Freitag, 30. September 2016

Lesebiografie September 2016

- Die Canterbury Schwestern von Kim Wright 
- Glück ist wenn man trotzdem liebt von Petra Hülsmann 
- Tödlicher Lavendel von Remy Eyssen 
- Schwarzer Lavendel von Remy Eyssen 
- Portugiesisches Erbe von Luis Sellano 
- Letzter Kirtag von Herbert Dutzler (Ein Altaussee-Krimi 1)   
- Zimtsommer von Sarah Jio  
- Cherringham Krimi 1: Tiefer Grund von Matthew Costello und Neil Richards
- Das Weihnachtsdorf (Maierhofen 2) von Petra Durst-Benning
- Mord unter Brüdern von Jean G. Goodhind 
- Gestorben wird früher (Mabel Clarence-Serie 6) von Rebecca Michéle 
- Blutroter Flieder von Mareike Marlow

Krimi: Letzter Kirtag von Herbert Dutzler (Gasperlmaier-Krimi 1)

Klappentext:
So etwas hatte selbst der Gasperlmaier noch nie gesehen. Dabei ist ihm schon vieles untergekommen, schließlich ist Gasperlmaier seit mehr als zwanzig Jahren Polizist in Altaussee. Aber ein Erstochener am Montag in der Früh im Festzelt vom Altausseer Kirtag, das ist auch für ein gestandenes Mannsbild wie ihn zu viel. Und so trifft er eine falsche Entscheidung, nicht die letzte an diesem Tag, und auch der Tote, der in seinem eigenen Blut im Festzelt hockt, wird nicht das einzige Opfer bleiben. 




Der erste Fall für Gasperlmaier, der - man glaubt es kaum - bereits seit 20 Jahren Polizist in Alttaussee ist. Morgens entdeckt er einen toten Mann im Bierzelt und schleift ihn kurzerhand ins Pissoir, damit die Festbesucher in aller Ruhe bzw. Ausgelassenheit weiter feiern können.... 


An österreichischen Krimis kannte ich bisher nur "Kommissar Rex". Was für Kommissar Rex und sein Team die Wurstsemmel ist, ist für Polizist Gasperlmaier der Schnaps. An Kirtagen geht das ja gerade noch, aber sonst?

Wir haben hier einen dümmlichen, naiven Polizisten mit angeblich über 20 Jahren Berufserfahrung, der meint es falle niemandem auf, wenn man eine Leiche bewegt. Dazu einen peinlichen Gerichtsmediziner, der ausschliesslich schlüpfrige Witze erzählt. Gasperlmaiers Chef ist auch nicht viel besser, er hat wie Gasperlmaier ein grosses Problem mit Frauen. Kaum hat eine einen kurzen Rock an, wissen die Polizisten kaum mehr wo hingucken. Fast auf jeder Seite fällt ihnen zuerst die Oberweite der Frauen oder ihre restliche Kleidung auf, etwa "Unterhose mit Schnürl durch". Nicht mal die aufgebotene Frau Doktor Kohlross von der Bezirkspolizei wird ausgelassen. Von ihr ist Gasperlmaier erotisiert und er setzt "ein etwas blöde wirkendes Lächeln" auf. 
Ich frage mich, wie so einer wie Gasperlmaier Polizist werden konnte. Bringt kaum einen vernünftigen Satz heraus und ist mehr Fremdenführer für die Kohlross als ein selbstbewusster Polizist. Seine Frau Christine ist bei weitem die bessere Ermittlerin als Gasperlmaier selbst, der rein gar kein Fettnäpfchen auslässt.

Ich nehme an, der Autor wollte mit seinem Text humorvoll rüberkommen, aber an solchen geballten sexistischen Äusserungen auf praktisch jeder Seite finde ich nichts lustig.

Ihr seht, ich bin absolut nicht warm geworden mit diesem steirischen Regionalkrimi, der neben oben genannten Attributen mit seitenweise purem Dialekt und dialektdurchzogenem Hochdeutsch glänzt. Klischeegetränkt durch und durch; und voller Vorurteile (die armen Wiener!)

Fazit:  Eigentlich könnte ich das Gespann Gasperlmaier/Kohlross mögen, wenn nicht alles auf Gedeih und Verderben derart hinterwäldlerisch daher kommen würde. Schade. 
2 Punkte.

Dienstag, 27. September 2016

Krimi: Portugiesisches Erbe von Luis Sellano

Klappentext:
Henrik Falkner weiß kaum, wie ihm geschieht, als er die malerischen Altstadtgassen von Lissabon betritt. Der ehemalige Polizist soll ein geheimnisvolles Erbe antreten: Sein Onkel hat ihm ein Haus samt Antiquitätengeschäft vermacht. Während Henrik mehr und mehr in den Bann der pulsierenden Stadt am Tejo gerät, entdeckt er, dass sein Onkel offenbar über Jahre hinweg Gegenstände gesammelt hat, die mit ungelösten Verbrechen in Verbindung stehen. Und kaum hat Henrik seine ersten Pastéis de Nata genossen, versucht man, ihn umzubringen. Henrik stürzt sich in einen Fall, der sein Leben verändern wird.


Durch eine Leseprobe und das Verfolgen einer Blogtour (hier die Zusammenfassung der Blogtour und die Links zu den einzelnen Beiträgen) und dem ganz toll gestalteten Cover wurde ich neugierig auf diesen Krimi von Luis Sellano.

Im Krimi wird erzählt von Henrik, der von einem Notar nach Lissabon gerufen wird. Von seinem, ihm nur durch Hörensagen bekannten, Onkel hat Henrik anscheinend ein Haus vererbt bekommen. Ganz traut Henrik der Sache nicht und zu Recht ist er misstrauisch, denn er fühlt sich verfolgt und soll zudem ein Rätsel lösen. Henrik würde die Hinweise schon finden, so steht es im Testament. Von den Hausbewohnern ist keine Hilfe zu erwarten, sie wollen bloss wissen, ob sie weiterhin im Haus wohnen können oder nicht. Henrik hat keine Ahnung, wie sein Onkel gelebt hatte, wie er sein Geld verdiente und sein Antiquariat führte und wieso er zum Erben gewählt wurde. Zufällig findet Henrik einen ersten Hinweis, den er überprüfen will...

Was am Anfang noch okay war, nervte mich immer mehr: alles geschieht zufällig - Henrik "weiss" jeweils mit einem Blick dies ist ein Zeichen, diese Visitenkarte ist die richtige, dieses Haus muss es sein, genau dieser Name auf einer Liste hilft mir weiter, etc. Ein solch zufälliger Hinweis stört mich nicht, aber durchs Band hinweg war mir das echt zuviel. Zufall an Zufall wird aneinandergereiht - solide Ermittlerarbeit geht anders.

Unstimmig sind auch viele Szenen, wie zum Beispiel als Henrik in Dreck und Asche lag, sich befreien konnte und dann so dreckig wie er ist, mit der Strassenbahn quer durch die Stadt fährt und derart verdreckt und ungewaschen mit einer attraktiven Frau schläft. Entweder war die "in Schutt und Asche liegen"-Szene nicht so schlimm wie es sich las oder der Autor dachte nicht mehr an den demolierten Helden. Es bleibt auch nicht bei der einen Frau, es folgt in Kürze eine weitere; immerhin ist er dann geduscht, aber ganz kann ich ihm das seitenweise Trauern um seine verstorbene Frau deshalb nicht abnehmen. 
Henrik steht immer im Mittelpunkt, seine wenigen Gehilfen verblassen neben ihm. Er rennt von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, erlebt viele brenzlige Situationen: die ganze Geschichte um das Haus und das Leben seines Onkels dünken mich extrem konstruiert. 

"Portugiesisches Erbe" ist ein toller Reiseführer durch Lissabon, aber kein schlüssiger und stimmiger Krimi. Er ist zwar actionreich, aber rein alles geschieht zufällig ohne wirkliche Ermittlungsarbeit. Am Ende ist trotz aller Action nicht alles aufgelöst und verweist auf einen Folgeband. Die Geschichte ist sehr zäh zu lesen und die eigentlich gute Idee des aufzulösenden Verbrechens ist schlecht umgesetzt. 
Wer gerne Action ohne viel Sinn liest, dem könnte dieser Krimi gefallen.  

Fazit: Portugiesisches Erbe hinterlässt mich unzufrieden und enttäuscht. 
2.5 Punkte.

Vielen Dank an den Heyne Verlag und Random House! 
(Über diesen Link findet ihr auch eine Stadttour und Tipps für eure Lissabonreise.)

Montag, 26. September 2016

Das Weihnachtsdorf von Petra Durst-Benning (Maierhofen Band 2)

Klappentext:
Es ist Anfang Dezember im malerischen Allgäu. Maierhofen liegt friedlich im Schnee, Kerzenlicht funkelt in den Häusern. Der Trubel des Sommers ist längst vorbei, das große Kräuter-der-Provinz-Festival nur noch eine schöne Erinnerung. Langweilig wird es im Genießerdorf jedoch lange nicht, denn der erste Weihnachtsmarkt steht bevor. Wenn es nach Werbefrau Greta geht, haben dort Plastik-Nikoläuse und billiger Glühwein nichts verloren. Wird es aber den Maierhofenern gelingen, das Wahre und Gute in den Winter hinüberzuretten? Therese freut sich auf Feiertage in trauter Zweisamkeit, doch jemand will ihre Pläne durchkreuzen. Und während es Christine vor ihrem ersten Fest alleine graut, werden Roswitha und Edy auf die Probe gestellt. Junges Liebesglück, neue Sehnsüchte und zerschlagene Hoffnungen brauen sich zusammen wie Winterstürme. Wie viele kleine Wunder braucht es für das große Glück. 

Nach dem tollen Sommerfest sind wir zum Weihnachtsmarkt und Weihnachtsfest erneut nach Maierhofen eingeladen.
Auffallend ist die geringe Seitenzahl im Vergleich zum ersten Band "Kräuter der Provinz" und des im März 2017 erscheinenden dritten Bandes. Anstatt 512 Seiten wartete "Das Weihnachtsdorf" nur mit 208 Seiten auf. 

Doch die sind prall gefüllt mit Weihnachtsvorbereitungen, denn das Buch beginnt in der ersten Dezemberwoche. Während Therese ihre Nikoläuse auspackt, denkt sie zurück an letztes Jahr, in dem sich ihr Dorf quasi neu erfunden hat. Die Maierhofener sind noch immer begeistert von all den positiven Veränderungen und planen nun den ersten Weihnachtsmarkt. 
Therese will ihr Restaurant und die Pension über Weihnachten zu schliessen, um zusammen mit Sam ein ruhiges Weihnachtsfest zu erleben. Auch Greta und Vincent wollen zusammen feiern und den anderen jeweils mit einem tollen Geschenk überraschen. Christine freut sich auf den Besuch ihrer beiden Töchter, ihre ersten Weihnachten ohne ihren Ex-Mann Herbert. 
Nur Rosi freut sich nicht auf die Weihnachtstage, ihr wird alles zuviel. Ihre Kartoffelchips sind erfolgreich und sie müsste noch mehr Zeit investieren um allen Nachfragen gerecht zu werden. Auch die vegane "Metzgerei" von Edy, in der Rosi sich um den Versandhandel kümmert, floriert und ihre senilen Eltern kann sie nach wie vor nicht alleine lassen. Als sie ungewollt ein Telefongespräch von Edy mit anhört, fürchtet sie um ihre Beziehung...

Die Emotionen fliegen hoch in "Das Weihnachtsdorf". Erwartungen, Wünsche und Überraschungen - negative wie positive - machen den Maierhofener zu schaffen. Ich fand es schön, alten Bekannten wie Heidi Hutter zu begegnen und auch neue Personen wie die Geschwister von Rosi kennen zu lernen. Doch genau von diesen dreien hätte ich gerne mehr gelesen. Ich hoffe fest, dass man von ihnen im dritten Teil nochmals liest, denn ihre Geschichten wurden für mich nicht zu Ende erzählt. 

Viele weihnachtliche Rezepte für Punsch, Glühwein, Liköre und Backwaren vervollständigen das Buch. Von daher ist es fast schade, das Buch an einem schönen Herbsttag zu lesen, so wie ich es getan habe. Ich möchte erst noch den Herbst geniessen, bevor ich weihnachtlich gestimmt bin. Doch spätestens im November wird es Zeit für diesen kurzen Roman, er stimmt sehr gut auf Weihnachten ein.

Der kurze Roman macht Lust es den Maierhofener gleichzutun und das Haus im Advent zu dekorieren, Geschenke auszuwählen, Glühwein trinken und zu backen. Doch der Roman lehrt uns auch daran zu denken, dass man sich nicht zu sehr auf die eigenen Pläne versteifen soll. Man weiss nie, was einen erwartet.

Fazit: Weihnachtsfeeling pur! 
4 Punkte.


Reihenfolge der Maierhofen-Serie:
2. Band: Das Weihnachtsdorf 
3. Band: Die Blütensammlerin - erscheint am 20. März 2017 

Montagsfrage 26.09.2016



Welches Buch hast du zuletzt aufgrund der Rezension eines anderen Buchbloggers gelesen?

Ich lese bei anderen Blogs gerne Rezensionen zu Büchern, die ich mich eh interessieren, sei es, weil sie schon auf meinem SuB sind, ich sie gerade lese oder bereits gelesen habe oder die sich noch auf meiner Wunschliste befinden. 

Es kann sein, dass ich nach dem Lesen einer Rezi zu einem bestimmten Buch schneller zum besprochenen Buch greife, aber da die Bücher eh schon auf meiner Leseliste sind, lese ich sie nicht wirklich aufgrund der anderen Rezi. Die Rezis machen mich dann eher neugierig oder glustig auf meine noch nicht gelesenen Bücher, und dann stelle ich vielleicht die Reihenfolge um, in der ich sie lesen wollte :-)

Bei mir ist es eher so, dass ich bei einigen eventuell interessanten Büchern abwarte und erst Rezensionen dazu lese, bevor ich sie mir kaufe oder ausleihe. 
Gerade wenn es sich um ein Buch eines Autoren handelt, dessen letztes Buch mich nicht vollends überzeugt hat oder ich beim Lesen des letzten Buches überrascht war, weil das Thema ganz anders war als im Klappentext besprochen. 
So geschehen bei Katrin Tempel: zu ihrem ersten Buch "Holunderliebe" hatte ich einige Kritik und bei ihrem zweiten Roman "Mandeljahre" erwartete mich ein anderer Inhalt als auf dem Klappentext angegeben. Deshalb wartete bei "Rosmarinträume" die Rezensionen dazu ab, und entschied mich daraufhin, das Buch vorerst nicht zu lesen. 


Und sonst so...
Ich besuchte gestern eine Kürbisfarm und bin jetzt ganz in Herbstlaune, auch in der Küche. Gestern gabs neben einem Pumpkin Spice Soja Latte auch Coleslaw mit Kürbis, Donnerstag und Freitag bereits Kürbissuppe. Und heute werde ich selbst noch einen Pumpkin Spice Syrup herstellen...

Und ich weiss nun gar nicht, ob ich zuerst meine Spätsommerromane oder bereits die Herbstkrimis lesen soll ;-) Deshalb überspringe ich heute einfach mal die Jahreszeit, zumindest Rezensions-mässig, und stelle heute im Laufe des Tages meine erste Weihnachtsroman-Rezi dieses Jahres online. Danach aber schnell zurück zum wunderschönen Herbst - ich wünsche euch eine schöne Altweibersommer-Woche!




Freitag, 23. September 2016

Krimi: Schwarzer Lavendel von Remy Eyssen (Leon Ritter Band 2)

Klappentext:
In der Provence ticken die Uhren langsamer. Daran gewöhnt sich der deutsche Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter nur schwer. Jetzt beginnt rund um das Städtchen Le Lavandou gerade die Weinlese, und zu seiner eigenen Überraschung wird Ritter selbst Besitzer eines kleinen Weinbergs. Aber die Freude darüber währt nur kurz, denn statt edler Reben wird auf dem Grundstück eine mumifizierte Frauenleiche entdeckt. Der detailversessene Ritter erkennt schnell: Die Tote wurde professionell einbalsamiert. Als eine weitere junge Frau als vermisst gemeldet wird, findet Ritter heraus, dass beide Frauen für die Weinernte in die Provence kamen. Macht jemand Jagd auf junge Erntehelferinnen?

Direkt nachdem ich den ersten Band ausgelesen hatte, griff ich zum zweiten Band der Leon Ritter-Krimiserei, zu "Schwarzer Lavendel", und versetzte mich gleich wieder in die beschauliche Provence. 

Leon lebt mittlerweile seit über einem Jahr in Le Lavandou, nach wie vor bei Isabelle. Diese hält ihre Tochter Lilou kurz, sie hat Angst um sie, verständlich nach den Vorfällen im ersten Band. Leon versteht es zu vermitteln, er hat einen guten Draht zu Lilou. Auch zu Isabelle - zwischen ihnen knistert es gehörig. Was den eifersüchtigen Polizeichef Zerna noch unberechenbarer macht und noch gereizter als eh schon auf Leon reagiert.
Leon erbt einen Weinberg und freut sich, doch die Behörden wollen ihm seinen Besitz nicht gönnen. Als eine Leiche auf seinem neuen Grundstück gefunden wird, wird er fast noch selbst verdächtigt. Die mumifizierte Leiche lenkt ihn zum Glück ab und fasziniert ihn; selten bekommt er solch gut erhaltene Leichen auf den Tisch. Isabelle kümmert sich derweil um Anna Winter, eine Deutsche, die ihre Schwester vermisst. Viel zu spät merken die Ermittler, dass ein Zusammenhang besteht und auch Anna in Gefahr ist.

Der Krimi-Aufbau ist ähnlich wie im ersten Band. Ich befürchtete schon, dass zuviel Ähnlichkeiten auftauchen, doch der Autor bekam den Rank gerade noch. Für einen allfälligen dritten Band wünsche ich mir ein, zwei Personen mehr, die als Täter in Frage kommen, sonst wird es mir langweilig. Auch wenn falsche Fährten ausgelegt wurden, war mir (wie bereits im ersten Band) schnell klar, wer da seine Finger im Spiel hat. 
Irgendwie stört es mich ein wenig, dass die Titel nicht wirklich zum Inhalt passen. Die Ortschaft Le Lavandou erinnert zwar an den Lavendel im Titel, doch ansonsten haben sie nichts mit dem Inhalt gemein.
Eine weitere kleine Ungereimtheit hat sich mir eröffnet, als Monique gegen Ende des Buches einen kritischen Blick auf Isabelle wirft. Als ob sie sich nicht kennen. Jedoch hat Monique Leon anfangs des ersten Teils die Unterkunft bei Isabelle empfohlen, weil Isabelle die Schwester von Moniques Schwager ist. Da nahm ich an, dass die zwei Frauen sich kennen, was jetzt aber gar nicht so tönte.  
Es sind nur diese kleinen unrunden Details, die meine einzigen Kritikpunkte an der Leon-Ritter-Serie sind.  

Die Kapitel sind kurz und somit für alle die abends im Bett "nur noch schnell ein Kapitel" lesen (und daraus dann mindestens drei weitere Kapitel werden... oder mehr...) ideal. 
Wie schon im ersten Band analysiert Leon seine Mitmenschen, er kann fast nicht anders und stellt hier eine beginnende Parkinson oder dort Diabetes fest - was er wohlweislich für sich behält. Auf seinen Autofahren hört er mit Vergnügen Radio Nostalgie (kann man übrigens übers Internet hören - für passende Musik während der Lektüre ist gesorgt!) , denkt über seine Fälle nach und geniesst die Ruhe, die er bei seinen Besuchen auf dem Polizeirevier nicht hatDort herrschen die üblichen Rangeleien zwischen Zerna und Kommissarin Lapierre, und Masclau riskiert nicht nur auf dem Revier zu oft eine grosse Klappe (und ich wette, in einem der nächsten Büchern fällt er tief), sondern auch beim Boulespiel. Die Boule-Clique ist auch in diesem Band mit dabei. Ihre, wie auch sämtliche andere Charaktere im Buch, sind auch dieses Mal treffend gezeichnet. Veronique gefällt mir fast am besten.

Ich habe den Kriminalfall sehr gerne gelesen, mir gefallen die Beschreibungen der Umgebung, finde die Figuren toll dargestellt, Leon ist mir sympathisch, ich mag sein Durchhaltewillen, der Fall ist spannend und stimmig. 
Da der Krimi im Herbst spielt, passt er momentan hervorragend zur Saison und allen, die gerne "saisonal" lesen, kann ich ihn nur empfehlen. 

Fazit: Ein schlüssiger und vor allem spannender Kriminalfall mit viel Lokalkolorit. 
4 Punkte. 

Vielen Dank an den Ullstein Verlag!

Reihenfolge:

Band 1: Tödlicher Lavendel
Band 2: Schwarzer Lavendel

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Mittwoch, 21. September 2016

Krimi: Tödlicher Lavendel von Remy Eyssen (Leon Ritter Band 1)

Klappentext:
Eigentlich hatte sich Rechtsmedizinier Dr. Leon Ritter auf einen entspannten Job in der Sonne gefreut. Doch kaum im Örtchen Lavandou angekommen, liegt schon sein erster Fall auf dem Tisch. Ein Mädchenmörder geht in der Provence um. Zwei weitere Mädchen sterben, und alle Spuren laufen scheinbar ins Leere. Ritter kämpft nicht nur gegen eine perfiden Märder, sondern auch mit dem Laisserfaire der südfranzösischen Behörden. Als plötzlich die Tochter seiner Kollegin Isabell Morell entführt wird, wird es heiss in Lavandou, sehr heiss sogar. Und Ritter merkt, dass sogar sein eigenes Urteilsvermögen getrübt ist.


Schon lange liegt der Krimi auf meinem SuB. Viel zu lange, wie sich beim Lesen herausstellte.

Der deutsche Arzt Leon Ritter wechselte vor einigen Jahren in die Pathologie weil er keine Angehörigen mehr betrügen wollte: ihnen sagen, dass es für die Angehörigen Hoffnung gibt, obwohl es nicht so war. Er liebt seinen Beruf als Gerichtsmediziner und verlässt Deutschland um in Frankreich eine Stelle in der Klinik Saint Sulpice anzunehmen. Er kommt eine Woche zu früh - weder ist seine Wohnung bereit noch sein Chef vor Ort. Monique, die Krankenhaus-Sekretärin verhilft ihm zu einem Gästezimmer in Le Lavandou, im Haus von der stellvertretenden Polizeichefin Isabelle Morell und ihrer 15jährigen Tochter Lilou. Doch anstatt eine Woche Ferien, auf die sich Leon schnell eingestellt hat, bekommen er und Isabelle Arbeit. Ein kleines Mädchen wird vermisst und bald tot aufgefunden. Die Behörden vor Ort, der Bürgermeister Daniel Nortier wie auch Polizeichef Thierry Zerna, möchten den Fall vertuschen, damit ihr Dorffest wie geplant durchgeführt werden kann. Aber Leon lässt diese Vertuschung nicht zu, seine Ergebnisse sprechen für sich, womit er die Wut von Zerna auf sich zieht.


Leon hat es also nicht so leicht an seiner neuen Stelle. Der cholerische Polizeichef Zerna lässt sich nicht reinreden; Didier Masclau, Isabelles Assistent, ist ein prolliger Beamte mit vielen Vorurteilen und vorschnellen Handlungen, die er nur zu gerne kundtut. Immerhin ist Sous-Lieutenant Moma Kadir der besonnenste auf dem Revier. Aus Toulon wird Kommissarin Patricia Lapierre hinzugerufen, was für etliche Schlagabtausche mit Zerna führt. Sobald die zwei sich nichts mehr zu sagen haben, trumpft Leon mit seinen Ergebnissen auf. Er lässt sich nicht einschüchtern und arbeitet genau; sein ruhiger Assistent Olivier Rybaud hilft ihm dabei. Doch auch von aussen droht immer wieder Ärger: Fotograf Tony und die Journalistin Brigitte Menez vom Var-Matin stören die Ermittlungen immer wieder.


In Le Lavandou freundet sich Leon mit den Boulespielern des Ortes an: mit Rechtsanwalt Gerard le Blanc, mit der 83jährigen Kettenraucherin Veronique und mit dem kauzigen Rollstuhlfahrer Jean-Claude. Während und nach ihren Spielen werden sie im Café Chez Miou von Jeremy und Yolande verköstigt. Diese Kontakte sind ihm auch für seine Arbeit wertvoll, den von ihnen bekommt er immer wieder Einblicke oder Informationen über frühere Geschehnisse oder auffällige Mitbürger.


Die Vorstellung aller Beteiligten dieser Krimireihe wurde in diesem ersten Band gut in die Handlung integriert. Ich flog von Zeile zu Zeile, auch wenn ich Kindermordfälle an sich nicht mag. Im Gegensatz zu anderen Krimiserien spielen sich viele Szenen in der Pathologie ab. Wer sich CSI, Bones, Rizzoli & Isles und Konsorten gewohnt ist, kennt das ja schon, trotzdem fand ich die Beschreibungen, wie Leon sich auf seine ureigene Spurensuche macht, sehr interessant. Er beschränkt sich aber nicht nur auf seine Erkenntnisse in der Pathologie, er ermittelt auch draussen erfolgreich, was vor allem bei Zerna negativ aufstösst. 


Die Krimihandlung an sich ist schlüssig und fesselnd, trotz der dramatischen Geschichte gibt es auch humorvolle Szenen, zum Beispiel wenn Leon mit Jean-Claude diskutiert. 


Das zu-lange-auf-dem-SuB-liegen hat einen Vorteil: ich konnte direkt nach der letzten Zeile zum zweiten Band greifen! 

Fazit: Ganz selten vergebe ich Krimis 5 Punkte, doch dieser Erstling hat mich derart gut unterhalten und überzeugt, so dass er die maximale Punktzahl bekommt! 
5 Punkte.

Reihenfolge Leon Ritter-Serie:
Band 1: Tödlicher Lavendel
Band 2: Schwarzer Lavendel

Dienstag, 20. September 2016

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Liebe Grüsse
Anya 

Zimtsommer von Sarah Jio

Klappentext:
Ada kennt das große Glück. Doch an einem einzigen Tag verliert sie ihre Familie und damit alles, wofür sie gelebt hat. Von Trauer überwältigt, will Ada nur noch weg und mietet Hals über Kopf ein Hausboot in Seattle. Dort, mitten auf dem See, wartet eine alte Geschichte von großen Träumen und tragischer Liebe auf sie – und eine Begegnung, die ihr den Glauben an das Leben wiederschenkt …





Der Schauplatz der Geschichte - die Gemeinschaft am Bootssteg am Lake Union in Seattle - ist mal was anderes und sorgt für eine besondere Kulisse. 

In der Vergangenheitsgeschichte lernen wir die junge Penny kennen, die 1956 fast Hals über Kopf den Maler Dexter Wentworth heiratet. Sie ziehen auf ein Hausboot, doch Dexter lässt sie je länger je öfter alleine um in seinem Atelier in Ruhe malen zu können. Ihr ist langweilig und sie fühlt sich sitzen gelassen. Sie freundet sich mit dem achtjährigen Jimmy an, der seinen Eltern lästig ist und mit Collins, der an einem Segelboot arbeitet. 
In der Gegenwart trauert Ada Santorini seit mehr als einem Jahr um ihre kleine Familie und hadert mit dem Leben. Nun braucht sie einen Tapetenwechsel und zieht nach Seattle auf ein Hausboot. Als Ada hört, dass auf "ihrem" Boot vor vielen Jahren eine Frau namens Penny verschwand, sind ihre journalistischen Fühler auf Empfang und zusammen mit ihrem Nachbarn Alex versucht sie dem Geheimnis um Penny auf die Spur zu kommen. 

Sarah Jio schaffte es bisher immer, mich von ihren Geschichten gefangen zu nehmen. Auch "Zimtsommer" las ich fasziniert und konnte das Buch kaum weglegen. 

Die vielfältige Geschichte ist nicht nur schön, sondern auch spannend zu lesen. Vielleicht ist es der Schreibstil oder die journalistischen Berufe ihrer Protagonisten; phasenweise erinnerte die Suche an gute Ermittlerkrimis. 
Und immer wieder überrascht die Autorin durch eine besondere Wendung mit der man nicht gerechnet hat. Zwischendurch war ich mir sicher, dass ich auf der richtigen Spur bin, aber dann passierte dieses und jenes und am Schluss dachte ich schon, ich sei meilenweit von der Auflösung entfernt. 
Doch Sarah Jio wäre nicht Sarah Jio, wenn sie zum definitiven Ende nicht noch verblüffen würde - ich lag mit meiner Vermutung ziemlich richtig. Aber auch wenn ich komplett falsch gelegen wäre, hätte mir das Ende trotzdem ein glückseliges Lächeln aufs Gesicht gezaubert. 

Die Autorin hat das Talent ihre Charaktere so zu zeichnen, dass man sie gerne kennenlernen würde. Ihre Emotionen sind nachvollziehbar und nichts wirkt aufgesetzt. 

Das Cover ist zwar nett und zeigt eine Blume, die aussieht wie eine Ackerwinde, doch es will in meinen Augen nicht recht zum Inhalt des Buches passen. Ein oder mehrere Hausboote, eine weisse Ackerwinde über einem Stück Holz oder gar auf einer Schiffplanke und dazu einen besseren Titel hätte das Buch für mich komplett zauberhaft gemacht. So wird mir "nur" die faszinierende Geschichte über Ada und Penny in Erinnerung bleiben. 

Schön fand ich, dass zwei, drei Rezepte in den Roman eingebunden wurden und diese nicht erst am Schluss zu entdecken waren. 

Fazit: Eine grossartige Geschichte vor einer tollen Kulisse, die man nicht so schnell vergisst und in der man gerne noch länger verweilen möchte. Ein Buch, welches ich sicher wieder einmal lesen werde. 
5 Punkte.

Montag, 19. September 2016

Montagsfrage 19.09.2016



Gibt es Antagonisten, die ihr mehr mögt als Protagonisten bestimmter Bücher/Reihen und falls ja, was ist der Grund dafür. 

So eine ähnlich Frage gab es Anfang 2015 schon mal. Dort ging es zwar darum, welche Nebenfigur (und nicht welchen Gegenspieler) wir aktuell am "meisten mögen". 

"Mehr mögen" als der Protagonist wie in der heutigen Frage tue ich eigentlich nur dann jemand, wenn der mich nervt oder mir unsympathisch ist. Zuletzt zum Beispiel mochte ich Jens in "Glück ist, wenn man trotzdem liebt" von Petra Hülsman lieber als Isabelle. Weitere Beispiele kann ich nicht nennen, denn wenn ich einen Protagonisten nicht mag (und gegebenenfalls den Antagonisten deshalb lieber mag) finde ich das Buch unspektakulär und bleibt mir nicht in Erinnerung.

Ausserdem gibt es in Roman ja oft nicht "den" Antagonisten, da ist meistens das Leben oder die Umstände gegen den Helden und nicht eine bestimmte Person. In Liebesgeschichten ist es die umschwärmte Person, die einem selten unsympathisch ist (ausser es ist aus Lesersicht der falsche Partner) und bei Krimis sind es die Mörder, aber von denen bekommt man eher wenig mit und wenn, dann sind sie zum grössten Teil unsympathisch oder haben einfach eine zu kleine Rolle inne inmitten eines Ermittlerteams, deren Privatleben und somit weitere Personen mehr im Vordergrund stehen als der Täter. 

Von daher gefällt mir die Frage von Anfang 2015, in der es ums Mögen einer Nebenfigur geht, besser als die heutige Frage - sie ist leichter zu beantworten :-)


Freitag, 16. September 2016

Kinderbuch: Polly Schlottermotz von Lucy Astner

Klappentext:
Potzblitz! Seit Polly den neuen Eckzahn hat, weiß sie von einem lange gehüteten Familiengeheimnis – und das stellt ihr Leben ganz schön auf den Kopf! Es ist zwar super, dass sie plötzlich den fiesen Marvin wie einen Pillepallepopel durch die Luft schnipsen kann, trotzdem ist da diese Prüfung vor dem Siebenschläferrat, die sie erst bestehen muss, bevor sie wieder bei ihrer Familie leben darf. Und so verlässt Polly schweren Herzens ihr geliebtes Zuhause, um sich bei Tante Winnie auf die Prüfung vorzubereiten. Zum Glück gibt es den sprechenden Fledermäuserich Adlerauge. Der ist zwar blind wie ein Maulwurf, öffnet Polly aber die Augen: Manchmal ist es ziemlich cool, ein bisschen anders zu sein...

Die Rezension stammt von meiner Tochter: 
Polly Schlottermotz ist ein Mädchen wie du und ich, bis ihr ein Vampirzahn wächst und sie Vampirkräfte entwickelt. Ein seltenes Erbstück wie sich herausstellt, denn ausser ihr und Tante Winnie sind alle aus ihrer Familie ganz normal. 
Als Vampirmädchen muss man eine Prüfung ablegen, deshalb wird sie zu ihrer Tante geschickt. Dass man Blutorangensaft trinken soll, weil einem sonst schwindlig im Kopf wird und man Buchstaben zu verdrehen beginnt, bringt ihr zwar schon ihre Mutter bei, aber bei Tante Winnie lernt sie alles andere, was ein Vampir wissen muss. 
Kaum in Hamburg angekommen trifft sie auf eine Fledermaus namens Adlerauge, der im Gegensatz zu normalen Fledermäusen tagsüber wach ist und nachts schläft. Abends lernt sie auf einem Spaziergang Paul kennen, sie mag ihn nicht besonders, doch bald gerät er in Schwierigkeiten.

"Polly Schlottermotz" hat mir sehr gut gefallen, es ist lustig geschrieben und ich musste ein paarmal lachen. In der Geschichte kommen viele lustige Namen vor, wie zum Beispiel die Familie Zappenduster. Den Namen fand ich nicht so passend, denn sie sind gute Vampire und für mich hört sich Zappenduster eher nach dunklen Gestalten an. 
Lustig fand ich auch, dass Vampire Dinge anders benennen als wir Menschen. Ein Fernsehturm heisst bei Tante Winnie zum Beispiel "Wolkenzahn". Und Polly sagt immer "Potzblitzbescheuert". 

Die Geschichte von Polly war sehr spannend, ich hab sie dreieinhalb Mal gelesen und habe immer wieder Neues entdeckt und werde sie sicher wieder einmal lesen. Solche abenteuerliche Geschichten mag ich sehr. 

Fazit: Eine witzige abenteuerliche Vampirgeschichte mit der sympathischen Polly und ihren speziellen Freunden. 
5 Punkte.

Vielen Dank an den Planet!-Verlag und Netgalley!

Band 2 "Ein Rüssel kommt selten allein"  erscheint im Januar 2017. 




Lust auf das Buch bekommen? Seht euch den Trailer an: 






Mittwoch, 14. September 2016

Die Honigtöchter von Cristina Caboni

Klappentext:
Kurz nach Sonnenaufgang verlässt Angelica Senes eine Landstrasse in Südfrankreich und folgt einem von Rosmarin und Lavendelbüschen gesäumten Weg. Sie sucht den Bienenstock auf, den man ihr anvertraut hat. Sie ist reisende Imkerin, und sie liebt ihre Freiheit. Auch wenn sie dabei das türkisblaue Meer ihrer Heimat Sardinien vermisst. Erst als ihre Patentante stirbt und ihr ein Cottage hinterlässt, kehrt Angelica zurück. Doch dort muss sie sich dem stellen, was sie einst zurückließ: ihrer Familie, den Geheimnissen der Insel – und Nicola, dem Mann, an den sie schon als Kind ihr Herz verlor ...


Bereits seit längerem denkt die Wanderimkerin Angelica daran sesshaft zu werden. Doch sie liebt nach wie vor ihre Unabhängigkeit. Ein komischer Anruf ihrer Mutter Maria lässt sie jedoch nach Hause nach Italien fahren. Angelica erfährt, dass ihr Jaja das Haus auf Sardinien vererbt hat - und dass ihre geliebte Jaja erst kürzlich gestorben ist; nicht vor etlichen Jahren, wie ihre Mutter es ihr erzählte... 
Angelica reist weiter nach Sardinien in ihr Heimatort Abbadulche. Einige Verwandte sind ihr das Erbe neidisch und drangsalieren sie. Nun muss sie sich nicht nur mit den Lügen ihrer Mutter und ihrer Entscheidung, ob sie das Erbe von Jaja behalten möchte, herumschlagen, sondern auch mit ihrer Jugendliebe Nicola und seinem Bruder, der offensichtlich ein grosses Ferienresort auf ihrem Grundstück bauen will. 

Schon auf der ersten Seite war ich gefesselt von dieser facettenreichen Geschichte über Bienen, schwierigen Verwandschaftsbeziehungen, Traditionen und die Liebe zur Natur. 

Christina Caboni ist selbst Imkerin, was ihr in "Die Honigtöchter" sicherlich zugute kommt. Dennoch bin ich mir sicher, dass kein anderer Imker so wundervolle, mit viel Herzblut geschriebene Geschichten erzählen kann. Düfte, Farben und Pflanzen werden mit allen Sinnen beschrieben, wie schon bei ihrem ersten Buch "Die Rosenfrauen"

Obwohl Angelica kein einfacher Charakter ist, veranschaulicht und vergleicht die Autorin die Gefühle und Gedanken ihrer Protagonistin gekonnt. Die immer abwesende Mutter, die Liebe zu Nicola, das Getrenntwerden von Jaja, wie Jaja Angelica alles über Bienen beibrachte. Doch auch die Ängste, Sorgen und Beweggründe des Handelns der anderen Figuren werden glaubhaft erzählt. Sehr schön auch wie Angelica der kleinen Anna die Welt der Bienen näher bringt. 

Sehr gelungen finde ich die Kapitelüberschrift, die jeweils eine Honigsorte vorstellt und kurz illustriert. Ich liebe Honig und habe schon viel Sorten probiert, aber bei dieser Aufzählung seltener Honigsorten kam selbst ich nicht aus dem Staunen heraus. Am Ende des Buches sind die Beschreibungen samt Verwendungszwecken nochmals als "Honigtagebuch" notiert.

"Jaja hat mir nicht nur das Haus, sondern eine ganze Welt vererbt." In diese Welt bin ich beim Lesen eingetaucht und ich schwelge noch immer an die Erinnerung an diese bildhafte Erzählung, die dem Leser ans Herz legt, wie wichtig eine intakte Natur ist.

Fazit: Fabelhafter Roman einer hervorragenden Erzählerin, die uns mitnimmt nach Sardinien und in die wundervolle Welt der Bienen. 
5 Punkte.

Montag, 12. September 2016

#Buchpassion

Man könnte meinen, es gäbe nichts, über das nicht schon geschrieben wurde. Doch immer wieder schaffen es Autoren, kreativ zu sein und neue Geschichten zu schreiben und sie neu zu erzählen. Das fasziniert mich enorm.

Ich hatte nie den Wunsch selber zu schreiben, ich fühlte und fühle mich als Leserin wohl. Lesend kann ich am Leben von realen und fiktiven Menschen rund um die Welt und quer durch die Zeitgeschichte teilnehmen: Mit Bruni Prasske den Iran bereisen, Hürrem Hanim im Topkapi Palast besuchen, mit Ariadne Asterios im Labyrinth von Knossos retten, mit Julien Green im Frühling durch Paris spazieren, den September in Cornwall geniessen, der Avalonsage näher kommen, in Hogwarts frühstücken, mit Robert und Francesca die Brücken am Fluss fotografieren, im Vatikan Mäuschen spielen und mit Papst Petrus II. Fussball gucken, mit dem Bücherschiff auf Frankreichs Kanälen unterwegs sein. Dies alles und vieles mehr. 

Andere unternehmen diese Reisen, indem sie Filme schauen. Ab und an gehe ich auch gerne ins Kino, aber es sind die Bücher, die mich faszinieren, die mir Welten öffnen, die mich staunen lassen. Einfach nur Bücher. Bücher. 




Janine vom Blog kapri-ziös startete am Wochenende eine Literaturaktion namens #Buchpassion. Viele Autoren, Blogger und Verlage nahmen daran teil. 
Ich bin zu spät, aber da wir in Zürich heute einen halben Feiertag, das "Knabenschiessen" haben, ist für mich heute Montag auch noch Wochenende :-) 

Montagsfrage 12.09.2016



Was muss ein Buch haben, um für dich zu einem Lese-Highlight zu gelten?


Diese Woche werde ich meine Rezi zu "Honigtöchter" von Cristina Caboni online stellen. Es ist genau so ein 5-Punkte-Buch bei dem alles stimmt, ich das Buch mit einem "Wow" schliesse und erst mal benommen bin und nicht sofort zu einem anderen Buch greifen kann. Ein Buch, bei dem man merkt, dass die Autorin mit ganzem Herzen hinter dem beschriebenen Thema steht. Ein Buch, an das man gerne denkt und ich wieder lesen würde. Was übrigens meine Tochter bei Büchern, die ihr extrem gut gefallen haben, sofort macht. Sie fängt direkt nach dem Auslesen wieder von vorne an! 

Die Maximalzahl von 5 Punkten vergebe ich selten, da bin ich knausrig. Wenn, dann muss ich wie oben beschrieben, das "WOW"-Gefühl haben, das Buch muss mich berühren und/oder überraschen, packen sowieso und es darf mich nie langweilen. Es ist "das gewisse Etwas", das man so schlecht in Worte packen kann und eine reine Bauchentscheidung. 
Bei den meisten Büchern kommt es oft noch auf den Schluss drauf an, ob es 4 oder 3.5 Punkte werden. Bei den 5-Punkte-Bücher weiss ich es einfach schon mittendrin. 

Übrigens bekommen Krimis von mir noch seltener 5 Punkte als Romane - in Krimis geht es mir mehr um den Fall, ob der stimmig aufgelöst wurde und sich die Ermittler nicht allzu doof anstellen. "Berühren" tut mich ein Krimi nicht oder halt auf eine andere Weise wie ein Roman. Deshalb sind 5-Punkte-Krimis bei mir Raritäten und dann auch wirklich, wirklich gut. Genau wie die seltenen 5 Punkte-Romane, im Jahr sind es vielleicht fünf oder sechs solch besondere Lesehighlights. 

Und wann bewertet ihr ein Buch mit 5 Punkten? 


Und sonst so:
Am Wochenende lief die Aktion #buchpassion heiss auf diversen Blogs und auf Twitter. Leider konnte ich nur einen Teil davon verfolgen, da mein Wochenende sehr ausgelastet war. Mein Beitrag zur Aktion geht daher erst heute online. Wir in Zürich haben heute einen halben Feiertag, für mich ist also noch Wochenende und ich somit nicht wirklich zu spät für #buchpassion ;-) 
Habt ihr die Aktion verfolgt oder sogar selbst mitgemacht? 





Freitag, 9. September 2016

Glück ist, wenn man trotzdem liebt von Petra Hülsman

Klappentext:
Es gibt Dinge, die Isabelle absolut heilig sind: Ihre Arbeit in einem schönen Blumenladen. Ihre Daily Soap. Und ihr tägliches Mittagessen in der alten Klitsche gegenüber. Doch die wird eines Tages von dem ambitionierten Koch Jens übernommen, der nicht nur mit seiner aufmüpfigen Teenieschwester für reichlich Wirbel sorgt - und plötzlich bricht das Chaos über Isabelles wohlgeordnete kleine Welt herein. Während sie noch versucht, alles wieder in ruhige Bahnen zu lenken, scheint ihr Herz allerdings schon ganz andere Pläne zu haben ...



Aufgrund des Klappentexts und der begeisterten Leserstimmen hab ich zu dem Buch gegriffen.

Als vis-à-vis vom Blumenladen, in dem Isabelle arbeitet, ein neues Restaurant aufgeht, ist sie entsetzt. Jahrelang hatte sie Mittags Nudelsuppe gegessen. Doch im neuen Restaurant gibt es keine Suppe auf der Karte. Isabelle flippt deswegen aus und legt sich mit Jens, dem Besitzer und Koch des Restaurants, an. Leider steht es im Blumenladen finanziell auch nicht zum Besten und schon bald ist es nicht nur die fehlende Nudelsuppe, die Isabelles Hauptproblem ist.

Das Vorwort ist genial! Deswegen lohnt es sich das Buch in die Hand zu nehmen. Die Geschichte selbst ist vorhersehbar wie meist bei Liebesromanen, das finde ich nicht schlimm, aber zu lesen lohnt es sich nicht wirklich. Es sei denn man steht auf jugendliche daherkommende Liebesromane mit einer nervigen Protagonistin. Isabelle wirkt mehr wie eine überspannte unsichere Göre als eine 28jährige Frau mit einer Handvoll Jahren Berufserfahrung. Ihr Auftritt im Thiels ist deplatziert, sie führt sich unmöglich auf. 

Einzig der amüsante und flüssige Schreibstil der Autorin hat mich zum Weiterlesen bewogen. Und vielleicht auch ein wenig die Hoffnung, Isabelle könnte sich BÄMM-plötzlich ändern. Was leider nicht geschah, Isabelle bleibt ihrem Nörgel-Ich treu. 
Mich versöhnten aber die restlichen Figuren wie der treue Taxifahrer Knut, die sorgenbeladene Ladeninhaberin Brigitte und auch Jens, der Isabelle gut konterte. Zusammen sorgten sie für viele nette Lese-Momente.

Fazit: Liebesgeschichte mit einer überspannt-nervigen Protagonistin; kann man mal schnell lesen, muss man aber nicht. Verpassen tut man nur das witzig-geniale Vorwort. 
3 Punkte. 



Donnerstag, 8. September 2016

Die Canterbury Schwestern von Kim Wright

Klappentext:
Che kann es nicht fassen: Sie ist mit acht anderen Frauen auf dem Weg von London nach Canterbury. In einem Brief hat ihre exzentrische, willensstarke Mutter ihrer Tochter aufgetragen, dorthin zu pilgern und ihre Asche zu verstreuen. Außerdem hat sich gerade auch noch ihr Freund von ihr getrennt. Das Letzte, was sie jetzt gebrauchen kann, ist ein als Pilgerreise getarnter Selbstfindungstrip. In alter Pilgertradition soll jede der Frauen auf dem Weg eine Geschichte über die Liebe erzählen. Che ist skeptisch, als die Wanderinnen damit beginnen. Doch die unterschiedlichen Geschichten der Frauen berühren sie tief. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat Che das Gefühl, ihren Weg zu kennen.

Ich war gespannt auf das Buch. Doch leider beginnt es auch hier wieder mit "von Freund verlassen, Angehörige stirbt". Liebe Autoren, lasst euch doch mal wieder etwas Neues einfallen.... 

Diana de Milan verfügt in einem Brief an ihre Tochter Che, dass ihre Asche nach Canterbury zu Thomas Beckets Schrein gebracht werden soll. Von London nach Canterbury wärs ja auch kein Problem, doch Che lebt in Amerika. Che fliegt kurzentschlossen nach London (wie gut, dass sie selbstständige Weinkritikerin ist und somit ihre Arbeitszeit einteilen und noch besser, dass ihr Partner ihr den Laufpass gab). In London angelangt erfährt Che, dass sie sich einer Pilgergruppe anschliessen muss, anstatt alleine mit einer Reiseführerin nach Canterbury zu wandern. Che lässt sich darauf ein, eine Bahnfahrt wäre ihr zu "billig", dennoch ist sie skeptisch. Die neun Frauen scheinen unterschiedlich und Che nimmt sie alle genau unter die Lupe. Jeden Tag erzählen eine oder zwei der Frauen auf der Reise eine Geschichte ihres Lebens, wie bei Chaucer. Bis zuletzt weiss Che nicht, was sie erzählen soll, wenn sie dran ist. Sie wartet einfach mal ab...

... und bald schon ist sie genau dort, wo sie nicht ankommen wollte laut Klappentext: auf einem Selbstfindungstrip. Genau so würde ich den Roman beschreiben: neun Frauen auf einer Reise nach ihrem Selbst. 
Die ersten Seiten nahmen mich ein, sie waren humorvoll, ironisch und mit tollen Vergleichen gepflastert:
"Restaurants sind Kirchen meiner Generation. Wir versammeln uns, um Sünden zu beichten, Wein zu trinken und nach Hoffnungen Ausschau zu haben". 
(Kindle bei 8%)

Doch auf den folgenden Seiten wurde der Roman in meinen Augen trivialer. Die Geschichten der Frauen begannen mich zu langweilen und ich wurde mehr und mehr abgelenkt. Die Geschichten der Frauen wurden sich immer ähnlicher, und der von Che befürchtete Selbstfindungstrip trat ein. Auch Che war nicht gefeit davon. Wahrscheinlich fast am wenigsten von allen. Es geht vor allem um Beziehungen zwischen Mütter-Töchter und Frau-Mann, und um die Selbstlügen, die man um diese Beziehungen ansiedelt.
Überrascht hat mich, dass die Protagonistin, wie auch sämtliche Frauen der Pilgergruppe Amerikanerinnen waren. Laut Klappentext nahm ich an, dass die Frauen aus England sind. Dies spürte man in den erzählten Geschichten wie auch in den Biografien, irgendwie dünkten mich einige der Probleme doch sehr "amerikanisch". 

Ich weiss noch immer nicht, was ich von den Canterbury Schwestern halten soll. Überzeugt bin ich jedenfalls nicht. Das Buch beinhaltet einige tolle Stellen und witzig-ironische Gedankengänge, aber es hat mich weder berührt noch abgeholt. 

Fazit: Enttäuschender Selbstfindungsroman, der zwar einige witzige Szenen beinhaltet, aber leider langweilt. 

Montag, 5. September 2016

Montagsfrage 05.09.2016



Habt Ihr ein schlechtes Gewissen gegenüber Protagonisten, wenn die hungern müssen und ihr nebenbei futtert?

Ganz schlicht: nein. Mal abgesehen davon, dass ich eher Bücher lese, in denen die Protagonisten gerne essen, muss in den Büchern niemand richtig hungern. Dafür lese ich die falschen Bücher - keine Surivalbücher oder ähnliches. Da bekomm ich eher Hunger weil die Figuren was Feines essen. 
Zudem sind die Geschichten fiktiv, und soweit steigere ich mich nicht in ein Buch hinein, dass ich genau gleich fühle wie die beschriebenen Personen. Klar leidet man manchmal mit ihnen mit, aber ich würde mir nie etwas zu Essen verbieten, nur weil die Figur im Buch gerade hungert. Ich stell mich ja auch nicht unter die Dusche, nur weil jemand im Buch gerade duscht. 
Und dann kommt noch dazu, dass ich sowieso selten "nebenher futtere" und zu Essenszeiten nicht (mehr) lese (da die Familie mit am Tisch sitzt)

Und nun ist Zeit für mein "Frühstück" - das kochende Wasser ist mittlerweile etwas abgekühlt und ich kann mir mein tägliches Zitronen-Honig-Wasser aufgiessen. Anschliessend gibts Kaffi und zum Zmorgä ein paar Früchte. Än Guatä! :-)

Freitag, 2. September 2016

Krimi: Tödlicher Tramontane von Yann Sola

Klappentext:
Alles in dem kleinen französischen Städtchen Banyuls-sur-Mer, nur wenige Kilometer vor der spanischen Grenze, könnte so entspannt sein, wenn nicht dieser verdammte Tramontane, der von den Pyrenäen herabfallende Wind, die Menschen verrückt machte. Perez, Kleinganove und Hobbydetektiv, würde gern in aller Ruhe sein Restaurant und seinen florierenden Schwarzhandel mit spanischen Delikatessen betreiben. Doch dann tritt der neue Polizeichef aus dem Norden seinen Dienst in Banyuls an, und in Strandnähe explodiert eine stattliche Yacht. Von der Besatzung keine Spur. Und als auch noch Perez’ Freundin Marianne spurlos verschwindet, die zuvor mit ungewöhnlichen Mitteln gegen die geplante Erweiterung des Hafens demonstriert hat, ahnt Perez, dass es an der Côte Vermeille nicht mit rechten Dingen zugeht. Gemeinsam mit Mariannes Tochter und seinem Koch Haziem begibt er sich an die Ermittlungen und erfährt allerhand über mächtige Konzerne und korrupte Strippenzieher. Als er dann auch noch selbst des Mordes verdächtigt wird, hat Perez endgültig genug …

Das Cover weckt meine Sehnsucht nach Meer und der Klappentext machte mich neugierig auf diesen neuen französischen Ermittler. Ob es sich wohl lohnt das Buch zu lesen?

Syracuse Perez, 49, katalanischer Restaurantbesitzer, betreibt einen ähm, sagen wir mal, einen eher versteckten Delikatessenimport im französischen Banyuls, direkt an der spanischen Grenze. Perez liebt Wein und gutes Essen - doch Kochen müssen andere. Zum Beispiel sein wortkarger Koch und Freund Haziem. Perez weiss dafür, wo er das beste Fleisch, die besten Kirschen, den besten Wein herbekommt. Er wohnt praktisch im "Kaninchen", seinem kleinen Restaurant Conill amb Cargols, kurz Conill genannt und geht nur zum Schlafen in seine Wohnung. Perez kennt man in Banyuls, er sitzt im Gemeinderat und weiss was in der Ortschaft geplant ist, theoretisch jedenfalls. Als ihm seine Freundin Marianne von einer Hafenerweiterung erzählt, ist er zu Recht erstaunt. Davon wusste er nichts! 
Kurz darauf explodiert eine Yacht, der Bürgermeister wird verletzt und Marianne und ihre Freundin Claire verschwinden spurlos. So betätigt er sich erneut als Zufallsdetektiv, wie er selbst seine Nachforschungen nennt, und legt sich gleich mit dem neuen Gendarmeriechef Boucher an. 

Perez ist ein toller Detektiv, mal keine "abverheite" Existenz oder ein Polizist, der versetzt wurde. Absolut nach meinem Gusto! Perez liebt gutes Essen, weiss was er will, übernimmt Verantwortung - nicht nur für seine Tochter Marie-Helene sondern auch für Mariannes Tochter Sophie und legt sich deswegen schon mal mit Marianne an. Perez ist sympathisch, unsportlich, kann auch mal laut werden. Man mag ihn in Banyuls und er mag bis auf den Sohn des Bürgermeisters und den neuen Gendarmeriechef praktisch alle im Dorf. 

Ja, es lohnt sich definitiv, sich auf das Buch und den Hobbydetektiv Perez einzulassen! Der Schreibstil gefiel mir ausgezeichnet - flüssig zu lesen mit viel Humor und durchwegs unterhaltsam. Der Kriminalfall bietet viel: Spannung, Emotionen, überraschende Momente, Humor und viele tolle einnehmende Charaktere. Beim Lesen wünscht man sich, direkt vor Ort zu sein und keine einzige Zeile zu verpassen. 

Fazit: Überraschend aktionsreicher Erstlingskrimi, der Lust macht, noch mehr Fälle mit Zufallsdetektiv Perez zu lesen. 
4.5 Punkte.

Vielen Dank an den Kiwi Verlag! 

Reihenfolge:
Band 1: Tödlicher Tramontane
Band 2: Gefährliche Ernte

Donnerstag, 1. September 2016

Krimi: Die Tote am Lago Maggiore von Bruno Varese (Matteo Basso 1.Fall)

Klappentext:
Am italienischen Ufer des Lago Maggiore, wo die Frühlingssonne das klare Wasser wärmt, versucht Matteo Basso vergeblich, seinen ersten Fisch zu fangen. Der ehemalige Mailänder Polizeipsychologe hat seinen Job an den Nagel gehängt und ist zurückgekehrt nach Cannobio, um die Macelleria seiner verstorbenen Eltern zu übernehmen. Am Wochenende soll das große Oldtimer-Rennen stattfinden und Gisella ihm bei den Salsiccia-Kreationen helfen, die ihm leider noch regelmäßig misslingen. Doch dann wird Gisellas Leiche am Ufer des Sees gefunden. Man vermutet, sie sei ertrunken. Matteo glaubt nicht an einen Unfall, denn Gisella war eine exzellente Schwimmerin. Er ermittelt auf eigene Faust. Warum wollte sie ihn in der Nacht zuvor so dringend sprechen? Und was hatte sie mit Maldini, dem windigen Gran Signore aus Stresa, zu tun? Als es beim Autorennen zu einem mysteriösen Unglück kommt und Matteo selbst in Gefahr gerät, ahnt auch Kommissarin Zanetti, dass sie es mit einem verzwickten Fall zu tun haben. Die aufreibenden Ermittlungen führen die beiden bis ins luxuriöse Mailand und tief in die Geschichte der Region.

Der Einstieg ins Buch war nicht so einfach: viele italienische Wörter, die man auch auf Deutsch schreiben hätte können oder zumindest nur einmal auf Italienisch. Macelleria tönt halt netter als Metzgerei, aber es wirkte aufgesetzt. Zudem musste ich mich auch noch über die Unüberlegtheit von Matteo ärgern: Pflutschnass dringt er in ein Haus ein und hinterlässt natürlich Spuren, dann setzt er sich auch noch mit einem Buch hin und beginnt zu lesen... Jo also chumm hey... Dazu raucht er wie ein Schlot und hat überall Kopfschmerztabletten verteilt für den Notfall.

Nein, der Protagonist hatte wahrlich keinen guten Start bei mir. Ich bin mir auch jetzt noch nicht sicher, wie ich ihn finde; ans Herz gewachsen ist er mir nicht. Dennoch macht er einen guten Job und hat auf jeden Fall den richtigen Riecher. Als seine Bekannte Gisella eines Morgens nicht auftaucht, macht er sich auf die Suche nach ihr und gibt nicht auf, obwohl er oft sehr träge daher kommt. Auf den 304 Seiten bringt Matteo Erstaunliches ans Licht. Gisella war eine Freundin, doch augenscheinlich hat er sie nicht wirklich gekannt. 

Genau so geht es dem Leser bei Matteo: man erfährt, dass er früher Polizeipsychologe war und er seinen Job aufgab, doch nicht nur weil er die Metzgerei seines Vaters fortführen will. Es gibt zwar viele Andeutungen, aber der tiefere Grund dazu erschliesst sich dem Leser nicht. 
Einige Charaktere, die bei einer allfälligen Fortsetzung sicher wieder auftauchen, hab ich im Gegensatz zu Matteo sofort ins Herz geschlossen: Sergio, Luigi und Flavio. Ihnen gehört die Autowerkstatt und sie haben das Herz am rechten Fleck. Leider trifft dies nicht auf Kommissar Buffon zu, der skeptisch gegenüber Matteo ist und ihn sogar verdächtigt. Zum Glück dient Kommissarin Nina Zanetti als Puffer, sie gibt Matteo oft Rückendeckung.

Der Plot ist bis auf die erwähnten Schwächen durchdacht. Auch die Szenen in Mailand fand ich spannend und aktuell. Das überraschend inszenierte Ende lässt den schleppenden Anfang und die vielen Wiederholungen fast vergessen. Einem zweiten Teil würde ich jedenfalls eine Chance geben.
Für Ortsunkundige ist auf der ersten Seite eine Karte der Umgebung abgedruckt, was ich sehr hilfreich empfand, da ich nur die Schweizer Seite des Lago Maggiore kenne.  

Fazit: Ein Erstling an schöner Location, aber mit schleppendem Anfang, der sich zum Glück zum Ende hin beachtlich steigert.