand ein Krimi, der in Porto, der zweitgrössten Stadt Portugals angesiedelt ist. Die Polizisten sind immer ein wenig im Wettstreit mit der Landeshauptstadt Lissabon, und ich glaube, real fühlen sich die Einwohner Portos wohl auch immer als "Zweite", ein wenig benachteiligt, obwohl Porto viel schöner sein soll als Lissabon. 
Eines der Sehenswürdigkeiten Portos spielt eine tragende Rolle in Barco Negro. Beim Fischerdenkmal in Matosinhos ist einer Zeugin etwas Wichtiges aufgefallen. Hat die Geschichte des Denkmals eventuell etwas mit dem Mord an dem Ehepaar zu tun?

Ana Cristina, die junge Polizeipraktikantin, ihr Kollege Rui Pinto und ihr Chef Fonsecca ermitteln in einem schwierigen Mordfall. Aufgrund des schlechten Wetters gibt es kaum Spuren und niemand will was gesehen haben und niemand hat eine Ahnung, wieso die zwei ermordet wurden. Ana Cristina fällt an einem der Opfer etwas auf, aber die Ermittler können es nicht einordnen und erst spät zeigt sich was es damit auf sich hat. Bis dahin haben sie alle ganz schön viel zu tun mit ihrem geheimnisvollen Fall. 

In "Barco Negro" erwartete mich ein sympathisches Ermittlerteam. Alle drei haben ihre Eigenheiten: Ana Cristina ist noch etwas scheu, aber schlagfertig und unkonventionell. Sie erledigt ohne zu Murren auch die Drecksarbeit, vor der sich alle drücken. Ausserdem achtet sie genau auf die Worte der Zeugen, kein Wunder hat Ana doch ein Psychologiestudium hinter sich; Pinto flirtet gerne, er ist ein Schlitzohr, aber auch sehr kollegial; Fonsecca kennt die Stärken und Schwächen seiner Mitarbeiter. Er lässt den Chef nicht heraushängen und seine Leute auch nach ihren eigenen Ideen ermitteln.
Oft stossen sie alle an ihre Grenzen, die leider dem portugiesischen Polizeiapparat geschuldet sind. Viele Abfragen laufen über Lissabon und wenn die viel zu tun haben, muss Porto warten. Aber auch sonst sind die Ermittlungen in diesem undurchsichtigen Fall schwierig und sorgen immer wieder für Überraschungsmomente. 

Die Ermittlungen führen unter anderem ins Umland von Porto, so dass der Leser einiges vom nördlichen Portugal mitbekommt. Der Autor nahm noch mehr portugiesisches Lebensgefühl mit auf: nicht nur, dass oft Vinho Verde getrunken wird; der Titel des Buches ist gleichzeitig auch der Titel des bekannten Fado von Amalia Rodriquez und spielt eine wichtige Rolle im vorliegenden Fall. 

Ich habe nur zwei kleine Sachen zu bemängeln: erstens könnte eine Karte im Buchumschlag hilfreich sein, wenn die Leser die Touren nachverfolgen wollen. Zweitens das Alter von Ana Christina. Laut Buch ist sie Anfang 20 und hat schon die Polizeischule abgeschlossen, dazu Psychologie studiert. Das dünkt mich ein bisschen viel für so eine junge Frau; da müsste sie eher schon mindestens 25 Jahre alt sein. 

Ansonsten war ich extrem positiv überrascht von der Vielschichtigkeit des Krimis: der Fall war klar konstruiert, dazu schlüssig und vor allem spannend bis zum Ende und ich frage mich, wieso keiner der grossen Verlage das Potential gesehen hat. 

Fazit: Eine raffinierte und überraschende Kriminalgeschichte - nicht nur für Portugalliebhaber absolut lesenswert! 
4.5 Punkte.

Dienstag, 25. April 2017

Sonst so? am 25.04.2017


Vergangene Woche war ganz schön viel los auf meinem Blog. Jeden Tag eine Rezension - diese Woche wird es wieder ruhiger und Berichte erscheinen im normalen Rhythmus. 

Kennt ihr Buchdomino? Nein? Ich weiss ja nicht, ob es sowas offiziell gibt, ich nenne es so, weil es mich ans Dominospiel erinnert. Mir ist nun schon des Öfteren aufgefallen, dass mir ein Wort, eine Ortschaft, eine Person oder ein Name oder sonst irgendwas richtig in die Augen sticht, sei es weil es ein seltener Begriff oder ein spezielles Lied oder was auch immer ist. Und dann taucht es im nächsten Buch, das ich lese, wieder auf.
So las ich gerade letzte Woche das Wort "Boutiquehotel" in "Das Glück schmeckt nach Zitroneneis" von Abby Clements und zufällig einen Tag später erneut bei Ava Miles "Zwischen Himmel und Glück". Danach entdeckte ich Edit Piafs Lied "La vie en Rose" im "zauberhaften Buchladen an der Seine", aber auch in "Frühling in Paris". 
Zufall oder nicht, mir ist das nun schon einige Male passiert, meistens war es sogar wie im richtigen Dominospiel, zwei gleiche Begriffe in zwei Büchern und im zweiten Buch dann ein Begriff, das im dritten auftauchte. Leider habe ich mir über die Jahre hinweg die Beispiele nicht notiert und ich habe sie mittlerweile vergessen. Letzte Woche erinnerte ich mich beim "Boutiquehotel" wieder daran.
Sind euch solche Domino-Begriffe auch schon aufgefallen? 

Während ihr meine Dominogeschichte liest, bin ich sonst so gerade ein paar Tage im Urlaub. Wo verrate ich noch nicht, aber vielleicht werde ich bei Facebook oder Twitter mal einen Fotogruss hochladen. 

Zum Abschluss heute eine kleine Frage: Wer von euch liest gerne Romane, die auf historischen Tatsachen beruhen und vom Künstlerleben in Paris berichten? Wie zum Beispiel "Madame Picasso", das ihr auf dem Cover rechts seht. Für ein gemeinsames Blogspecial im Juli suche ich noch zwei interessierte BloggerInnen. Wenn ihr euch angesprochen fühlt, mailt mich bitte an - antworten und verraten worum es geht, kann ich euch aber erst Ende Woche. 
Machts gut und eine gute letzte Aprilwoche!

Montag, 24. April 2017

Montagsfrage 24.04.2017


Das erste Quartal des Jahres ist fast vorüber. Wie viel hast du schon gelesen und welche Bücher sind dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Dank Wasliestdu.de weiss ich, wieviele Bücher ich bereits gelesen habe in diesen ersten drei Monaten im 2017. Es sind 47. 

Mein erstes Highlight bei den Romanen war "Liebe auf drei Pfoten" und "Frühling in Paris", bei den Krimis "Lost in Fuseta" und "Kommando Abstellgleis". Die Links zu den Rezensionen dazu seht ihr rechts in der Archivleiste. 

Diese Woche habe ich euch noch eine Rezension zu "Barco Negro", ein Kriminalroman eines Selfpublishers, der mir extrem gut gefallen hat und ich mich frage, wieso dieser Krimi von den grossen Verlagen nicht aufgenommen wurde. Der Krimi ist nämlich besser als so manche Veröffentlichung der bekannten Verlage. 
Als Serie neu entdeckt habt ich die Tante Dimity-Reihe, dazu berichte ich euch im Mai. 

Ebenfalls im Mai werde ich einen Artikel über den Schauplatz eines der oben genannten Bücher posten. Dazu mache ich mich heute gleich auf, ich bin nämlich gerade vor Ort in den Ferien 😃

Erzählt ihr mir, welche Bücher eure bisherigen Favoriten sind? 

Sonntag, 23. April 2017

Krimi: Kommando Abstellgleis von Sophie Hénaff

Klappentext:
Das Pariser Hauptkommissariat, 36 Quai des Orfèvres hat eine neue Leitung. Ihr Ziel heißt: die Aufklärungsraten und Statistiken polieren und alle lästigen, aufsässigen und arbeitsunwilligen Mitarbeiter loswerden. Deshalb ruft die Führungsriege eine neue Brigade ins Leben, in der alle Alkoholiker, Faulenzer, Schläger, Depressive und Polizisten, die sich für etwas anderes berufen fühlen - wie z.B. Eva Rozière, die Krimis schreibt, anstatt zu ermitteln -, zusammengefasst werden sollen. Die Leitung übergibt sie Anne Capestan, einer einst hoffnungsvollen jungen Polizistin, die wegen eines fatalen Fehlers vom Dienst suspendiert wurde. Was man von ihr erwartet: stillhalten. Anne hasst aber nichts mehr, als einfach zu gehorchen. Deshalb lässt sie nichts unversucht und baut mit ihrer Truppe der verkrachten Existenzen in einem schäbigen Büro bei miserabler technischer Ausstattung, ohne Waffen und Blaulicht ein Kommissariat der unkonventionellen Methoden auf und löst - zum Schrecken der neuen Chefs - auch noch alte Fälle, die die neue Führungsriege in gar keinem schönen Licht erscheinen lassen ... Ein origineller, schwungvoller, intelligenter Krimi - zum Schießen komisch!

Neugierig geworden durch den witzigen Titel und das ungewöhnliche Cover, überflog ich den Klappentext und wusste, diesen Krimi muss ich lesen. Ich habe es nicht bereut, und freue mich schon jetzt auf den zweiten Band, der im Herbst erscheint. 

Anne hat eine Kugel zu viel abgeschossen und wurde deswegen für sechs Monate suspendiert. Nun steht sie im Hauptquartier und glaubt es kaum: sie wird Leiterin einer neuen Gruppe. Der Haken dabei: ihr Büro ist eine heruntergekommene, unmöbilierte Wohnung in der fünften Etage in der Gegend von Les Halles. Ihr Team bunt zusammengewürfelt aus Polizisten, die nicht mehr tragbar sind. Zum Beispiel Agent Santi, der seit vier Jahren krank ist. Oder Capitaine Merlot, dessen Name bereits viel über sein Laster aussagt; José Torrez, dessen Partner bisher alle im Dienst umgekommen sind; Krimiautorin Eva Rozierre, die aus Langeweile wieder in den Dienst will; Autorennfahrer Lewitz, der wohl nur wegen der Sirenen zur Polizei ging; Lebreton und Orsini und einige mehr. Ihre Aufgabe: Coldcases von Paris abarbeiten. Oder auch nicht. Hauptsache, sie sind beschäftigt.

Am ersten Arbeitstag tauchen gerade mal vier Leute auf, doch irgendwie schaffen sie es alte Fälle heraus zu suchen. Sie ermitteln frei und ohne Druck, denn zu verlieren haben sie nichts. Alle haben Schwächen, die, wie sie bald merken, in der neuen Truppe aber von grossem Vorteil sind und einander perfekt ergänzen.  
Entgegen allen Erwartungen überrascht die unorthodoxe Brigade schlussendlich das ganze Quai d'Orfèvres 36 und auch die Leser. 

Ich habe mich königlich amüsiert und wurde bestens unterhalten: der Krimi ist sehr vergnüglich zu lesen, voll mit Humor gespickt, aber auch die Schicksale der einzelnen Figuren lassen einen nicht kalt. Sophie Hénaff gelang mit ihrem witzigen Schreibstil und einer cleveren Story ein gekonnter Serienerstling. 

Fazit: Das Kommando Abstellgleis überzeugte mich total - ein witziger Krimi mit einem aussergewöhnlichem Team, das allen Widrigkeiten zum Trotz hervorragend ermittelt. 
4.5 Punkte.

Vielen Dank an carl's book und Random House! 

Reihenfolge:
Band 1: Kommando Abstellgleis
Band 2: Das Revier der schrägen Vögel (erscheint am 16.Oktober 2017)

Samstag, 22. April 2017

Krimi: Gefährlicher Lavendel von Remy Eyssen (Leon Ritter Band 3)

Klappentext:
Der Frühling in Le Lavandou ist warm und verheißt einen herrlichen Sommer. Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter fühlt sich längst als echter Südfranzose und verbringt gemeinsam mit Isabelle viel Zeit auf seinem Weinberg. Doch die Idylle wird getrübt, als Leon zwei brutal zugerichtete Leichen obduzieren muss. Staatsanwaltschaft und Kommissarin haben schnell einen Verdächtigen zur Hand, doch Leon ist skeptisch und beginnt selbst zu ermitteln. Er kommt einer jahrzehntealten Geschichte auf die Spur und steht plötzlich vor der Frage, ob es gerechte Rache gibt. Da braut sich über der ausgetrockneten Erde der Provence ein apokalyptisches Gewitter zusammen, und Leon darf keine Zeit verlieren...

Mit einem vermissten Richter beginnt Leon Ritters dritter Fall in Le Lavandou. Die Auffindung des Vermissten sorgt für viel Aufruhr. Die Polizei sowie die Politiker hoffen, dass der Fall schnell zu den Akten gelegt werden kann, denn bald schon findet der Blumencorso im Dorf statt. Eigentlich ein Touristenmagnet, aber nicht, wenn angeblich ein brutaler Sadist frei herumläuft. 

Wie immer ermittelt Leon Ritter selbst und zieht, auch wie immer, den Ärger von Polizeichef Zerna auf sich. Der Ablauf von "Gefährlicher Lavendel" ist genau gleich bei allen drei Fällen. Es gibt die gleiche Anzahl Verdächtige, die alle Dreck am Stecken haben, aber dann wird gegen Schluss mit einer Überraschung aufgewartet, die nicht wirklich eine ist und danach das Motiv erklärt. Zwischendurch gibt es Gedanken von Opfern und/oder der Täterschaft. Isabelle sorgt sich wie jedes Mal um ihre Tochter, Leon gibt wie immer der verständige Part ab. 

Neu ist nur Polizeipraktikant Begot, zu dem sag ich mal nichts; und dass zum ersten Mal der Lavendel vom Titel auch zum Inhalt passt, was mir gefällt. Der fulminante Schluss hingegen ist ein wenig übertrieben. 
Neu ist leider auch ein grober Umgangsfehler von Leon mit einer Spitalpatientin. Dieser Vorfall hat mich enttäuscht - erinnerte an einen ähnlichen Fehltritt eines französischen Kommissars letztes Jahr im Périgord - und war total überflüssig.

Ich habe es schon bei meiner Rezension des zweiten Bandes angedeutet und mit Bedauern stellte ich während der Lektüre dieses dritten Bandes fest, dass die Serie bedauerlicherweise tatsächlich von Fall zu Fall langweiliger wird, da sie alle fast exakt nach demselben Muster aufgebaut sind. Die Krimis können noch so gut geschrieben sein, aber  auf mich wirkt "Gefährlicher Lavendel" leider nur noch einfallslos.
Bis auf Zerna mag ich die Figuren noch immer, aber die Fälle sind eintönig geworden. Lust, aufgrund der Serie die Provence zu besuchen, habe ich nicht bekommen. 

Fazit: Der dritte Teil der Leon Ritter-Reihe läuft nach genau demselben Muster ab wie die Vorgänger. Überraschungen bleiben damit leider aus. 
3.5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 2: Schwarzer Lavendel
Band 3: Gefährlicher Lavendel

Freitag, 21. April 2017

Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine von Rebecca Raisin

Klappentext:
Buchhandlungen sind magische Orte, an denen manch einer ganz neue Wege für sein Leben zu entdecken vermag. Das zumindest findet die junge Buchhändlerin Sarah. Doch ihr kleiner, aber feiner Laden in der amerikanischen Provinz ist alles andere als eine Goldgrube und hilft ihr auch nicht weiter bei ihrem komplizierten Liebesleben. Als ihre Freundin Sophie sie bittet, für eine Weile ihren Buchladen am Ufer der Seine zu übernehmen, zögert Sarah nicht lange. Doch dort erwartet sie alles andere als la vie en rose, und Sarah muss erst die Geheimnisse der französischen Bücherfreunde verstehen, um den unvergleichlichen Zauber von Paris entdecken zu können …

Zauberhaft hört sich der Klappentext an und das Cover ist wunderschön. Doch ganz so zauberhaft spielt sich der geplante Buchhandlungstausch leider nicht ab. Doch von vorne. 

Die Amerikanerin Sarah träumt schon lange nach einer Reise nach Paris. Als ihre französische Online-Freundin Sarah sie spontan fragt, ob sie nicht ihre Buchhandlungen für einige Zeit tauschen wollen, sagt Sarah sofort zu. Kurz darauf steht sie in Paris und öffnet die Türe zu "Once upon a Time", der grossen englischsprachigen Buchhandlung von Sophie. 
Das Chaos beginnt: Sarah wird von Beatrice herumkommandiert und auch alle anderen Angestellten tun und lassen, was sie wollen. Nur in Océane und TJ findet Sarah Freunde. 
Derweil entspannt Sophie im amerikanischen Gingerbread Café, das Sarahs Laden gegenüber steht. Deren Freundinnen Missy, CeeCee und Lil nehmen sie sofort in ihrer Mitte auf. Sarah ist fast ein wenig eifersüchtig auf Sophie und denkt öfters daran, den Tausch abzubrechen. Zudem leidet Sophie daran, dass sich ihr Freund Ridge kaum meldet. Ridge ist Journalist und reist quer durch die Welt. Ridge wollte Sarah in Paris besuchen, doch das scheint nicht zu klappen. 
Enttäuscht ist Sarah auch von der vielen Arbeit, vom totalen Chaos, der laschen Arbeitseinstellung von Sophies Angestellten und der unfreundlichen, schroffen Bedienung der Kunden. Es geht lange bis Sarah die Fäden in die Hand nimmt und nicht nur Sophie, sondern auch deren Angestellten die Stirn bietet. Nur Luiz Delacroix, der Autor, der oft in der ersten Etage der Buchhandlung schreibt, scheint ein Lichtblick zu sein.

Die Geschichte entpuppt sich als nicht so ruhig und beschaulich wie das Cover vermuten lässt und auch nicht so wie in Katarina Bivalds Buch, das wohl beim Lesen des Titels den meisten Lesern sofort in Erinnerung kommt.
Immerhin erweist sich die Geschichte als nicht ganz so vorhersehbar wie vermutet, was positiv ist. Es braucht aber lange, bis endlich das Chaos überwunden ist. Erst dann beginnt die Lektüre Spass zu machen. 

Leider erst spät, denn oft schüttelte ich den Kopf - die Autorin lässt vieles aus und das wirkt auf mich nicht gut recherchiert. 
Wie stellen sich Sophie und Sarah den Ladentausch vor, wie lange soll er dauern? Was müssen beide beachten? Wo befinden sich die Arbeitspläne und welche Regelungen gilt es zu beherzigen, was passiert an Feiertagen? Nichts von alldem wird erzählt. So wirkt der Tausch extrem naiv. Auch brauchen die beiden doch eine Arbeitsgenehmigung, und die ist nicht in solch kurzer Zeit da. Eine Buchhandlung zu führen ohne jegliche Arbeitsplanung und Mitarbeiterführung klingt unglaubwürdig. Ebenso das Übernachten von Angestellten auf den Sofas des Buchladens. Klar ist jede Erzählung Fiktion und manchmal kann man als Leser ein Auge zudrücken, aber meinem Empfinden nach müssen einige essentielle Dinge trotzdem glaubwürdig sein. Die Autorin hat diesbezüglich viel Nachholbedarf.

Die Beschreibung der Touren durch Paris mit Océane haben mir gefallen, ebenso Sarahs Diskussionen mit Luiz. Sehr schön waren die Begegnungen mit Nebenfiguren erzählt, zum Beispiel die Besuche bei Antiquitätenhändlerin Anouk.

Fazit: Potential wäre vorhanden, aber wenig Zauber und viel Chaos dominieren diese nicht ganz so zauberhafte Geschichte eines Buchhandlungstausches.
Knappe 4 Punkte.

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und Netgalley!

Auf Englisch gibt es quasi Vorgänger von diesem Roman, einige erzählen die Geschichte vom Gingerbread Cafe. Danach folgen die Paris-Romane der Autorin. "Der zauberhafte Buchladen am Ufer der Seine" wäre Band 1. Es folgen zwei weitere; im zweiten Band dreht sich alles um Anouk und ihren Antiquitätenshop. Anouk und ihr Geschäftsmodell fand ich interessant und très sympa, daher würde ich ihre Geschichte gerne auf Deutsch lesen. Vielleicht haben wir Glück und es wird übersetzt!

Die originale und chronologische Reihenfolge der Bücher von Rebecca Raisin:
Band 1: Christmas ath the Gingerbread Cafe
Band 2: Chocolate Dreams at the Gingerbread Cafe
Band 3: Christmas Wedding at the Gingerbread Cafe

Secrets at Maple Syrup Farm (es spielt zwar in Ashord, hat aber auf den ersten Blick wohl nicht viel mit Sarah und ihren Freundinnen zu tun)
The Bookshop on the Corner (Geschichte von Sarahs Buchladen und das Kennenlernen von Ridge) 
Band 1: The Little Bookshop on the Seine ("Mein zauberhafter Buchladen am Ufer der Seine")
Band 2: The Little Antique Shop under the Eiffel Tower
Band 3: The Little Perfume Shop off the Champs-Elysées

Donnerstag, 20. April 2017

Frühling in Paris von Fiona Blum

Klappentext:
In der Rue d'Estelle blühen die Platanen. Es ist Mai, und das Leben scheint heiter und unbeschwert. Doch den Bewohnern des Hauses Nr. 5 ist nicht nach Frühling zumute. Isaac, der alte russische Jude, verlässt kaum mehr seinen Tabakladen. Dem Studenten Nicolas, der als Straßenclown arbeitet, gelingt es nicht mehr, die Menschen zum Lachen zu bringen. Und die ehrgeizige Tänzerin Camille hat alle Leichtigkeit verloren. Bis eines Tages die junge Louise auftaucht und ein kleines Café eröffnet. Mit ihrer Unbekümmertheit stellt sie alles auf den Kopf und sorgt für einen Zauber, den es in der Rue d'Estelle schon lange nicht mehr gegeben hat.


Melancholisch wirkt das Cover mit der Rückenansicht einer Frau. Nehmen wir an, es ist Louise Barclay, die mit dem Zug von London her gerade in Paris ankommt und die frühlingshafte Stadt auf sich wirken lässt. Noch weiss sie nicht, was sie in der französischen Grossstadt erwartet. Von Paulette Petit wurde sie informiert, dass Louises Tante Isabelle Bonnet verstorben ist und sie ihr etwas mitzuteilen hat. Louise wird vor Ort dann damit überrascht, dass sie eine kleine Mansarde vererbt bekommen hat. 

Nebenan wohnt Strassenkünstler Nicolas Javrés, der sich gerne auf der Galerie der Chimären an der Notre Dame aufhält. In der ersten Etage wohnt Balletttänzerin Camille St. Pierre zur Untermiete; im Parterre befindet sich auf der einen Seite Monsieur Isaacs Tabakladen, auf der anderen Isabelles und Paulettes Bäckerei, die nun leer steht. 

Louise hat in London nichts, was auf sie wartet und entschliesst sich, eine Weile in Paris zu bleiben. Sie weiss nicht, was sie vom Leben will. Louise hat viel begonnen und alles abgebrochen. Soll sie weitermachen wie bisher oder vielleicht ein bisschen gründlicher planen als früher?
Paulette fühlt sich alleine nach Isabelles Tod und wünscht sich mehr Leben in der Rue d'Estelle. Nicolas schleppt mehr als nur seinen Rucksack durchs Leben, Camilles Lebenstraum platzt, Isaac weiss nach dem Tod seiner Frau nichts mit sich anzufangen und dann sind da noch Nicolas Freunde Marcello und der skurrile, Dante zitierende Silvain, aber auch die häkelnde Wirtin Josephine.

Wie schon in "Liebe auf drei Pfoten" wählt die Autorin ihre Figuren behutsam aus. Es sind nie die lauten Extrovertierten, sondern die ruhigen einfachen Charaktere, Leute wie du und ich. Gut, manchmal haben sie nicht so alltägliche Berufe, aber trotzdem sind alle bescheiden und der Leser wird schnell mit allen warm. Die grünen Blätter auf dem Cover und auch der Titel "Frühling in Paris" versprechen Zuversicht, die einige der Bewohner der Rue d'Estelle wegen Schicksalsschlägen und der Frage, wie es weitergehen soll, nötig haben. 

Der Leser kommt zeitgleich mit Louise in Paris an und taucht ein in die Geschichte der Bewohner der Rue d'Estelle Nr 5, deren Stimmung zwischen Melancholie und Lauschigkeit schwankt. Es geht um Lebensträume, ums Überleben, Weiterleben und im Entfernten auch um ein Wagnis eingehen. "Es geht weiter" - so empfand ich das Motto des Buches, welches wortgewaltig, ausdrucksstark und mit einer guten und genauen Beobachtungsgabe verfasst wurde. 

Fazit: Eine bezaubernde Geschichte, die leise, poetische Töne anschlägt und Hoffnung und Frohsinn verströmt. 
4.5 Punkte.

Mittwoch, 19. April 2017

Zwischen Himmel und Glück von Ava Miles (Dare Valley 2)

Klappentext:
Verdammtes Herz! Jill sollte Brian auf keinen Fall eine Chance geben. Dass er damals nach New York ging und sie verließ, hat eine Wunde hinterlassen, die nie richtig geheilt ist. Doch nun ist er wieder da, flirtet mit ihr und weckt ihre Sehnsucht. Ein Kuss - und plötzlich scheint alles möglich! Bis Brians Ex-Freundin in Dare Valley auftaucht. Jills schlimmste Befürchtungen scheinen wahr zu werden: Sie kann ihm nicht trauen. Oder ist ihre Liebe diesmal stark genug, um für ihr Glück zu kämpfen?




Nachdem mir Nora Roberts Land extrem gut gefallen hat, war ich sehr gespannt auf den zweiten Teil aus der (im englischsprachigen Raum bisher 11teiligen) Dare Valley-Reihe. "French Roast", so der englische Originaltitel, bringt den Inhalt perfekt und mit einem Augenzwinkern auf den Punkt. "Zwischen Himmel und Glück" passt eher weniger, es müsste besser "Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt" heissen. 

Merediths Schwester Jill Hale und ihr ehemaliger Freund Brian sind der zentrale Mittelpunkt dieser Geschichte. Jill, die in Dare Valley ihr eigenes, erfolgreiches Café betreibt, ist seit dem Tod ihrer besten Freundin Jemma und der Rückkehr ihres Highschool-Ex Brian emotional nicht sehr stabil. Einerseits will sie ihn zurück, andererseits gibt sie ihm kaum eine Chance. Brian ist verliebt in Jill, doch seine Vergangenheit lässt ihn nicht an ein Happyend glauben. Ihre Pläne von einem gemeinsamen Restaurant scheinen an ihren unterschiedlichen Vorstellungen zu scheitern. Dann wird Jill von einem Investor für ein geheimnisvolles Projekt angefragt und Brian bekommt unerwartet Besuch von seiner Ex aus New York, die ihn als Chefkoch anheuern will. Noch mehr Geheimnisse, noch mehr Trouble und noch mehr Auf und Ab's.

Und genau daraus besteht die gesamte Geschichte: sie lieben sich, reden nicht, versöhnen sich irgendwann, doch dann kommt irgendwas aus der Vergangenheit aus/daher und schon beginnt alles wieder von vorne... 
Das ganze Auf und Ab, kriegen sie sich oder kriegen sie sich nicht, kann durchaus witzig oder fesselnd beschrieben sein. Dass eine Geschichte vorhersehbar ist, muss nicht zwangsläufig negativ sein. Die Autorin bewies in "Nora Roberts Land", dass sie durchaus gelungene Bücher schreiben kann.
Aber in "Zwischen Himmel und Glück" wiederholt sich das Muster gefühlte fünfzig Male ohne jegliche Spannung und nervte mich extrem. 

Denn auch die Charaktere nerven: Jill und Brian würde man am liebsten packen und durchschütteln. Jill, die ich in "Nora Roberts Land" durchaus sympathisch fand, verhält sich wie ein unreifer Teenager und allürenhaft. Sie prescht los, überlegt nicht, gibt alles. Oder nichts. 
Brian leidet noch immer am intoleranten Verhalten seines Vater während seiner Teeniezeit. Brian hat es bis heute nicht überwunden und will sich auch nach dem Tod der Eltern noch beweisen. Er traut sich nicht offen mit Jill zu reden und wenn er sich mal überwindet, lässt sie es nicht zu. 
Dazu kommt viel zu viel Sex - Sarah Morgans Bücher sind prüde dagegen - und zuviel Gefühlsdrama wegen nichts und wieder nichts. 

Wäre dies Ava Miles erstes Buch, das ich gelesen hätte, ich würde keins mehr lesen. 
Ich weiss nun gar nicht, ob ich mich auf Peggys Geschichte freuen soll oder nicht. Sie könnte spannender sein als die von Jill und Brian, doch auch Peggy verhielt sich hier nicht so sympathisch wie in "Nora Roberts Land". Sie hat Probleme mit ihrer Weiblichkeit, null Bock auf "Mädchendinge" wie zusammen einkaufen oder etwas trinken und reden. Macalister Maven hingegen war mir, obwohl ich erst skeptisch war, sehr sympathisch und vielschichtig aufgrund seiner Herkunft und seinem Verhalten.  

Fazit: Ein nerviges Beziehungs-Auf-und-Ab ohne Spannung, das mich nach dem tollen Serien-Einstieg "Nora Roberts Land" sehr enttäuschte. 
3 Punkte.

Vielen Dank an den mtb Mira Taschenbuch Verlag und Harper Collins!

Reihenfolge:
Band 1: Nora Roberts Land
Band 2: Zwischen Himmel und Glück

Dienstag, 18. April 2017

Das Glück schmeckt nach Zitroneneis von Abby Clements

Klappentext:
Der gebürtige Italiener und die Engländerin Anna wagen das Abenteuer und ziehen vom nasskalten Brighton ins sonnenverwöhnte Sorrent. Hier wollen sie eine Gelateria eröffnen und ganz Italien mit ihren Eiskreationen verzaubern. Eigentlich eine brillante Idee, wäre da nicht Matteos verrückte, laute Verwandtschaft. Insbesondere Mamma Elisa hat ihre eigenen Vorstellungen, wie italienische Eiscreme zu schmecken hat. Eines steht fest, dass wird ein turbulenter Sommer …




Erst auf den ersten Seiten entdeckte ich, dass das vorliegende Buch wohl eine Fortsetzung von "Viviens himmlisches Eiscafé" sein muss. Der Name Imogen verbunden mit Thailand sagte mir etwas. Jetzt war ich noch mehr gespannt, denn das himmlische Eiscafé hat mir nicht so gut gefallen.

Im ersten Band konnte man die Geschichte von den beiden Schwestern Anna und Imogen verfolgen. Sie erbten das Eiscafé ihrer Grossmutter Vivien und renovierten es gemeinsam. Anna flog nach Italien um sich nach Glacérezepten umzusehen und kam zurück mit Matteo, den sie kennen und lieben lernte. Imogen hingegen trennte sich von ihrem Freund Luca, der in Thailand blieb, während sie schon wieder in Brighton war. Kurz darauf lernte sie den Surfer Finn kennen. 

Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen. Imogen hat sich aus dem Eiscafé zurückgezogen und fotografiert nur noch. Sie freut sich auf einen Fotojob in Südamerika, der ihr zum Durchbruch verhelfen könnte. Anna und Matteo sind Eltern einer Tochter geworden und führen das Eiscafé erfolgreich weiter, doch Matteo vermisst Italien. 

Wer Italien will, braucht Geduld, denn erst nach etwa einem Drittel verabschieden sich Anna und Matteo vom regnerischen Brighton und reisen ins sonnige Sorrent. Hier wollen sie einige Monate eine Gelateria führen und später entscheiden, ob sie in Italien bleiben wollen oder wieder zurück nach Brighton ziehen. Während ihrer Abwesenheit führt Evie das Eiscafé. Deren Souvenirshop wird von Finn umgebaut, da er mit seinem Surferladen expandieren möchte. Onkel Martin renoviert Viviens Haus, es soll ein kleines Boutiquehotel werden. Anna und Imogens Eltern helfen fleissig mit. 

In "Das Glück schmeckt nach Zitroneneis" läuft einiges mehr als im Vorgängerband: Der Umzug nach Italien ist nicht so einfach wie gedacht, Matteos Familie ist trotz Abstand gegenwärtig. Die Schwiegermutter mischt sich viel zu oft ein, was die Beziehung von Anna und Matteo schwer belastet. Immerhin versteht sich Anna sehr gut mit Matteos Schwester Carolina, doch in deren Leben geht gerade auch einiges den Bach runter. In Brighton hat Imogen Angst vor einer festeren Beziehung mit Finn, findet ausserdem Fotos und Briefe von Vivien und glaubt, dass die Grossmutter einige Geheimnisse hütete. Denen möchte sie auf die Spur kommen; vorerst behält sie alles für sich. Imogen kümmert sich zudem um Hotelgast Clarissa, die schon viel zu lange im Hotel lebt und der es nicht gut zu gehen scheint. 

Ich befürchtete schon, dass auch dieser zweite Teil ähnlich oberflächlich wie der erste Teil sein würde. Doch ich wurde positiv überrascht, denn die Gedankenwelt aller Beteiligten werden klar ausgeführt und alle Ereignisse werden mitfühlend erzählt. Auch die prickelnde Spannung blieb bis zum Schluss erhalten. 

Der Roman kann gut unabhängig vom ersten Teil gelesen werden. 

Fazit: Eine schöne, leichte und lesenswerte Fortsetzung von Viviens himmlisches Eiscafé, in dem man den italienischen Sommer spüren kann. 
4 Punkte.

Vielen Dank an den mtb Mira Taschenbuch Verlag und Harper Collins! 

Reihenfolge:
Band 1: Viviens himmlisches Eiscafé
Band 2: Das Glück schmeckt nach Zitroneneis

Montag, 17. April 2017

Sonst so am Ostermontag 17.04.2017


Letzte Woche habe ich es angekündigt und heute ist es nun soweit:
Meine neue Rubrik "Sonst so?" ist geboren!

Mein Blog ist ja eher ein Rezensionsblog als ein über-Bücher-plaudern-Blog. Dennoch hatte ich manchmal den Wunsch ein bisschen über Gelesenes oder Aufgeschnapptes zu plaudern, plus ein paar Verlinkungen hie und da, doch wie sollte ich das noch unterbringen? Meist wären es ja doch nur ein paar Gedankengänge und nicht riesenlange Texte und nur dafür extra einen Blogeintrag war mir irgendwie zu suspekt. Ich stellte mir eher einen Sammelpost vor. Also hab ich Ende letzten Jahres angefangen unterhalb den Montagsfragen-Posts ein paar Sätze zu schreiben, angekündigt mit der Frage "Und sonst so?". Das war gut für Ankündigungen oder andere kurze Mitteilungen, aber eben noch nicht das Richtige. Es sollte eine eigene Rubrik werden und nicht im Zusammenhang mit einer Aktion - oder eine Aktion wie zum Beispiel die Montagsfrage könnte darunter noch Platz finden - doch dazu fehlte mir ein passender Titel. 

Was hab ich mir seit Januar nicht alles überlegt, nur um kurz darauf alles wieder zu verwerfen, weil die Titel schon in anderen Blogs vorkommen oder zu lang wären oder zu Schweizerdeutsch oder nicht treffend. Schlussendlich habe ich mich für die kurze Frage, ableitend vom jetzigen "Und sonst so" für "Sonst so?" entschieden. In der Schweiz ist die Frage "(und) susch (so)?" allgegenwärtig, manchmal reicht schon einfach "susch?" aus. Oft kombiniert mit "und" oder "so" oder mit beidem, gerne auch mit "no öppis". Was auf gut Hochdeutsch im Einzelhandel oder Service "Willst du noch etwas?/Darfs noch etwas sein" und im restlichen Alltagsleben ein "Was ist noch?" bzw. "Was wolltest du noch sagen?" meint. Und dann sind wir bei dem angelangt, was ich möchte, nämlich eben no öppis sägä, imfall. Das imfall ist im Fall auch so ein Schweizer Wort, das sich nicht übersetzen lässt. Das hatte ich auch mal kurz im Sinn, aber es könnte leicht falsch verstanden werden. Und deshalb bleibe ich bei "Sonst so?". Ein Logo dazu hab ich auch bereits gestaltet, aber ich bin noch nicht zufrieden damit, es könnte sich also noch ändern in nächster Zeit. Aber nun warte ich erst mal auf besseres Licht um neue Fotos zu machen. Wer den Wetterbericht gesehen hat, weiss, das dauert noch...
"Sonst so" wird übrigens nicht nach einem fixen Plan veröffentlicht. Wahrscheinlich öfter mal an einem Montag, aber sicherlich auch an anderen Wochentagen.

Über Ostern war ich viel unterwegs, ergo auch oft am Lesen. Natürlich wie immer auf meinen Readern. Ich liebe meine guten Seelen und gebe die nie mehr her. Aber es gibt ja immer noch ganz viele Leute die sagen "ich lese nur Print-Bücher, ein eReader kommt mir nicht ins Haus". Manche davon tun dies recht vehement und so konnte ich mich kaum mehr auf dem Stuhl halten vor lauter Lachen, als ich Pergamentflugzeuge durchs Fenster werfen von Bücherverschlingen gelesen habe. Ein herrlicher Vergleich! 

Apropos eReader, auch beim Sketch von den Knallerfrauen gibts was zu lachen. 

Meine Reader hab ich mir ja angeschafft, weil meine Ferienkoffer permanent überfüllt waren - mit Büchern. Und auch die Bücherregale hatten keinen Platz mehr, mein Nachwuchs liest genau so gern und fast noch mehr als ich. Im Kinderzimmer war letzte Woche deshalb eine Kinderbuchregal-Aufräumaktion angesagt. Als Kind wächst man nicht nur aus den Schuhen, sondern auch alle paar Jahre aus seinen Büchern raus. Alle Bücher, die meine Tochter behalten wollte, blieben im Regal, der Rest kam raus zum Durchsehen. Ich dachte mir dies sei eine Sache von maximal 30 Minuten. Falsch gedacht, denn jedes herausgenommene Buch und jede Kinderzeitschrift wird seither nochmals gelesen und erst dann entschieden, ob es noch bleiben darf oder nicht. Da nimmt es jemand sehr genau ;-)

Diese Woche wird sie hoffentlich noch Zeit finden, alles durchzusehen. Schliesslich sind jetzt Schulferien. Doch da wir Nachmittags jeweils weg sind, wird es vielleicht doch knapp. Knapp wird auch meine Zeit sein, wahrscheinlich werde ich es nicht schaffen, endlich meine drei ersten Bücher der Green-Mountain-Serie zu lesen plus meine Reiseführer. Heute in einer Woche bin ich für einige Tage im Ausland - darauf muss ich mich noch vorbereiten. 


Nun wünsche ich euch erstmal einen schönen Ostermontag und bis bald wieder!
Eure Anya






Mittwoch, 12. April 2017

Die Blütensammlerin von Petra Durst-Benning (Maierhofen 3)

Klappentext:
Nach ihrer Trennung soll Christine entweder aus ihrem Haus ausziehen oder ihren Mann auszahlen. Wer aber gewährt einer Hausfrau Ende vierzig ein Darlehen oder stellt sie ein? Doch die Maierhofener Frauen halten zusammen und helfen Christine, ihr Haus in ein Bed & Breakfast umzuwandeln. Und sie wird Single-Wochenenden ausrichten, an denen man nicht nur das Landleben, sondern auch neue Menschen kennenlernt. Sogar Marketingexpertin Greta ist begeistert: Im Juni findet doch der große Kochwettbewerb statt – und wie wäre es, wenn Christine ein Team zusammenstellte, das daran teilnimmt? So könnte jeder Topf seinen Deckel finden …

Unsere Maierhofener haben im dritten Teil nur die Nebenrollen inne. Ausser Christine. Um sie geht es hauptsächlich in "Die Blütensammlerin". 
Christine hat keine Ausbildung und nach der Ehe mit Herbert ist auch kein Rest Selbstwertgefühl mehr vorhanden. Verlassen vom Mann und den beiden Töchtern und nur alleine mit ihren Hunden fühlt sie sich nutzlos. Herbert triezt sie immer mehr, nun will er ihr sogar das Haus wegnehmen. Zusammen mit ihren Freundinnen kommt sie auf die Idee, ihre Zimmer rechtzeitig zum Zeitpunkt des Kochwettbewerbs als Bed & Breakfast anzubieten. 

Bald darauf beherbergt Christine eine Gruppe Singles im besten Alter, die als Team an einem Kochwettbewerb teilnehmen sollen. Jeder bringt seine Geschichte mit, aber nicht jeder ist bereit etwas in seinem Leben zu ändern, obwohl alle noch Wünsche ans Leben haben. Bis all die Einzelpersonen sich als Team zusammenfinden, ziehen einige Tage ins Lande.

Die achtköpfige Gruppe ist vielfältig und besteht aus Christines geschiedener Schwester Erika, ihrem Nachbarn Reinhard, dem Schweizer Renzo, Krankenschwester Luise, dem griechischen Wirt Apostoles, der unzufriedenen und frühpensionierten Bankangestellten Viktoria, Forstwirt Willi und der Feinkosthändlerin Noelle.

Alle machen aus einem bestimmten Grund am Wettbewerb mit, einige hoffen auf eine neue Liebe, andere wollen nur ausspannen vom Job, doch eine Veränderung steht bei fast allen an. Veränderung und neue Liebe sind somit die zentralen Themen des Buches: neu beginnen kann man jederzeit, man muss es nur wagen. Es wird unter anderem auch die schwierige Partnersuche auf Internetportalen und diverse andere Hindernisse für ein allfälliges neues Lebensglück angesprochen. Und dabei merkt man, dass Petra Durst-Benning sich wie immer intensiv mit der Gefühlswelt ihrer Figuren auseinandergesetzt hat. Folglich kommen sie sehr lebensecht und glaubhaft beim Leser an. 

Die bunt gemischte Truppe hält sich nicht nur in Christines Haus und Garten auf, sondern unternimmt einige Ausflüge in die Umgebung und einzelne schauen sich in Maierhofen um. So erlebt der Leser zwar kurz, aber doch noch die eine oder andere Begegnung mit altbekannten Maierhofener. Nur bei Magdalena in der Bäckerei ist man öfters zu Gast. 

Besser noch als "Das Weihnachtsdorf" kann dieser dritte Teil unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden. Das Cover ist schön und passend. Auch in "Die Blütensammlerin" finden sich im Anhang Rezepte zum Nachmachen. Dieses Mal sind es Rezepte für Liköre, Sirups und Bowlen.

Fazit: Leben, lieben und lieben lassen - ein schöner Frühlingsroman und gelungener dritter Teil der Maierhofen-Reihe. 
4 Punkte.


Reihenfolge:
Band 3: Die Blütensammlerin


Weitere Rezensionen zum Buch gibt es von:
Sommerlese
Bücherfansite 

Dienstag, 11. April 2017

Krimi: Lost in Fuseta von Gil Ribeiro

Klappentext:
Das Septemberlicht an der Algarve ist von betörender Weichheit. Am Flughafen von Faro nehmen Sub-Inspektorin Rosado und ihr Kollege Esteves einen schlaksigen Kerl in schwarzem Anzug in Empfang: Leander Lost, Kriminalkommissar aus Hamburg, für ein Jahr in Diensten der Polícia Judiciária. Eine Teambildung der besonderen Art beginnt. »Lasst uns die Besten austauschen« – so stand es in der Broschüre von Europol. Doch schon bald gibt der merkwürdig gekleidete Lost seinen portugiesischen Kollegen aus dem Küstenstädtchen Fuseta Rätsel auf: Warum spricht er schon nach drei Wochen Sprachkurs fließend Portugiesisch – und versteht dennoch keinen ihrer Witze? Warum starrt er die Menschen so komisch an – und ist dennoch von so rührend-altmodischer Höflichkeit? 
Auf der schwierigen Suche nach dem Mörder eines Privatdetektivs, der mit seinem Boot auf einer vorgelagerten Atlantikinsel gestrandet ist, kommt das Trio nicht nur langsam den schmutzigen Geschäften eines Unternehmens auf die Spur, das die Wasserversorgung an der Algarve übernommen hat. Die vermeintlichen Defizite und Inselbegabungen des deutschen Kommissars entpuppen sich immer mehr als kriminalistischer Gewinn. Und Leander Lost erfährt im Laufe der Ermittlungen zum ersten Mal in seinem Leben, was es heißt, Teil eines Teams zu sein. Zumal Soraia, die hübsche und lebenskluge Schwester von Sub-Inspektorin Rosado, ein ausgeprägtes Interesse an ihm entwickelt ...

"Lost in Fuseta" ist schuld an meinen derzeitigen Augenringen. Ganze zwei Nächte kam ich nicht zum Schlafen, weil ich einfach weiterlesen musste, bis mir die Augen fast von selbst zufielen. Ich verlor mich in der Geschichte, die in Fuseta und Umgebung spielt.
"Lost in Fuseta" - "Verloren in Fuseta" war zuerst auch Leander Lost, der deutsche Kommissar mit Asperger Syndrom. Noch nicht mal eine Stunde im Land, werden seine Kollegen zu einem Leichenfund gerufen, mitten im Naturschutzgebiet an der Algarve. Daraus entpuppt sich ein spannender Fall, der noch so manche überraschende Wendung nimmt. 

Senhor Lost hat keinen einfachen Einstieg in sein Austauschjahr, er begeht ziemlich schnell einen groben Fehler - der sich bei genauerem Hinsehen aber als Lebensrettung entpuppt. Doch bald schon ergänzen sich die Fähigkeiten der drei Ermittler aufs Beste. Die feinfühlige und klar denkende Graciana Rosado und der immer hungrige Carlos Esteves nehmen Leander Lost in sein Team auf. Ihren aufgeblasenen Kollegen Miguel Duarte mögen sie nicht, dafür ist ihr Chef Raul da Silva nett und umgänglich. Die vier gehören der Polizia Judiciaria mit Sitz in Faro an. Auf der GNR-Polizeiwache Moncarapacho hingegen sitzen Luis Dias und Ana Gomes. Eigentlich arbeiten die verschiedenen Abteilungen gut zusammen, aber Luis und Ana sind recht faul und tun nur das, was man ihnen sagt. Manchmal nicht mal das richtig. 

Innoffizielles Teil des Teams ist klar Soraia, Gracianas Schwester. Sie hilft den anderen Leander besser zu verstehen und später unterstützt sie das Team beim Umgang mit einer Zeugin. 
Trotzdem gibt es oft genug Missverständnisse, die Leanders Art so mit sich bringt. Ein Polizist der nicht lügen kann, ist schon recht speziell. Aber Leander ist willig, er würde es ja so gerne lernen; auch die Sache mit der Ironie, doch es klappt nicht. Wie das Team lernt mit Leanders Eigenheiten umzugehen, ist eindrücklich beschrieben. 
Mich erinnert "Lost in Fuseta" stark an "Unforgettable", die TV-Serie, die auf einer Kurzgeschichte von J. Robert Lennon basiert. Jemand, der mit einem fotografischen Gedächtnis ausgestattet ist, eignet sich perfekt für den Job bei der Polizei. Nur wird diese Stärke im Buch von Gil Ribeiro zusammen mit Leanders Schwäche, dem "nicht-lügen-können", noch faszinierender kombiniert. 

Ähnlich wie bei Jean-Luc Bannalec sind die Kapitel mit der Anzahl Tagen überschrieben, so dass man am Anfang schon weiss, wie viele Tage die Ermittlungen andauern werden. Etwas was ich mag. Auf den ersten Seite ist eine Karte der Gegend zu finden, so dass man gefahrene Routen schnell nachschlagen kann. 
Die Algarve ist landschaftlich schön und genau beschrieben. Besonders gefallen hat mir die Beschreibung von Gracianas Elternhaus samt ihrer Nachbarschaft, wie auch das Alltagsleben in Fuseta. 

Dem Autor Gil Ribeiro, auch bekannt als Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt, ist mit "Lost in Fuseta" ein absolut lesenswerter Krimi gelungen, der diesen Sommer unbedingt ins Reisegepäck gehört. Falls man ihn nicht vorher schon liest. 

Fazit: Ein ungleiches, aber sehr sympathisches Polizeiteam, eine schöne Gegend, ein interessantes Thema, ein rätselhafter, spannender Fall - was braucht es mehr für einen guten Krimi? 
5 Punkte.

Montag, 10. April 2017

Sherry für drei alte Damen oder wer macht hier das Licht aus? von Minna Lindgren (Band 3)

Klappentext:
Die Freundinnen Siiri, Irma und Anna-Liisa ziehen aus ihrer WG zurück ins frisch renovierte Altersheim. Dort glaubt man offenbar an die Wunder der Technik bei der Altenpflege. Da scheinbar nichts mehr ohne EDV und Computer geht, brauchen die drei Freundinnen eine gehörige Portion Humor und viel gesunden Menschenverstand, um das alles überleben zu können.
Siiri, Irma und Anna-Liisa freuen sich, nach ein paar Monaten in ihrer Alten-WG in ihre Seniorenresidenz zurückziehen zu können. Doch die ähnelt mehr einem Versuchslabor. »Computerbasierte Altenpflege« ist der neueste Schrei – und die drei alten Freundinnen könnten wirklich den lieben langen Tag nur noch schreien. Da braucht es schon viel Selbstironie, um auch diese neue, allzu neue Situation souverän meistern zu können.

Sprechende Wände und Kühlschränke - das erwartet die drei alten Damen im renovierten Altersheim Abendhain. Essen gibt es nur noch aus dem Automaten, und zwar ausschliesslich von 8 bis 16 Uhr. Pflegepersonal ist Mangelware, die einzigen Betreuer scheinen einer Sekte anzugehören. Bekehrungsversuche sind an der Tagesordnung, nicht ohne die Bitte Spenden sofort und online zu überweisen. 
Irgendwas läuft gehörig schief im Abendhain und Siiri wird immer misstrauischer. Massagestühle im Aufenthaltsraum sind ja ganz angenehm, aber Sport nur noch über Spielkonsolen zu treiben und eine Rattenplage bringen das Fass zum Überlaufen und die Freundinnen auf eine Idee...

Fast könnte man Angst bekommen, dass die beschriebene Technik in ein paar Jahren überall einzieht und hofft, dass man selbst möglichst lange alleine leben kann, um solch einem Leben zu entgehen. 

Siiri ist zum Glück noch mobil genug um ihre geliebten Tramfahrten wahrzunehmen und freut sich sehr, als sie Mika wieder sieht. Auch mit Muhi aus Band 2 gibt es ein Wiedersehen - ein schöner Abschluss dieser finnischen Serie. 

Wie in den ersten beiden Büchern wird auch hier nicht mit Humor gegeizt, viel Neues - ausser der ganzen modernen Technologie, die im Abendhain Einzug gehalten hat - gibt es im vorliegenden dritten Band aber nicht. 

Fazit: Wie die Vorgängerbände humorvoll und herrlich ironisch und ein guter Abschluss der "Drei alte Damen"-Serie.
3.5 Punkte.


Reihenfolge:
Band 3: Sherry für drei alte Damen oder Wer macht hier das Licht aus?

Montagsfrage 10.04.2017


Welches Buch hast du zuletzt deiner Wunschliste hinzugefügt und wie bist du darauf aufmerksam geworden?

Ehrlich? Keine Ahnung! Meistens wächst meine Wunschliste im Mai und Oktober an, dann wenn die Verlagsvorschauen erscheinen. Unter dem Jahr schaffen es eher weniger Bücher auf meine Wunschliste. Und wenn, dann merke ich sie mir eigentlich selten. Hauptsache, sie stehen auf der Liste. Die Reihenfolge, wie sie es auf die Liste geschafft haben, ist mir dann egal ;-)
Vielleicht war es "Mirabellensommer" von Marie Matisek, das im Juni erscheint?
Oder die weiteren Bände der Tante Dimity-Serie, nachdem ich letzte Woche Band 1 gelesen habe? 
Denn die Fortsetzungsbücher von alten Krimireihen, die wie die Tante Dimity oder Benny Harper-Serie neu als eBook aufgelegt werden, setze ich eigentlich nicht auf die Wunschliste, die laufen bei mir nebenbei in der Kategorie "möchte ich lesen". Auf die Wunschliste setze ich meistens nur Neuerscheinungen. 

Wie ist das bei euch?



Und sonst so:
Am Samstag hab ich mich spontan dazu entschlossen, am #litznetzwerk Kommentierwochenende teilzunehmen. Über 90 Bücherblogs haben sich eingetragen - ich hab sie alle besucht. Kommentiert habe ich aber nur, wenn ich was Passendes zu einem Beitrag zu sagen hatte. 

Ich finde es erstaunlich positiv, wie vielfältig die Bücherblogger-Welt ist. Jedes Genre ist abgedeckt, jedes Layout anders. Altersmässig ist alles zwischen Zwanzig und Sechzig vertreten. Einige schreiben fast nur Rezensionen, andere machen fast nur bei Aktionen mit, viele posten meist nur Vorschauen. Doch alle haben etwas gemeinsam: es steckt viel Herzblut dahinter! Und wieso? Weil wir es um des Buches wegen tun, wegen nichts anderes. Das ist es, was uns Buchblogger vereint. 

Bei Erika von litblogkoeb habe ich dazu passend einen schönen Bericht der Irish Times über Buchblogger gefunden: Book bloggers are real readers. 
Und dazu passt auch, was ich eben auf Buchblögchen entdeckt habe: #miteinanderstattgegeneinande

Ab nächster Woche wird es eine neue Rubrik geben auf meinem Blog. Ich hirne nun seit Januar an einem gescheiten Namen dafür, die Entscheidung ist noch nicht gefallen, ich habe noch drei zur Auswahl. Und kann mich wahrscheinlich bis zur letzten Sekunde nicht entscheiden...


Ich wünsche euch allen eine kurze Woche und am Sonntag viele Schoggiosterhasen ;-) 

Liebe Grüsse,
Anya







Mittwoch, 5. April 2017

Die Zitronenschwestern von Valentina Cebeni

Klappentext:
Elettras früheste Kindheitserinnerung ist der Duft von Anisbrötchen. Ihre Mutter war eine begnadete Bäckerin, deren Köstlichkeiten direkt den Weg zum Herzen der Menschen fanden. Doch seit sie schwer erkrankt ist, steuert die Bäckerei der Familie auf den Bankrott zu. Und Elettra ist ganz auf sich allein gestellt, denn sie erfuhr nie, wer ihr Vater ist. Als sie von einer kleinen Insel im Mittelmeer hört, auf der ihre Mutter die glücklichste Zeit ihres Lebens verbracht haben soll, reist sie kurz entschlossen dorthin. Inmitten von Zitronenhainen stößt sie auf ein verlassenes Kloster, das eine alte Liebe verbirgt – und vielleicht das große Glück.


Die Autorin nimmt uns mit auf die fiktive Île du Titan/Isola del Titano. Auf der Insel steht ein heruntergekommenes Kloster, das im Mittelpunkt dieses Romans steht. Es gehört Lea, die den Unmut des Bürgermeisters zu spüren bekommt, weil er das Kloster verkaufen will. Bei ihr leben Nicole und Dominique; bald auch Elettra, die auf den Wunsch von ihrer Mutter Edda die Insel besucht. 
Elettra möchte herausfinden, weshalb ihre Mutter hier gelebt hat und hofft auf jemand, der ihr mehr erzählen kann. Doch da findet sich niemand. Nur das untrügliche Zeichen von Anisduft, der ab und an durchs Kloster schwebt, deutet daraufhin. Um die Geschichte des Klosters ranken sich viele Legenden; auch hier muss etwas passiert sein, doch niemand weiss genaues. 
Der Leser ist minim im Vorteil, er liest auf den ersten Seiten von den zwei besten Freundinnen Edda und Josephine, die 1940 im Kloster lebten. Was danach passierte erfährt man nach und nach. Doch es geht lange, bis Elettra zum Schluss alles erfährt, was sich auf der Insel abspielte. 
Für alle, die wegen der Jahreszahl ins Grübeln geraten, weil sie nicht gerne Bücher über Kriege lesen: nein, die Geschichte hat nichts mit dem Krieg zu tun.

Die Insel ist schön beschrieben, den Duft der Zitrone fand ich jedoch nur in den Rezepten, nicht aber in der Geschichte. Durch das unfreundliche Verhalten der Insulaner fühlt man sich wie im Mittelalter. Seit einem Unglück, bei dem viele Fischer gestorben sind, leben viele Witwen auf der Insel, die meisten von ihnen auf der anderen Seite der Insel. Witwenschaft gilt als Strafe und die wenigen Männer auf der Insel spielen sich als Pascha auf. Es wird eine patriarchalische Familienordnung gelebt, die auf Aberglauben gestützt ist. So liest sich sich die Geschichte eher wie ein Roman aus früherer Zeit. Die Gefühle sind verklemmt, das Verhalten der Einwohner zutiefst unverständlich. 

Die Figuren wirken alle unnahbar distanziert, mir war keine sympathisch. Am ehesten vielleicht noch Isabelle, die Inselhebamme. 
Irgendwie passt dazu, dass auch die Isola del Titano nicht fassbar ist. Wo genau diese fiktive Insel zu finden ist, wird nirgends erläutert. Ich nehme an, sie liegt irgendwo zwischen Italien und Frankreich, da vor allem französische und italienische Namen vorkommen. Auch zeitlich ist der Roman schwer einzuordnen; es gab keine Computer und kein Handy, zumindest kommen keine vor. 

Eigentlich hoffte ich auf einen Schreibstil wie bei Cristina Carboni, vor allem bei den Bienenszenen und der Immobiliengeschichte musste ich doch öfter an ihre "Honigtöchter" denken. Frau Carboni wird im Nachwort erwähnt, wahrscheinlich ist sie die Mentorin von Valentina Cebeni. Doch leider kommt Frau Cebeni sprachlich und inhaltlich nicht an ihr Vorbild heran. 
Die trübsinnige, bedrückte Stimmung auf der Insel übertrug sich beim Lesen immer mehr auf mich. Der Roman wirkt nicht nur düster, er ist auch langatmig durch viele Wiederholungen. 
Die Witwenverbannung hätte nicht sein müssen. Der böse Bürgermeister, der das Kloster wegnehmen will, hätte gereicht. Vielleicht wäre die Geschichte dadurch glaubwürdiger geworden und hätte nicht wie ein Märchen gewirkt. Sie wäre sicherlich angenehmer zu lesen. 

Fazit: Der Duft von Anis und Zitrone fand ich nur in den ersten Kapiteln, danach wird die Geschichte je länger, je schwermütiger. 
3 Punkte.

Vielen Dank an den Penguin Verlag und Random House!

Weitere Meinungen zum Buch findet ihr u.a. bei:
Buchlieblinge
Kiras Bücherwelt 
Herzenszeilen 
Katrins Home
Literaturgarten

Nachgebackene Anisbrötchen mit Rezept aus dem Buch: 

Ich habe die Hälfte des Rezepts genommen und 7-8 Brötchen daraus geknetet. Am besten sind sie frisch zu geniessen.