Samstag, 30. April 2016

Krimi: Stürmische Côte d'Azur von Christine Cazon

Klappentext:
Der dritte Fall der Côte d'Azur-Krimireihe um den Kommissar Léon Duval führt den Ermittler auf die Insel Sainte Marguerite. Unmittelbar vor Cannes gelegen, ist sie ein beliebtes Naherholungsgebiet, im Sommer pendeln die Fähren unablässig zwischen der Stadt und dem kleinen Inselhafen hin und her. Doch inzwischen ist es Herbst geworden, ein Sturmtief liegt über der Bucht, als auf einer Yacht im Hafen von Sainte Marguerite ein Matrose ermordet aufgefunden wird. Duval und sein Ermittlungsteam machen sich an die Arbeit. Bald wird jedoch der Fährverkehr eingestellt, und Duval führt die Ermittlungen vor Ort allein weiter. Er mietet sich im Forsthaus ein, und zum Glück gibt es im Inselrestaurant eine hervorragende Köchin. Doch nicht nur das Wetter ist stürmisch, auch der Mordfall entwickelt sich turbulent, denn kurz nach Duvals Eintreffen auf der Insel wird eine zweite Leiche gefunden. Und auch privat bewegt sich der Kommissar nicht unbedingt in ruhigem Fahrwasser.

Während Duval in seinem ersten Fall in Cannes am Filmfestival ermittelte und in seinem zweiten in einem Hotel, wirkt er nun auf der Insel Sainte Marguerite. 
Das Setting erinnert an "Bretonische Brandung" von Jean-Luc Bannalec. Eine Insel nahe am Festland, das wegen Unwetter mit dem Schiff nicht mehr angefahren werden kann.

Nein, ruhig ist es tatsächlich nicht. Es stürmt und regnet und auf der Überfahrt von Cannes nach Sainte Marguerite wird Léon Duval schlecht. So schlecht, dass er kein Schiff mehr betreten will und deshalb den Leichenfundort seinem Team überlässt. Er erkundigt sich lieber auf festem Boden bei den wenigen Inselbewohnern nach den Ereignissen des Vorabends. Da der zweite Matrose, Pierre Lanvalle, seither spurlos verschwunden ist, nimmt jeder an, dass er der Täter war. Doch das blutverschmierte Messer, das neben der Leiche gefunden wird, gehört ihrem Skipper Théolien. Was nun?

Duval entschliesst sich am späten Nachmittag als einziger vom Team auf der Insel zu bleiben, um weiterhin alle Zeugen zu befragen und den Vermissten zu suchen. Als Verdächtigte kommen ungefähr ein Dutzend Personen in Frage  - all jene, die am Mordabend auf der Insel waren. 

Trotz neuen Erkenntnissen bleibt der Leser wie auch Duval ahnungslos und kommt erst spät auf die mögliche Lösung. Das macht den Kriminalroman aber nicht langweilig, denn es läuft viel auf dem kleinen Eiland. Fast zu viel. Der dritte Band hat zwar spannende Stellen, doch das schlechte Wetter und Duvals angespannte Laune wegen seinen Frauen, der neuen und der alten - die eine ist zu weit weg, die andere nervt, und der daraus entstehenden Szene trüben den Lesegenuss ein wenig. Es ist nicht Duvals beste Zeit und auch nicht sein bester Fall. Nur seine Liebe zum Essen ist beständig. Ich freue mich, wenn er wieder in Cannes bei Sonnenschein ermitteln darf. 

Mit der Autorin muss ich noch äs bitzeli schimpfen, denn kein Schweizer Kind sagt "Och Menno" - das ist eindeutig Deutschland-Deutsch. Von Deutschschweizer Kinder würde man ein mauliges "Ou nai" hören. Den Vornamen nach stammt die Schweizer Familie aber eher aus der Romandie und dort redet man bekanntlich Französisch - von daher wär ein allgemeines "Ach nein" oder "Oh nein" glaubhafter gewesen. Zumindest aus helvetischer Sicht.


Fazit: Nicht Duvals spannendster Fall, aber trotzdem knifflig und unterhaltend. 

Mittwoch, 27. April 2016

Der Sommer der Sternschnuppen von Mary Simses

Klappentext:
Grace Hammond liebt Ordnung über alles. Als sie ihren Job, ihren Freund und auch noch ihre Wohnung verliert, kehrt sie kurzerhand nach Dorset zurück, in die charmante Kleinstadt an der Küste Connecticuts, in der sie aufwuchs. Hier gibt es den besten Apfelkuchen der Welt, einen weiten Himmel voller Sternschnuppen – und die Ruhe, in der Grace herauszufinden hofft, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll. Doch schon bald holt sie etwas ein, was sie für immer vergessen wollte. Denn in Dorset erlitt Grace einen Verlust, den sie nie verwunden hat. Und hier verliebte sie sich einst in Peter Brooks. Als Grace nun erfährt, dass er ebenfalls zurück in der Stadt ist, treffen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander ...

Das Cover find ich künstlerisch sehr hübsch gestaltet, vor allem aussergewöhnlich farbig, und wird auf diesem Youtube-Filmchen nett umgesetzt. Leider passt aber weder Cover noch Titel wirklich zum Buch. Auf die Sternschnuppen wartet man fast vergeblich. Auf dem englischen Buchcover ist nicht so bezaubernd, aber viel passender ein altes Velo abgebildet. Auch der englische Titel "The Rules of Love and Grammar" harmoniert perfekt mit dem Inhalt. Und dann machen auch die Kapiteleinleitungen viel Sinn: 
Jedes Kapitel wird mit einer Überschrift angekündigt  - jeweils eine Regel über Grammatik, und dann ein Beispielsatz dazu:

"Präpositionen verweisen häufig auf das Verhältnis zwischen zwei Nomen. 
Es ist nie gut ein Fahrrad in einer feuchten Garage unterzustellen."

Eine Spitzenidee! Eigentlich lohnt es sich nur deshalb das Buch zu lesen. Denn die Hauptprotagonistin von Mary Simses zweitem Buch ist von Grammatik voll begeistert. 
In "Der Sommer der Sternschnuppen" begleiten wir Grace in ihren Heimatort zurück. Nicht nur sie ist gerade in Dorset zu Besuch, sondern auch ihre grosse Schulliebe, Peter Brooks. Der ist mittlerweile ein gefeierter Regisseur und ist mit seinem Filmteam vor Ort. Deswegen herrscht Chaos in der Stadt, aber auch in Grace Leben herrscht grosse Unordnung. Der Umgang damit ist für die Perfektionistin Grace sehr schwierig, macht sie doch eigentlich Adrian Monk alle Konkurrenz; besonders auf alles Schriftliche bezogen. Als Korrekturleserin will sie sich zwar nicht betiteln lassen, aber den Mut, ein Buch zu schreiben fehlt ihr. Das Wiedersehen mit Peter lässt alte Wunden aufgehen. 

Der Hauptschauplatz des Romans ist nicht, wie man vielleicht denken könnte, das Filmset, sondern sympathischerweise ein Veloladen. Grace findet in der Garage ein altes Velo und bringt es zum Reparieren beim Bike Peddler vorbei. Dort trifft sie auf Mitch und seinen Vater Scooter und bald sind sich die drei, naja, zumindest zwei, handelseinig. Das Velo gehörte Grace verstorbener Schwester Renny; wie und warum Renny gestorben ist, erfährt der Leser erst gegen Schluss. Grace leidet unbewusst immer noch den Folgen und zweifelt an sich selbst - sie traut sich nicht viel zu. 

So ist wohl auch ihre Reaktion auf ihre ehemalige Schulkollegin Regan zu verstehen. Denn sobald Regan auftaucht, tickt Grace aus. Sie kauft sich zum Beispiel ein viel zu enges, zu kurzes und zu teures Partykleid. Dieses Getue soll wohl witzig rüberkommen, nervte mich in der Menge aber total. Ich erinnerte mich an Mary Simses erstes Buch, da zickte die Protagonistin am Anfang auch ein wenig rum, aber bei weitem nicht so lange und nicht so schlimm wie Grace, wenn sie auf Regan trifft. Meine Hoffnung, dass sich dieses eifersüchtige Überreagieren schnell legt, trat leider nicht ein. Aber zumindest blieb das die einzige nervige Sache im Buch.
Durchs Buch führt ein lockerer, humorvoller Schreibstil. Trotzdem empfinde ich die Handlung als sehr oberflächlich. Der Gegensatz Luxus/Glamour (am Filmset) - Bodenständigkeit (Kleinstadtleben/Handwerk) kam zwar an, aber beides blieb trivial.

Mir gefiel "Der Sommer der Blaubeeren" besser, weil die Geschichte trotz aller Romantik mehr Inhaltliches zu bieten hatte und tiefgründiger und gefühlsvoller war.

Fazit: Der Schauplatz, ein Veloladen, ist aussergewöhnlich und sympathisch, dennoch bleibt mir die Handlung zu schwammig und zu oberflächlich. Wer "Der Sommer der Blaubeeren" gelesen hat weiss, Mary Simses kann es besser. 
3.5 Punkte.

Montag, 25. April 2016

Montagsfrage 25.04.2016



Magst du Bildbände gerne und wenn ja, welche Art?

Das doofe an Bildbänden ist, dass sie meistens viel zu gross sind um in den Bücherschrank zu passen. Ansonsten mag ich Bildbände sehr gerne - am liebsten welche über Kunst (vorzugsweise die Impressionisten), über Architektur (spezielle oder alte Bauwerke), über meine Lieblingsländer und Landschaften und Design (z.B. Tricia Guild). Mein liebster Bildband ist einer über Irland, in dem die Geschichte der Wandermönche des 6. bis 9. Jahrhunderts erläutert wird.
Kennt ihr das berühmte Foto mit dem Herz aus Wälder, glaub irgendwo in Südamerika gemacht? Da gab es vor ein paar Jahren gesammelte spezielle Bilder aus der Luft gemacht und dazu ein Bildband - das hätte ich sehr gerne gehabt, aber es war so schnell ausverkauft. Immerhin kann man noch Karten davon kaufen! Die sind immerhin günstiger und leichter ;) 

Ein Bildband ist immer noch auf meiner Wunschliste, und zwar ist es ein Buch über meinen Hausberg. Also der Berg, der zu meinem Heimatort gehört. Der schönste Berg der Welt! Er hat noch einen zweiten kleinen Gipfel, der den Namen meiner Tante trägt! (Mein Onkel war anscheinend der erste, der dort hinaufkletterte und dem Spitz seinen Namen gab.) Aber nicht nur von draussen ist er speziell, auch innen. Er beherbergte ein Bergwerk, in dem mein Grossvater und deren Vorfahren gearbeitet haben, mittlerweile ist es ein Museum mit Restaurant geworden. Leider ist der Bildband recht teuer und eben auch viel zu gross für den Bücherschrank, aber irgendwann kaufe ich es mir. 
Als ich noch allein wohnte, habe ich jeweils etwa zwei Bildbände als Dekoration auf meinen Kommoden aufgestellt. So waren sie nicht nur inhaltlich attraktiv, sondern dienten auch als Blickfang!

Wünsche euch eine schöne Woche mit hoffentlich besserem Wetter als bei mir - vor meinem Fenster sehe ich grad Schneeflocken tanzen...

Tante Edit hat mir zugeflüstert, dass das Herz-Foto aus "Die ERde von oben" ist, vom Fotograpfhe Yann Arthus-Bertrand. Es wurde anscheinend neu aufgelegt und seit 2013 gibt es das Buch "Die Erde von oben - 20 Jahre danach". Das finde ich sehr spannend, und ich werde wohl bald in der Buchhandlung nachsehen, ob sie es an Lager haben und einen Blick rein werfen.


Samstag, 23. April 2016

Aktion Blogger schenken Lesefreude - Welttag des Buches 2016

Der heutige Tag ist dem Buch gewidmet und dieses Jahre nehme ich wieder an der Aktion "Blogger schenken Lesefreude" teil. Wir Blogger "schenken Lesefreude" hoffentlich jahrein, jahraus und fast täglich durch unsere Rezensionen. Heute sollen aber noch mehr Menschen, die in der Buchbranche arbeiten, Lesefreude schenken und so sammelte ich 23 Lesetipps von Autoren, Verlagsmitarbeitern, Buchhändler, Bibliothekaren und anderen Bloggern. Eine grosse Fülle an neuen Ideen für euch Leser! Ich hoffe, euch gefällt die Vielfältigkeit der Lesetipps, den für jeden ist etwas dabei: Romane, Krimis, Kinderbücher, englischsprachige Bücher - was wollt ihr mehr? 
Viel Spass beim Entdecken!

1. Patricia Kessler, Knaur Verlag
Ich mag die Bücher von Antonia Michealis sehr. Sie hat diesen ganz eigenen Ton: poetisch-gefühlvoll, warmherzig und klug – aber zugleich gespickt mit vielen skurrilen, humorvollen Details und Wortspielereien, die eine einmalige Mischung ergeben. Das Ergebnis ist märchenhaft und lässt eine Stimmung entstehen, die an die des Films „Die Zauberhafte Welt der Amelie“ erinnert.

2. Julie Becher, Volontärin Online-Marketing bei Skoobe
Als gebürtiges Nordlicht ist “Inselstolz” eines meiner Lieblingsbücher: es erzählt vom Leben auf Inseln und Halligen, das vom Rhythmus des Meeres geprägt ist und die Inselbewohner vor ganz eigene Herausforderungen stellt. Nach der Lektüre hat man viele interessante Menschen kennengelernt - und Sehnsucht nach dem Meer.

3. Lucinda Riley, Autorin
This is an extraordinarily moving tale, set on a remote lighthouse keeper’s island in post WWI Australia. The story is at once utterly heartbreaking and yet uplifting, and will resonate with you for long after you have turned the last page. 

4. Vanessa, Blog Glitzerfees Buchtempel
Es sind die vielen kleinen Details, die das Buch „Das zufällige Leben der Azalea Lewis“ zu einem echten Schmuckstück machen. Es ist eine Geschichte, die tiefgehend, traurig aber auch voller Glück versehen ist. Jedoch sollte man sich Zeit für dieses Buch nehmen, um den ganzen Handlungssträngen folgen zu können.

5. Marguerite Joly, NetGalley Deutschland
Die rote Königin ist ein packendes Abenteuer mit einer großartigen Heldin - ein Buch, das man am liebsten in einem Rutsch zu Ende lesen möchte. Ich empfehle es jedem, der mal wieder komplett von einer Geschichte gefesselt werden will!

6. Benedict Wells, Autor, 
"Vincent" von Joey Goebel, Diogenes Verlag
Die Grundidee ist so originell wie genial, die Geschichte wunderbar erzählt. Ein potenzielles Lieblingsbuch. 

7. Franziska Höfliger, PBZ Bibliothek Sihlcity
Was passiert, wenn alle Stricke reissen und eine Frau aus der Gesellschaft aussteigen und untertauchen muss? Ein Roman, der unter die Haut geht.

8. Sandra Sassie, Blog „Sandras Kreative Lesezeit“
"Die Wilma" ist ein total liebenswürdiges, fast 6-jähriges Mädchen, welches im Sturm die Herzen meiner Kinder und von mir erobert hat. Sie ist absolut authentisch und sollte in keinem Kinderbuchregal fehlen! 

9. Susan Boyd, Lucinda Rileys editorial assistant
This novel has as much power and passion today as it did when it was first published. It is a sad story of the futility, inhumanity and tragedy of war, but it is also uplifting because it reveals the best, as well as the worst, of human nature.

10. Annina Studer, Buchhändlerin, Lüthy + Stocker AG Sihlcity
A beautiful and very poetical book with an almost lyrical language. A story of the magic of everyday life and the power that storytelling and friends can have to pull us out of grief. A very life-affirming book that will stay with you long after you've finished the last page!

11. Sylvia Lott, freie Journalistin und Autorin
Es ist ein autobiografischer Roman des Schauspielers Joachim Meyerhoff über seine exzentrischen Großeltern (Er pedantischer Philosoph, Sie Schauspielerin und Diva), bei denen er während seiner Zeit als Schauspielschüler in München lebte. Die Geschichte ist vielleicht nicht immer wahr, aber immer zutiefst wahrhaftig, anrührend, witzig, unkonventionell, zärtlich, schonungslos offen, zum Weinen schön.

12. Anja Bauer, Blog mein kleines Bücherzimmer
Das Buch gibt  einen Eindruck über das Landleben und viele Städter gar nicht mehr wissen, das es dieses noch gibt.

13. Annina Studer, Buchhändlerin, Lüthy + Stocker AG Sihlcity
Lassen Sie sich nicht vom Cover abschrecken und lesen Sie dieses Buch. Es ist hoffnungsvoll, düster, schrecklich zart und tragisch schön - und ganz anders als alle Bücher, die ich bisher gelesen habe. Ein Zukunftsroman in einer Welt ohne Regeln und Gesetze, Strom und ohne gewohnte Gesellschaftsstrukturen. Meine Entdeckung des Jahres.

14. Alexandra, Blog Der Bücherwahnsinn
Es ist eine Geschichte, die jeden von uns treffen kann. Ein Thema des bitteren Abschieds eines geliebten Menschen. Der Umgang mit Krankheit und Tod, und doch ist das Buch so lebensbejahend! 

15. Susanne Bühler, Diogenes Verlag
Weil es intelligente und unterhaltsame Lektüre ist, für einen selbst oder als Geschenk für eine beste Freundin.

16. Jenny, HarperCollins Germany
Weil Orphan X bestes Actionkino in Buchform ist und den Leser sofort in die abenteuerliche Welt von Evan Smoak katapultiert. Für Fans von Jason Bourne und Jack Reacher ein absolutes „Must-Read“.

17. Kathrin Bolte, Bloggerbetreuung Dryas Verlag
Als absoluter Anti-Fantasy-Science-Fiction-Leser hat mich dieses Buch so in seinen Bann gezogen, dass ich noch ganz viel mehr von der Autorin lesen möchte. Die Geschichte ist eine perfekte Mischung aus Dingen, die weit von der menschlichen Vorstellungskraft entfernt liegen, einer wunderschönen Liebesgeschichte, die nicht kitschig ist, und ganz, ganz viel Spannung. Mein Überraschungsbuch 2016.

18. Bernadette Olderdissen, Autorin
Es ist die wunderschöne Geschichte eines Menschens, der sich und das Leben eigentlich längst aufgegeben hat, dem das Umfeld jedoch immer wieder zeigt, dass er noch gebraucht - und geliebt - wird. Mich hat das Buch immer wieder zum Schmunzeln gebracht, und es ist eins, das ich nicht so schnell vergessen werde.

19. Mona Firley, Blog Tintenhain
Ein packender und kunsthistorisch fundierter Thriller, der das Thema Schönheit in eine rasante Verfolgungsjagd durch ganz Europa verpackt und Vergleiche mit Dan Brown nicht scheuen muss.

20. Karina ElmNetGalley Deutschland
Dieses Buch hat die skurrilsten und spannendsten Charaktere, die mir seit langem über den Weg gelaufen sind. Jeder sollte sie kennenlernen, und sich mit ihnen in den Sümpfen Louisianas verlieren!

21. Gina Chei, Buchhandlung Hirslanden
"Vor dem Fest" von Saša Stanišić, btb Verlag (Taschenbuch) oder Luchterhand (Gebundene Ausgabe)
Ein wunderbarer, tragikomischer Dorfroman. In der einen Nacht vor dem Fest trifft man als Leser das ganze Dorf (sowie eine Füchsin) und seine Sorgen und Träume.

22. Meine 9jährige Tochter, Buchprofi*
"Die Schule der magischen Tiere" von Margrit Auer, Carlsen Verlag
Eine coole Serie für Mädchen und Jungs, die Tiere und Schulabenteuer lieben. Es ist immer spannend zu erraten, wer welches Tier bekommt. Ich hätte am liebsten auch ein magisches Tier.
*"Mami, als Buchprofi sehe ich schon beim Anblick eines Buches, ob es spannend ist." :-) 

23. Zum krönenden Abschluss einige Tipps vom Ullstein-Verlag von der #LBM 

Liebe Leser, was sagt ihr zu den 23 Buchtipps? Ist etwas Neues für euch mit dabei? Oder kennt ihr das eine oder andere vorgestellte Buch bereits und würdet es auch empfehlen oder eher nicht? 

Herzlichst möchte ich mich bei allen Teilnehmern bedanken: merci, dass ihr sofort auf die Idee aufgesprungen seid und die Idee für gut befunden habt!

Liebe Grüsse und einen schönen Welttag des Buches
Anya

Donnerstag, 21. April 2016

Der Geschmack von Salz und Honig von Hannah Tunnicliffe

Klappentext:
Wenige Tage vor der Hochzeit stirbt Francescas große Liebe Alex bei einem Unfall. Kurz darauf erfährt sie, dass ihr vermeintlich perfekter Verlobter Geheimnisse vor ihr hatte. Am Boden zerstört, flüchtet sie in eine kleine Holzhütte in den Wäldern von Washington. Hier kann sie den Duft der Pinienbäume und des nahen Ozeans genießen und den Weg zurück ins Leben finden. Dabei helfen ihr ihre Nachbarn, die sie herzlich in ihrer Mitte aufnehmen. Und vor allem Jack, der sich zusammen mit seiner Tochter Huia in Francescas Herz schleicht.




Von Hannah Tunnicliffe hab ich vor einigen Jahren "Der Duft von Tee" gelesen. Der Plot war okay, aber die Gefühlswelt der Protagonistin blieb mir fern und erreichte mich nicht. Deshalb war ich unsicher, ob mir ihr neuer Roman gefällt. Doch wenn ich bei einer Lektüre kaum Zeit finde um Notizen zu machen, heisst das, dass mich die Geschichte gefesselt hat. 

Francesca Caputo haut von der Beerdigung ihres Fast-Ehemannes ab, weil sie die Verwandtschaft und die Trauer kaum aushält. Sie findet sich in der Hütte wieder, die Alex von seinem Grossvater vererbt wurde. Einige Male waren Alex und Francesca zusammen hier - er liebte die Hütte sehr und so hofft Francesca hier ihren Rückzugsort zu finden, an dem sie in Ruhe trauern kann. Sie wird allerdings ziemlich schnell gestört. Nicht nur von ihrer temperamentvollen italienischen Familie. Alsbald kommt es zum Showdown.

Warum liebte Alex das Meer so viel mehr als Frankie? Dann wäre er sicher nicht zum Surfen gefahren und der Unfall wäre nie passiert und Frankie stünde bald vor dem Traualtar und die Flitterwochen lägen noch vor ihnen. Alles erinnert Frankie an Alex. Gegenstände aus der Hütte, Pflanzen, ein Lied aus dem Radio, das Schwimmen im Meer. Praktisch überall und aus heiterem Himmel dringen schöne Erinnerungsfetzen in ihren Kopf. Irgendwann dringen auch andere Erinnerungen zu ihr durch und sie stellt fest, dass in ihrer Beziehung doch nicht alles so rosarot war, wie Frankie in der ersten Trauer meint. Doch erst nach und nach lässt sie andere Menschen wieder an sich heran und sie sieht alles realistischer. Daniel, der Bruder von Alex, sowie Nachbarn wie Merriem und Huia, die Tochter des Verwalters Jack helfen Frankie dabei. Ihre italienische Familie will sie von Anfang an umsorgen. Besonders ihre Schwester Bella möchte mit ihr reden, doch Fankie ist aus irgendeinem Grund, den der Leser erst spät erfährt, wütend auf Bella. Die jedoch gibt nicht auf und bleibt hartnäckig.

Die Charaktere sind vielschichtig und unterschiedlich, aber glaubwürdig dargestellt. Die italienische Tante, deren Filius der sich viel erlauben kann ohne mit Sanktionen zu rechnen. Eine mehrbessere und hartherzige Schwiegermutter, die ihrer Familie das Leben vermiest. Nachbarin Merriem, die ihren Garten liebt. Verwalter Jack, der einen aussergewöhnlichen Beruf hat. Das Mädchen Huia, das fast alle Pflanzen und Tiere der Umgebung kennt. Nur Bella bleibt ein wenig blass, ihre Geschichte bliebt im Hintergrund und nimmt Frankie nichts weg. Auch bei Daniel scheint es, als ob er immer im Schatten von Alex stand.

Die kleine Hütte ist irgendwo zwischen Seattle und Vancouver angesiedelt. Eine ruhige Idylle, die das aufgewühlte Innenleben von Frankie ausgleicht. Mich beeindruckte die Figur von Frankie. Sie erinnert an einen Schmetterling: Das sich Einpuppen in den Verlust und den Schmerz ihres Geliebten, das Entpuppen und sich öffnen, für das, was wirklich war und jetzt ist. 
Das Buch ist aus der Ich-Perspektive, also aus Frankies Sicht aus, geschrieben und liest sich schnell und flüssig. 
Am Ende jedes Kapitels steht ein Rezept, welches etwas mit dem Kapitel zu tun hatte. Nicht umsonst haben wir es mit einer italienischen Sippe zu tun und man weiss: gutes Essen gehört einfach dazu. Essen hilft, tröstet und erinnert. 
Honig ist süss, so auch viele schöne Erinnerungen. Salzige Tränen hat Frankie einige vergossen, aber beide Geschmacksrichtungen gehören zum Leben dazu - so deute ich den Titel des Buches. 
Das sehr schöne und stilvolle Cover passt an sich besser an die Wand in meinem Esszimmer als zum Inhalt, trotzdem finde ich es stimmig.  

Hannah Tunnicliffe hat mich mit mit ihrem neuen Roman positiv überrascht, denn wie schon erwähnt fand ich "Der Duft von Tee" nicht überragend. Doch in "Der Gschmack von Salz und Honig" erzählt die Autorin ausdrucksvoll, sanft und feinfühlig von Liebe, Trauer, Vertrauen, Verlust, emotionalem Leiden und Familienzusammenhalt. 

Fazit: Eine grossartige, feinfühlige Erzählung über das Trauern, Trauerbewältigung und zu sich selbst finden. 

Dienstag, 19. April 2016

Die Inselfrauen von Sylvia Lott

Klappentext:
Auf der Suche nach einer beruflichen Auszeit mietet sich die Journalistin Nina in der Borkumer Frühstückspension ein, in der sie einst den schönsten Sommer ihres Lebens verbrachte. Damals verliebte sie sich in Klaas und träumte von einem Leben an seiner Seite — bis er ihr Herz brach. In der Zwischenzeit arbeitet Ninas Nichte Rosalie in der Pension. Sie interessiert sich sehr für die Geschichte der Insel und für das, was Nina dort erlebte. Während Nina es endlich wagt, ihrer Vergangenheit ins Auge zu sehen, befindet sich plötzlich auch Klaas wieder auf der Insel. Und dann ist da noch ein Walzer, dessen Melodie eine Liebe beschwört, die nie verging ...


Es gibt Bücher, über die möchte man eigentlich gar nicht schreiben, sondern sie einfach im Herzen weiter geniessen. Solch ein Buch ist "Die Inselfrauen" von Sylvia Lott:

Wie in ihrer Familie üblich verbrachte die Korrespondentin Nina die Zeit zwischen Matura und Studienbeginn in der Pension von Tante Theda auf Borkum. Seit diesem Sommer 1967 war Nina nicht mehr auf der Insel. Da sie wegen ihrem Burnout noch einige Wochen krankgeschrieben ist, möchte sie ihre Genesungszeit auf Borkum verbringen. Nina zweifelt allerdings bereits auf der Hinreise, ob das eine gute Idee war.
Theda ist mittlerweile 80 und denkt ans Aufgeben der Pension, es soll die letzte Saison sein. Aber leicht fällt ihr dieser Schritt nicht. 
Rosalie, Ninas Nichte, arbeitet diese Saison vormittags bei Theda und nachmittags an ihrer Abschlussarbeit, mit der sie nicht vom Fleck kommt. Will sie wirklich Lehrerin werden, wäre sie mit einem anderen Beruf glücklicher? Und darf sie sich weiterhin mit David treffen, obwohl sie ja schon lange mit Fabian liiert ist? Vielleicht kann ihr bei ihrer Suche Ninas Erzählung vom Sommer 1967 helfen, als Nina von fremden Ländern träumte und den Fischer Klaas kennenlernte.

Schon nach den ersten Zeilen taucht man ganz in die Geschichte ein. Die Menschen, die Landschaft, die Gefühle - einfach alles ist treffend beschrieben. Sei es der Duft einer Pflanze, landschaftliche oder kulinarische Besonderheiten wie die Fasanenbrause, das Plattdeutsche der Inselbewohner oder die Charaktere selbst. Wie beispielsweise Ninas Unsicherheit, wieder auf der Insel zu sein und dennoch plötzlich einen grossen Hunger auf typische Inselgerichte zu verspüren und aufs Leben selbst. Theda bleibt zwar ein wenig im Hintergrund, trotzdem ist sie der Fels in der Brandung, die auch mit achtzig Jahren noch Lust auf Leben hat und sich nicht einfach abspeisen lassen will. Rosalie verarbeitet Inselgeschichten mit Frauenpower und merkt, dass diese alten Geschichten auch heute noch eine Aussage haben. Und Rosalie bringt wieder Leben in die Pension mit ihren schönen Dekorationen und der eher zufälligen Einführung des Nachmittagstee. 

Die Geschichte des Romans ist voraussehbar, aber das macht hier gar nichts, denn es gibt soviel anderes, auf das wir Leser unser Augenmerk platzieren können. Zum Beispiel darauf, dass man sich nicht nur mit Worten ausdrücken kann wie Nina, sondern auch mit Musik und Tönen wie Klaas.

Neben den alten Sagen aus Borkum werden auch die Bedeutung der Themen von 1967 wie "Make love not war", Verhütung und Rollenverteilung und die Umsetzung davon in der heutigen Zeit angesprochen. 

Eine weitere grosse Rolle im Roman spielt die Musik. David ist Musiker, Klaas wäre es gern. Viele bekannte Songtitel werden im Roman erwähnt und nicht nur bei Nina werden Erinnerungen an diese Lieder wach, sondern auch bei mir. So liefen mir einige diese Ohrwürmer in Dauerschleife nach. 

Zudem kamen mir weitere Titel in den Sinn, die sehr gut zum Inhalt "Der Inselfrauen" passen und so möchte ich den Roman mit drei Lied- und einem Buchtitel zusammenfassen: 
"Summer of 69" (Bryan Adams) trifft auf "Und es war Sommer" (Peter Maffay), erreicht mit "Sylvia's Mother" (Dr. Hook) ihren Höhepunkt und endet schlussendlich in "Wie ein einziger Tag" (Nicolas Sparks). 

Fazit: Ein absolut charmantes, gefühlsvolles Buch, das auch ernste Themen anspricht und zeigt, dass es fürs Träumen und für die Liebe nie zu spät ist. Nicht lange überlegen, sofort lesen! 

Montag, 18. April 2016

Montagsfrage 18.04.2016


Wenn du liest, stellst du dir dann bewusst alles vor oder passiert das eher automatisch? Oder liest du einfach ohne Kopfkino?

Bei mir läuft das Kopfkino ganz automatisch. Zu jedem Buch entsteht somit in meinem Kopf mein eigener Film, der ganz ohne überbezahlte Schauspieler abläuft. Nur wenn mir die Gegend, in der das Buch spielt nicht bekannt ist, schau ich auf der Landkarte nach, wo die Geschichte angesiedelt wurde, um mir so allfällige Fahrdistanzen, Nähe zum Meer etc. besser vorstellen zu können; ansonsten verlasse ich mich ganz auf meine eigene Imagination. 
Spannend finde ich es, wenn das Buch an einem mir bekannten Ort spielt und ich Strassen, Häuser und Abkürzungen kenne. Zweigt der Romanheld dann wohl auch dort ab, wo ich selbst die Strasse überqueren würde oder woanders? 

Genau das, nämlich meine eigene Vorstellungskraft zu aktivieren während ich lese, macht für mich Lesen aus. 
Wie ist das bei euch?

Diese Woche ist ganz viel los in meinem Leben: 
Die halbe Verwandtschaft feiert in dieser Woche Geburtstag. Das heisst: Karten schreiben, Geschenke einpacken, Essen gehen...
Heute ist in Zürich Sächsilüütä (=Sechseläuten), abends um 18:00 Uhr wird der Böögg verbrannt und danach wissen wir wie schön der Sommer wird. Dooferweise regnet es seit gestern quasi durch und so könnte es sein, dass der Böögg ganz schön lange hat bis er den Kopf verliert. 
Morgen Abend besuche ich eine Lesung mit Benedict Wells. Ich hab ihn ja in Leipzig kennengelernt. Mittlerweile habe ich seinen neuen Roman gelesen und bin gespannt auf die Lesung. 
Mittwoch, Donnerstag und Freitag erwarten euch Rezensionen von Neuerscheinungen, bevor dann am Samstag der Welttag des Buches mit der Aktion "Blogger schenken Lesefreude" gefeiert wird. Schaut am Samstag vorbei, ich habe etwas ganz Spezielles für euch vorbereitet, mehr dazu in diesem Kurzinterview.

Dienstag, 12. April 2016

Krimi: Ein Soufflé zum Sterben (Gourmetkrimi Band 1) von Noël Balen und Vanessa Barrot

Klappentext:
Lyon, Heimat von Paul Bocuse, Gourmethauptstadt Frankreichs – doch die Welt der Spitzengastronomie kann ein gefährliches Pflaster sein. Das muss auch Laure Grenadier feststellen. Die Chefredakteurin des Pariser Gourmetmagazins Plaisirs de Table reist nach Lyon, um eine Reportage über die berühmten Bouchons vorzubereiten. Die traditionellen Restaurants sind bekannt für ihre vorzügliche regionale Küche und ihre Gastfreundschaft. Doch dann wird der Besitzer des Petit Pouce in der bekannten Rue Saint-Jean kaltblütig ermordet. Ein Schock – schließlich kannte Laure ihn persönlich. Als ein zweiter Wirt stirbt, greift Panik um sich. Wer hat es auf die Bouchons abgesehen?

Gespannt war ich auf diese neue französische Krimireihe, deren Erstling in Frankreich bereits 2014 erschien. Mit nur 208 Seiten ein kurzes Buch, ideal für einen gemütlichen Nachmittag in der Sonne oder an einem Abend auf dem Sofa zu lesen. 

Journalistin Laure Grenadier fährt mit Fotograf Paco Alvarez nach Lyon um für ein Bouchons-Special in ihrer Dezemberausgabe zu recherchieren. Sie essen sich in mehreren Restaurants satt, tratschen mit den Wirten, philosophieren über perfekte Zubereitungen diverser Nahrungsmittel. 
Die Gastroniemiejournalistin ist jung, versiert und top in ihrer Branche, dazu hübsch und mit einer guten Figur gesegnet, sie praktiziert Yoga, trinkt Grüntee - für mich zu gewollt in den Gegensatz zur beschriebenen Gourmetkultur gestellt. 
Fotograf Paco setzt Lebensmittel auf dem Markt, Wirte und Stilleben in Restaurants ins beste Licht. Seine Chefin gefällt ihm, sie verstehen sich gut. Doch als Laure eines Abends, anstatt mit ihm, mit Jean-Philippe essen geht, ist er eifersüchtig. Paco hat Ecken und Kanten und deshalb sprach mich seine Figur mehr an als die der Perfektionistin Laure. 

Es wird nicht viel gesprochen, es gibt keinerlei Erklärungen bei bestimmten Vorkommnissen, keine Wiederholungen von Gesprächen, dafür einige Lücken: Nach einem Disput mit einem Wirt erfährt man zum Beispiel nicht, ob sie doch noch degustiert und fotografiert haben, denn der nächste Abschnitt geht bei einem Abendessen mit einer anderen Person weiter. Oder die Szenerie wechselt direkt von einem Mittagessen zum frühen Morgen des nächsten Tages. 

Die Geschichte lebt durch die Beschreibung von Lyon und seinen Restaurants. Die häufige Schilderung oder Aufzählung legendärer französischer Köche macht müde, wenn man Frankreichs Küche und Kochgeschichte nicht gerade als Hobby hat. Als Krimi ist die Geschichte weder spannend noch fesselnd. Als Roman unterhaltend zu lesen, wenn man denn gerne Fleisch isst, Feinschmecker ist und vielleicht gerade in Lyon im Urlaub ist. 
Schade, denn der Schreibstil gefällt; die Zugreise ist bildhaft beschrieben und auch der Rest ist sprachlich schön umgesetzt. 

Erst auf den letzten 10-20 Seiten fällt dem Gespann die Lösung der Mordfälle quasi so nebenbei ein. Die Lösung ist witzig und passend zum Buch, das Motiv überraschend - aber Krimi geht meiner Meinung anders. Wie sagt man so schön? "Die Handlung plätschert dahin." Wäre der Krimi nicht als Krimi, sondern als Gourmet-Roman angekündigt, würde ich nicht gross reklamieren. Doch als Kriminalroman wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. 

Fazit: Kein Krimi, sondern ein Feinschmecker-Roman, der mit einigen Morden dekoriert wird. Wer auf Beschreibungen raffinierter Küche steht, ist mit diesem Buch gut bedient. Wer einen spannenden Kriminalroman sucht, muss weiter suchen. 

Montag, 11. April 2016

Montagsfrage 11.04.2016


Wenn du ein/e Buch(-reihe) restlos vergessen könntest, um es/sie nochmals neu zu lesen, welche/s wäre das?

Ganz viele - darunter sicher alle meine Lieblingsbücher. Einfach um zu erfahren, ob sie mir immer noch so gut gefallen oder ob sie thematisch früher besser passten als jetzt. Als thematisches Beispiel "Schrei nach Freiheit - Steve Biko" von Donald Woods. 1988, ich war 18 und die Apartheid ein riesiges, höchst emotionales Thema. Wenn man das heute nochmals lesen würde im Wissen was danach alles passierte, sich vieles  zum Guten wendete - klar, man würde vielleicht betroffen sein, aber wahrscheinlich nicht mehr so emotional berührt.
Dann würde ich sicher auch einige Krimireihen nochmals lesen, und zwar alle hintereinander, Markby & Mitchell von Ann Granger (die hab ich zwar fast alle einzeln und dann Jahre danach nochmals hintereinander gelesen, aber ich würde es wieder tun), Kincaid & James von Deborah Crombie. 
Von den Kinderbüchern wünschte ich mir "Geheimnis um..." von Enid Blyton zurück, dann hätte ich sie meiner Tochter vorlesen können.
Des weiteren Bücher von Rainer Maria Rilke, auch "Der Kuss" von Anne Delbée - um dann ganz frisch noch einmal mich in Paris auf die Spuren von Camille Claudel, Auguste Rodin und die Impressionisten einzulassen. "Der Alchimist" von Paulo Coelho würde ich auch gern nochmals zum ersten Mal lesen und ich bin sicher, mir kommen noch viele andere in den Sinn. 

News - "in eigener Sache"
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Liebe Leser

als ich meinen Blog im August 2013 eröffnete, dachte ich "ich fang jetzt einfach mal an mit Bloggen und schaue vorzu weiter". Zu der Zeit wusste ich nicht, ob ich irgendwann wieder im Schulamt etc. tätig sein werde und wollte unter anderem auch deshalb nicht mit Echtnamen agieren. Nun existiert mein Blog seit 2 1/2 Jahren und aus dem kleinen Hobby ist etwas Intensiveres geworden. Kontakte mit anderen Bloggern und Autoren ergaben sich, mit Verlagen stehe ich seit  Februar 2016 in Kontakt und deshalb habe ich mich nun entschieden, meinen Blogger-Nickname abzulegen und unter meinem richtigen Vornamen zu bloggen. Falls ich beruflich wieder "im Amt"  einsteige, muss ich meinen Blog nicht verstecken. Im Gegenteil. Seid nun nicht allzu verwirrt, wenn es hier keine "Layla" mehr gibt :-) 
Neu gibt es mich und meinen Blog auch auf Twitter. Ich weiss ja noch nicht, was ich davon halten soll - aber ich probiere es jetzt einfach mal aus. Mein Blognamen ist zu lang, deshalb unter BücherinmeinerHand @buecherinhand . Ihr dürft mich natürlich auch weiterhin bei Facebook lesen, obwohl ich mich dort an die Blogseiten-Änderungen noch recht gewöhnen muss.   
Liebe Grüsse und eine gute Woche
Anya

PS: An die anderen "Blogger"-Blogger unter uns: Einige von euch haben so kleine Social Media Buttons in der Sidebar; wo habt ihr die gefunden? Unter den offiziellen Gadgets finde ich nur das zum den Code einzusetzen, aber keine Buttons.

Freitag, 8. April 2016

Autoren-Interview mit Stephan Reich #blogntalk

Klappentext:
Sommer in der Provinz. Seit Kindheitstagen sind Erik und Finn beste Freunde, aber nach den Ferien werden sich ihre Wege trennen: Während Erik eine Lehre bei seinem Vater auf dem Postamt beginnt, muss Finn die Schule wechseln und nach Hamburg ziehen. Jetzt bleiben den beiden sechs Wochen, in denen sie es noch einmal so richtig krachen lassen wollen – doch je näher der Abschied, desto düsterer die Stimmung. Die Partys werden zu Saufgelagen, Streiche zu Straftaten, und das Gefühl der unendlichen Freiheit weicht der Angst vor der Zukunft ohne einander. Bis irgendwann nicht mehr klar ist, ob Erik und Finn dasselbe meinen, wenn sie vom Ende der gemeinsamen Zeit sprechen ...


Interview mit Stephan Reich
Zum Bloggertreffen von Randomhouse an der Leipziger Buchmesse wurde mir Stephan Reich für ein Kurzinterview zugeteilt. Sein Buch „Wenn’s brennt“ hab ich vor unserem Treffen angefangen zu lesen, damit ich ein wenig über den Inhalt Bescheid weiss. Ich war gerade an der Stelle, an der Erik eine „Bewerbung“ schrieb. Die eMail-Adresse hätte er gesichert und er freue sich wenn/falls jemand an diese Adresse schreibt. Genau das habe ich nach Beendigung der Lektüre getan, um Stephan noch weitere Fragen zu stellen.

- By the way, hat schon jemand auf diese Adresse geschrieben? Etwa eine Antwort auf das listige Bewerbungsschreiben? 
Leider noch nicht, ich warte nach wie vor auf ein Jobangebot des Engel-Magazins.

Stephan erzählte, dass ihm während einer Busreise die Lektüre ausging und so begann er eine Geschichte aufzuschreiben – die Geschichte von Erik und Finn. 
Stephans Roman handelt von zwei Jungs, die mit der Schule fertig sind und 6 Wochen Zeit haben, bis sie entweder eine Lehre oder weiterführende Schule besuchen, sprich sie haben Ferien. Besonders einer der Jungs, Finn, legt es ständig darauf an Ärger zu produzieren, während dem anderen, Erik, irgendwie alles egal zu sein scheint. Statt seinen Freund abzuhalten, lässt er ihn gewähren. Erstaunlich, denn aufgrund seiner familiären Konstellation, ein im Rollstuhl sitzender Bruder, hätte ich mir Empathie und Selbstbewusstsein oder auch Dankbarkeit (für alles was er hat, das er gesund ist, etc.) erwartet. 

Das Buch wird als witzig und frech angepriesen, doch ehrlich – witzig finde ich gar nichts an der Geschichte. Als Pädagogin und Jugendarbeiterin habe ich in Schulen und Jugendzentren gearbeitet. Da gab es manchmal auch schwierige junge Menschen, aber dermassen abgelöschte Gestalten sind mir nie begegnet. Unglaubwürdig finde ich, dass die Erwachsenen nicht eingriffen. Wenn schon nicht der Kunstlehrer als Betroffener in Finns Fall, dann zumindest die Schulleitung oder die Mutter. Auch bei Erik hätte ich mir Intervention von Seiten der Eltern gewünscht.

- Stephan, findest du selbst deine Geschichte glaubhaft? Oder wolltest du bewusst übertreiben? Wieso hast du nur Nina intervenieren lassen, dies aber auch nur sehr zahm?
Selbstverständlich finde ich meine Geschichte glaubhaft. Die Vernachlässigung durch die Eltern ist ein wichtiger Faktor, dass sich die Story so entwickelt, wie sie es tut. Die Frage, ob das "in echt" so passieren würde, ist müßig und für den Roman komplett unerheblich.

- Apropos glaubhaft: Du hast mir erzählt, dass insgesamt 167x das Wort „Scheisse“ in sämtlichen Variationen im Roman vorkommt. Käme er nicht auch mit weniger „Fuck“ aus?
Die Sprache der Kids ist derb, klar. Aber sie ist zwingend nötig, um die Figuren glaubhaft zu machen. Ich kann ja nicht meine Figuren wie Chorknaben reden lassen, während sie marodierend durchs Dorf laufen. Genau das wäre nicht glaubhaft. Und auf 238 Seiten 167 Mal "Scheiße" ist absolut noch in meinem Toleranzbereich, aber vielleicht bin ich da auch einfach ein wenig speziell, verdammte Scheiße.

- Interessant wäre, wenn eine Gruppe Jugendlicher den Roman lesen und ihn diskutieren – hast du Feedback von jungen Lesern erhalten?
Bisher kommt das Feedback eher von Leuten in meinem Alter. Aber ich weiß von ein paar Schulklassen, in denen "Wenn's brennt" Thema sein wird und bin sehr gespannt auf die Resonanz.

- Dies war dein erster Roman – wirst du weiter schreiben? Wenn ja, was folgt nun?  Und wann?
Klar. Gerade konzipiere ich den nächsten Roman, außerdem will ich auch wieder mehr Lyrik schreiben. Alle zwei Jahre ein Buch wäre eine gute Taktung, finde ich.

- Verrätst du uns dein Lieblingsbuch? Hat dein Lieblingsbuch einen Einfluss auf dein Schreiben? Oder gibt es ein anderes Buch, welches dich inspiriert?
Da gibt es sehr, sehr viele. Alles, was derb ist, schnell, wütend, gerne mit kaputten Figuren. Es muss knallen, sonst langweile ich mich schnell.

Vielen Dank für das Interview, Stephan! Und danke an den DVA-Verlag und Random House für die Möglichkeit des Zusammentreffens und für das eBook!