Donnerstag, 31. März 2016

Lesebiografie März 2016

Fast nichts gelesen - für meine Verhältnisse. Sagen wir mal die #LBM war schuld ;-)

- Die Sturmschwester von Lucinda Riley 
- Helenas Geheimnis von Lucinda Riley 
- Wenn's brennt von Stephan Reich
- Cherringham Folge 23: Eine schlechte Partie von  Matthew Costello 
- Schatten über Honeychurch Hall von Hannah Dennison (Band 2)
- Das Haus bei den fünf Weiden von Liz Balfour

KrimiMimi: Der Kommissar von Barfleur von Maria Dries

Maria Dries lebt in der fränkischen Schweiz und hat bereits einige Regionalkrimis geschrieben. Nun begibt sie sich literarisch nach Frankreich in die Normandie.

Ihr Ermittler heisst Philippe Lagarde. Der 62jährige ehemalige Elitepolizist gibt zwar manchmal noch Schulungen an der Polizeiakademie oder hält Vorträge, geniesst sonst aber seine vorzeitige Pensionierung in Barfleur. Seine Freundin Odette ist Sterneköchin, sie führen eine lockere Beziehung. Odette ärgert sich des Öfteren über ihren Chefkoch Jaques, doch Lagarde hat immer ein Ohr für Odettes Ärger. Er unternimmt viel mit Amélie und ihrem Hund Lali, wenn Amélies Mutter Camille arbeiten muss und die Kinderkrippe geschlossen hat. Für Amélie ist er sowas wie ein Patenonkel - sie lernten sich an der Strandpromenade kennen. Seither sind sie gut befreundet. Oft sitzt Lagarde bei Gaston im Café, wo er sich gerne mit Gendarm Roselin Dumas, dem Polizeichef des Ortes trifft. Auf der Wache halten derweil Alain und Valérie die Stellung. In Band 2 kommen sich Roselin und die Bäuerin Florence näher. Alle freuen sich darüber, auch Lagardes Nachbarn Angélique und Richard Martinet, der immer viel von seiner Zeit als Fremdenlegionär erzählen mag. 

In Lagardes erstem Fall hilft er deutschen Eltern ihren Sohn zu finden, der verschwunden ist. Zusammen mit Roselin und Camille macht er sich auf die Suche. 
Danach stirbt eine Frau auf unerklärliche Weise, bevor es im dritten Teil zum Mont-Saint-Michel geht. Ich wollte ja schon immer mal zu diesem sagenumwobenen Berg, doch bisher hat es noch nie geklappt. Die Autorin nimmt uns Leser aber mit in die Gassen und der Abtei des heiligen Berges. Ohne jeweils dort gewesen zu sein, kann ich mir die Stadt auf dem Hügel und allgemein die Gegend von der sie schreibt, bildlich vorstellen. 

Auch Maria Dries Charakter mag ich gerne. Sie sind alle so herrlich normal und unaufgeregt. Lagarde ist charmant, und im Gegensatz zu anderen literarischen Ermittlern praktisch immer gut gelaunt. Ich empfand ihn richtig wohltuend - ein sympathischer Mann ohne Schrullen. Durchdacht nimmt er sich den Fällen an und freut sich, ab und zu wie in alten Tagen zu arbeiten. 

Ich kann mir aber vorstellen, dass junge Leute unter 30 nicht viel mit der Gemütlichkeit des pensionierten Kommissars anfangen können und die Serie deshalb nicht gut finden. Doch mir gefällt genau diese Unaufgeregtheit mit der Lagarde an seine Fälle herangeht und das Gleichgewicht zwischen Privat- und Arbeitsleben beispiellos hält. 

Fazit: Eine typische Cosy-Krimi-Serie, die Lust macht auf mehr (und Meer). EIn erfahrener Kommissar mit viel Lebenserfahrung ermittelt witzig und mit viel Charme und weiss wie er mit gefährlichen Situationen umzugehen hat.  

Bisher erschienen sind drei Bände. Band 4 "Der Kommissar und der Mörder vom Cap de la Haque" erscheint am 17. Juni 2016. 


 


Band 1:

Philippe Lagarde, ein ehemaliger Kommissar, hatte eigentlich vor, sich in seinem malerischen Dorf Barfleur zur Ruhe setzen. Allenfalls wollte er seiner Freundin Odette beim Kochen helfen und vielleicht dann und wann aufs Meer hinausfahren. Doch als ein deutscher Student auf mysteriöse Weise verschwindet, ist Lagardes Hilfe gefragt. Er hat nur einen Hinweis: eine Postkarte von Barfleur, die der junge Mann vor seinem Verschwinden abgeschickt hat. Bald findet Lagarde die erste Spur – und eine Leiche. 

Band 2:

Ein Mann stürzt in die Gendarmerie von Barfleur, um seine Frau Maryline als vermisst zu melden. Am selben Tag macht eine Pilzsammlerin eine grauenvolle Entdeckung. Ein weiblicher Fuß ragt aus dem Unterholz. Rasch ist klar, dass Maryline ermordet wurde. Die Polizei steht vor einem Rätsel – und man bittet Commissaire Philippe Lagarde um Hilfe, obschon der eigentlich seinen Ruhestand genießen wollte. Denn der Ehemann der Toten, der sofort in Verdacht gerät, ist ein Freund des einzigen Polizisten von Barfleur.

Band 3: 

Philippe Lagarde aus Barfleur, als Kommissar eigentlich längst in Ruhestand, erhält einen Spezialauftrag. Ein junger Mann aus besten Kreisen wurde erstochen im Ferienhaus seiner Familie aufgefunden. Auf dem Film der Überwachungskamera ist ein Mönch zu sehen. Der Mord wurde mit einem Dolch der Templer begangen, und auf der Leiche lag eine weiße Christrose. Schnell findet Lagarde heraus, dass der Tote zur Gewalt gegen Frauen neigte. Aber wo genau ist das Motiv?

Band 4: 

Philippe Lagarde, Lebenskünstler und Kommissar im Ruhestand, wird von einer jungen Frau aufgesucht, die behauptet, der Tod ihrer Großmutter vor fünf Jahren sei kein Unfall gewesen, sondern Mord. Sie habe einen Mann beobachtet, der fluchtartig das Haus verließ, nur habe ihr niemand geglaubt. Lagardes Interesse ist geweckt – vor allem, als sich wenig später eine ähnliche Tragödie zuträgt. Eine alte Frau stürzt mitten in der Nacht die Treppe hinunter – offenbar wurde sie vorher betäubt.


Mittwoch, 30. März 2016

Krimi: Kommissar Leblanc Catherine Simon (Normandie-Krimis)

Catherine Simon ist das Pseudonym für die SWR-Journalistin Sabine Grimkowski und verbringt einen Teil des Jahres in Trouville und logiert dort im "Hotel des Roches Noires" - wahrscheinlich wurde sie dort inspiriert für diese neue Krimiserie rund um Kommissar Leblanc.

Ich war bisher erst einmal in der Normandie, aber sicher nicht zum letzten Mal. Die Gegend hat seinen Reiz und so war ich gespannt auf die beiden Bücher.

Der in Paris aufgewachsene Kommissar Jaques Leblanc arbeitet nun in der Normandie. Seine Eltern lebten in Afrika, mittlerweile ist sein Vater gestorben und seine Mutter wohnt seit kurzem bei seiner Tante in Paris. Die Bindung zu seinen Verwandten ist nicht sehr eng und so ist er sehr froh, dass er nicht mehr in Paris arbeitet und Abstand hat. Leblanc ist eitel, mag Frauen und er hat einen Tick, von dem nur wenige Leute wissen: er kann nur schlecht alleine einschlafen. Zudem leidet er unter Bindungsangst.
Marie, seine frühere Freundin, ist in beiden bisher erschienenen Fällen zuständig für die Entdeckung der Mordopfer. Auch Marie ist von Paris nach Trouville umgezogen und hat in ihrem Haus ein kleine Pension / Bed & Breakfast eingerichtet. Nur noch ihr Hund Arsène wohnt bei ihr, ihre Kinder wohnen nicht mehr zuhause, sie ist verwitwet. 
Dann wären da noch Leblancs Assistentin Nadine, von der man leider kaum etwas erfährt, und der Bürgermeister, der Leblanc ständig Druck macht.

Leblanc ist nett, aber schon fast zu speziell mit seinem Tick und ich weiss nicht, ob ich ihn bemitleiden oder über ihn den Kopf schütteln soll. Marie reagiert manchmal komisch, obwohl ich sie sonst sympathisch finde. 
Im ersten Band werden vor allem die Hauptprotagonisten vorgestellt, der Rest ist lau und nicht spannend. Immerhin fand ich die Thematik sehr aktuell, interessant (Fischindustrie - Chemikalien im Meer und in den Fischen selbst) und gut recherchiert. In Band 2 ist die Kriminalhandlung bereits viel spannender und das Team besser aufeinander eingestellt. Auch Lokalkolorit ist reichlich vorhanden. 
Trotzdem vermag mich die Serie bisher nicht ganz so zu begeistern, wie ich es bei anderen Frankreich-Krimis gewohnt bin. Die Autorin führt uns Leser zwar teilweise auf falsche Fährten, dennoch ist kaum ein Spannungsbogen vorhanden. Zu oft steht mir Leblancs Macken im Vordergrund.

Falls es einen dritten Band geben sollte, werde ich dem noch eine Chance geben. Die Steigerung von Band 1 zu Band 2 war hoch, so dass ich doch noch Hoffnung für einen spannungsreicheren dritten Band habe. 

Fazit: Ich wünsche mir einen Leblanc, der seine psychologischen Probleme überwindet, damit er sich mehr in seine Arbeit investieren kann und Spannung aufkommt, so dass die aktuellen, gut recherchierten Themen gebührend ins Rampenlicht gesetzt werden können und nicht nur Nebenschauplätze bleiben. Viel Raum nach oben! 
3.5 Punkte.

Klappentext Band 1:

Der charmante Kommissar Jacques Leblanc hat sich von Paris in die Normandie versetzen lassen, um der brutalen Großstadtkriminalität zu entkommen. In Deauville-Trouville ist das Leben beschaulicher, und er kann seinen Leidenschaften nachgehen, dem Essen und den Frauen. Aber dann findet seine frühere Geliebte Marie einen Toten am Strand, und vorbei ist es mit dem süßen Leben. Während Leblanc einer vielversprechenden Spur nachgeht, lässt sich Marie auf das Schloss des Adligen und skrupellosen Fischindustriellen Montfort-Risle einladen – und das setzt dem Kommissar nicht nur aus beruflichen Gründen zu ...


Klappentext Band 2:

Kommissar Leblanc hasst Schnee. Und der fällt in der Woche vor Weihnachten in dicken Flocken vom normannischen Himmel. Doch bald ist keine Zeit mehr für melancholischen Verstimmung: Im renommierten "Hotel des Roches noires" wird eine Tote gefunden - die Pariser Journalistin Bernadette Latour, Lebensgefährtin des so betagten wie begüterten Monsieur Adler. War Bernadette auf das Geld des alten Herrn aus und daher den Erben ein Dorn im Auge? Oder ist sie jenem brisanten Skandal auf die Spur gekommen? Bei seinen Ermittlungen stösst der Kommissar auf familiäre Abgründe, eine Schönheitsklinik in der Nähe von Trouville und einen dubiosen Unbekannte, den etwas mit Leblancs früherer Geliebten Marie verbindet. 


Band 3 (erschienen Januar 2017): Bitterer Calvados - überzeugt ohne Wenn und Aber! 

Dienstag, 29. März 2016

Blogparade: Was macht für euch einen guten Krimi aus?

Autorin Joyce Summer stellte hier die Frage, was ein guter Krimi für uns ausmacht. Meine Antworten:

- Lieber Cosy oder Hard Core?
Muss ein Krimi vor Blut und Leichen nur so überquellen? Oder darf es auch gemütlich zu gehen? Wollt ihr den Tod in all seiner Deutlichkeit beschrieben haben? Soll ein Krimi Gänsehaut und schlaflose Nächte bereiten?
Bitte bitte kein Hardcore, keine Details und auch nicht blutrünstig! – In der realen Welt geht es schon häufig extrem brutal zu und sowas möchte ich einfach nicht lesen, mir reichen die Nachrichten. Auch Psychoanalysen der Täter müssen nicht sein, so wie sie bei Elizabeth Georges Linley-Serie ab Band 6 vorkommen. Das zögert den „richtigen“ Krimi nur heraus. Beim Krimi lesen geht es mir ums Mitraten, ums klassische „Who done it?“ Ich will weder Gänsehaut noch schlaflose Nächte. Aber gerne schlafe ich mit dem Gedanken ein, ob ich mit meiner Vermutung wohl richtig liege oder nicht, und wer vielleicht sonst noch als Täter in Frage kommen könnte.

- Seid ihr Mitrater?
Wie steht es damit? Soll der Täter eine der Hauptfiguren sein? Die Hinweise im Text so, dass man die Chance hat mitzuraten? Oder spielt das keine Rolle und auch wenn der Mörder jemand ist, der erst am Ende des Buches eingeführt wird, nehmt ihr das dem Autor nicht übel?
Jajaja, schon seit „Das Geheimnis um...“ von Enid Blyton rate ich immer mit und versuche herauszufinden, wer der Täter sein könnte. Meistens liege ich richtig und nur selten gelingt es mir nicht, den Täter zu erraten wie zum Beispiel in „Die Ernte des Bösen“ von Robert Galbraith. Dass ich total falschliege gab es aber noch nie. In solchen Fällen habe ich meistens zwei Verdächtige, kann mich aber nicht entscheiden wer von den beiden der Bösewicht war. Von mir aus darf der Täter auch erst später eingeführt werden in die Geschichte, immer Schema X wäre ja doch zu langweilig. „Eine Leiche – viele Rätsel“ – das ist für mich der perfekte Krimi!

- Wie sollen die Charaktere sein?
Brauche ich Protagonisten, mit denen ich mich identifizieren kann? Oder kann der Kommissar, Ermittler oder – wer auch immer das Verbrechen aufklären will – unsympathisch, gebrochen oder sogar selber kriminell sein?
Die Ermittler dürfen durchaus ihre Ticks haben, müssen aber nicht mega speziell sein. Ein einfacher Mensch wie du und ich genügt. Kincaid & James von Deborah Crombie mag ich genau so sehr wie der kettenrauchende Nestor Burma von Leo Malet. Ob die Ermittler alleine oder zu zweit ermitteln ist mir eigentlich egal, solange die Handlung stimmt. 

- Welche Rolle spielt der Ort des Geschehens?
Wie wichtig ist euch der Ort des Geschehens? Soll der Autor den Ort genau beschreiben? Oder spielt er eher eine untergeordnete Rolle? Mögt ihr lieber Krimis, die in warmen Ländern spielen? Oder den Krimi, der in der Heimat, im Ort um die Ecke spielt, so dass man vielleicht etwas wiedererkennt? Oder doch lieber den klassischen Skandinavien Krimi?
Skandinavien-Krimis mag ich nicht – jene, die ich bisher gelesen habe waren sehr düster und träge. Wenn es sonnigere und evt. humorvolle Skandinavien-Krimis geben würde, würde ich nochmals einen Versuch starten. Astrid Lindgren hat zwar keine Krimis geschrieben, doch ihr Schweden war viel angenehmer zu lesen als Henning Mankell. Ich denke, das sollte doch auch als Krimi machbar sein, oder?
Aber ich bin sowieso eher ein Südländertyp und daher gefallen mir Schauplätze wie Frankreich, Italien, Spanien und die Türkei besser als der hohe Norden. Trotzdem fand ich auch die Rügen-Krimis von Katharina Peters interessant. Wenn ich den Ort der Krimihandlung kenne, ist es natürlich immer spannend, man kann dann so schön nachvollziehen, ob die auch die richtige Strasse runter gelaufen sind oder so ähnliches. Witzig war, als beim ersten Oxford-Krimi von Katharina M. Mylius Inspector Frederick genau den gleichen Spaziergang gemacht hat, wie wir bei unserem Besuch dort.  Solche Geschichten „vor Ort“ mag ich auch gerne für den Urlaub, ein wenig Lokalkolorit – egal ob Roman oder Krimi und nehme praktisch immer passende Ferienlektüre mit. 
Und um nochmals auf Leo Malet zurück zukommen: Bei seiner Nestor-Burma-Serie fand ich zudem genial, dass jeder Band in einem andern Pariser Arrondissement stattfand. Diese Idee könnten heutige Autoren, die ihre Serien in Grossstädten spielen lassen, auch mal wieder aufnehmen.

- Und was ist mit der Stimmung?
Soll der Krimi eher düster sein? Oder darf es auch mal mit einem Augenzwinkern zu gehen?
Düster lieber nicht, ausser wenn es neblig ist ;-) Klar gibt’s auch mal für Ermittler  schlecht gelaunte Tage, aber ein depressiver Schnüffler muss nicht sein – wenn das Wetter  zusätzlich noch schlecht ist und das andauernd, dann werde auch ich langsam aber sicher depressiv. Oft schleicht sich bei düsteren Geschichten auch viel Psychogedröns rein, und das mag ich wie bereits oben beschrieben nicht.
Was ich auch nicht mag, ist, wenn Ermittlungen sich über Monate hinziehen - klar in der Realität ist es oft so. In einem Buch stört es mich aber. Bei Jean-Luc Bannalec sind die Kapitel jeweils in Tagen angeschrieben, also Tag 1, Tag 2  und meist sind seine Fälle nach dem dritten Kapitel gelöst. 

- Wollt ihr einen realen Bezug?
Kann der Krimi völlig der Fantasie des Autors entspringen, oder mögt ihr es lieber, wenn es einen realen Bezug auf reale Ereignisse und Personen gibt? 
Egal, ich find beides gut. Und finde auch gut, dass es beides gibt, sonst würde das Krimilesen sehr zum Einheitsbrei. Aktuelle Bezüge zur Politik, Wirtschaftslage verwenden Autoren wie Tom Hillenbrand, Donna Leon und  auch Petros Markaris sehr gerne.

Montag, 28. März 2016

Montagsfrage 28.03.2016


Wie lange brauchst du im Schnitt für ein Buch von ca. 300 Seiten? War das schon mal anders?

Früher, als ich alleine wohnte, hatte ich als Schnellleserin für 100 Seiten durchschnittlich eine Stunde Lesezeit. Im Studium gab es mal einen Test, wo die Lesegeschwindigkeit ermittelt wurde. Mittlerweile dürfte es aber mehr sein, denn ich kann selten mehr durchgängig mehr als eine Stunde am Stück lesen ohne von meiner Tochter oder meinem Mann gestört zu werden. Und wenn ich mal alleine wäre, klingelt garantiert das Telefon oder die Haustüre und schon muss man die Lektüre wieder weglegen. Bis man dann wieder in der Lektüre drinnen ist, kann es jenachdem dauern, oft lese ich dann die Seite nochmals. 
Anders im Strandurlaub, besonders wenn ich nur mit Freundinnen in den Ferien bin, dann lese ich circa zwei Bücher im Tag, obwohl wir nie den ganzen Tag am Strand rumliegen.

Auch hängt die Lesezeit natürlich vom Buch ab - leichte Kost ist schneller zu lesen, als solche Bücher, bei denen man seinen Gedanken nachhängt oder bei Büchern, durch die man sich kämpft und immer wieder weglegt und sich immer wieder neu drauf einlassen muss. Und es hängt auch davon ab, wie es einem geht, ob man sich grad gut konzentrieren kann oder von den eigenen Gedanken immer wieder abgelenkt wird. All das beeinflusst die Lesezeit. 

Bei den eReadern zeigt es zwar die Zeit an, die man noch im Buch oder Kapitel  verbleibt, doch oft ist die Angabe nicht ganz genau. Aber ich bin jedenfalls unter der durchschnittlichen Lesedauer anderer Leser, die beim Kindle für ein Buch angezeigt werden. 
Für ein 300seitiges Buch brauche ich ungefähr um die 3 bis 4 Stunden. Aber letztendlich ist es ja egal, wie viel Zeit man an einem Buch hat - es ist ja kein Wettbewerb.

Sonntag, 27. März 2016

Helenas Geheimnis von Lucinda Riley

Klappentext:
Viele Jahre sind vergangen, seit Helena Beaumont als junge Frau einen wunderbaren Sommer auf Zypern verbracht und dort ihre erste große Liebe erlebt hat. Nun kehrt sie zum ersten Mal zurück in das schöne alte Haus, um dort mit ihrer Familie die Ferien zu verbringen. Unbeschwerte Tage sollen es werden, verträumte Stunden am Meer und lange Nächte auf der Terrasse, doch schon bei ihrer Ankunft empfindet Helena ein vages Unbehagen. Sie allein weiß, dass die Idylle bedroht ist – denn es gibt Ereignisse in ihrer Vergangenheit, die sie ihrem Mann und ihren Kindern stets eisern verschwiegen hat. Wie lange aber kann sie die Fassade der glücklichen Familie noch aufrechterhalten? Als sie dann plötzlich ihrer Jugendliebe Alexis gegenübersteht, ahnt sie, dass diese Begegnung erst der Anfang einer Verkettung von Ereignissen ist, die ihrer aller Leben auf eine harte Bewährungsprobe stellt ...

Eine offene Tür auf dem Cover lädt den Leser ein, Helena und ihre Familie in ihren Sommerferien auf Zypern zu beobachten. Neben ihren Kindern und ihrem Ehemann William sind noch einige Familienfreunde mit von der Partie - das Ferienhaus "Pandora" platzt fast aus allen Nähten.

Doch gleich anfangs kam ich nicht weiter - das Buch ist so ganz anders als bisher von Lucinda Riley gewohnt. Anders, nicht weil aus zwei Perspektiven erzählt wird, sondern weil der eine Strang aus Sicht von Alex, Helenas Sohn, erzählt wird. Ich wähnte mich in einem Jugendroman und das gefiel mir zuerst nicht. Diese Tatsache unterbrach und störte meinen Lesefluss, so dass ich das Buch immer wieder weglegte und es nicht, wie sonst, fliessend lesen konnte.

Nachdem ich mich an diese Erzählweise und den hochbegabten 13jährigen Alex gewöhnt hatte, und ausserdem gemerkt habe, dass der Alex vom Intro der ältere Alex ist und nicht der Grieche Alexis, konnte ich mich endlich auf die Geschichte einlassen. Trotzdem stolperte ich noch öfters an der Erzählung aus Alex Sichtweise herum. Der 13jährige ist hochbegabt. Er erlebt die erste Liebe, verliebt sich zum ersten Mal. Auch zum ersten Mal macht Alex sich wirklich Gedanken um seinen leiblichen Vater, den er nicht kennt und über den seine Mutter nicht reden will. Niemand hat eine Ahnung, wieso Helena solch ein Geheimnis daraus macht - und spätestens jetzt weiss man, wieso das Buch diesen Titel trägt und was Hauptthema im Roman ist. 

Gewollt führt die Autorin den Leser an der Nase herum. Nie weiss man ob das Vater-Geheimnis gerade gelüftet wird oder es noch ganz andere Geheimnisse gibt. Ja, die gibt es und zwar haufenweise, denn fast jeder der Gäste auf Pandora verbirgt etwas. Und in diesem Sommer macht Pandora ihrem Namen alle Ehre und lässt die Büchse krachen. 

Mir blieben die Charaktere zu farblos. Alle wirkten reserviert, sogar die eher unkomplizierten Griechen waren vorsichtig. Helena ist beliebt und nett, doch bleibt bei allen auf Distanz aus Angst sich zu verraten. Sämtliche Erwachsenen bis auf Alexis blieben mir unsympathisch, nur die kleineren Kinder fand ich unkompliziert und überzeugend. Die Reaktionen der Erwachsenen auf die Enthüllungen fand ich oft nicht nachvollziehbar. Nur Alex war am Ende versöhnlich und weitsichtig. Nur hat er selbst nicht so viel daraus gelernt, wie man gegen Schluss feststellen muss.  Obwohl ich auf den ersten Seite meine Probleme mit Alex hatte, fand ich seine Figur glaubhaft dargestellt. 

Dieser Roman ist einer der "Schubladenromane" von Lucinda Riley, die sie früher schrieb und unter ihrem ledigen Namen veröffentlichte. Dies vor Augen macht es leichter sich auf die Geschichte einzulassen. Obwohl "Das italienische Mädchen" auch einer ihrer "alten" Romane ist, hat es mir enorm viel besser gefallen als der vorliegende Roman. "Helenas Geheimnis" erschien bisher nur auf Deutsch, die englische Ausgabe soll folgen. 

Fazit: Der Sommer einer Patchworkfamilie auf Zypern - Liebe und alte Geheimnisse werden aufgedeckt, aber die Charakter bleiben zu reserviert. Dazu der Touch eines Jugendromans und so gibt es von mir nur 3.5 Punkte. 



Freitag, 25. März 2016

#LBM 2016 Teil 2 - Messebericht zur Leipziger Buchmesse

Donnerstagmorgen schätzte ich mich glücklich, dass ich bereits vor dem Hauptbahnhof ins Tram, oh pardon, in die Strassenbahn der Linie 16 einsteigen konnte und somit freie Wahl der Sitzplätze hatte. Die am Bahnhof einsteigenden Personen hatten nicht so viel Glück und mussten rechte beengt stehen. 20 Minuten später erreichten wir aber bereits das Messegelände. Während das Gros der Leute zum Messeingang strömte, suchte ich den Aufgang zum Pressecenter. Dort angekommen ging alles sehr schnell. Meine Vorakkreditierung freischalten lassen ohne Warteschlange, Mantel in der Garderobe abgeben und direkt in den Presseclub um einen Kaffee zu trinken und das WLAN auszutesten - ein wenig Ruhe vor dem Sturm geniessen.
Kurz vor 10:00 Uhr machte ich mich auf den Weg zum CCL. Vorbei an Halle 1, vor der bereits viele Cosplayer auf die Türöffnung warteten. Die Verkleidungen erinnerten mich ein wenig an unsere Street Parade. Da es mein erster Besuch an der LBM war, besuchte ich im CCL die Führung "Buchmesse für Einsteiger", in der wir viele Infos zur Geschichte der Buchmesse erhielten. Der Kursleiter erzählte zudem einige persönliche Anekdoten zur Buchbeschaffung während seinem Studium zu DDR-Zeiten, was ich sehr interessant fand. Zum Abschluss spazierten wir via Halle 2 und Glashalle zu den Hallen 3 und 1. 

Nun war ich frei um alles selbst zu entdecken - in Halle 2 gab es unzählige Lehrmittel und Lernmaterialien, dazu waren sämtliche Kinderbuchverlage vertreten. Meine Tochter wäre im siebten Himmel gewesen! In dieser Halle konnte man auch die ganze Fantasyabteilung samt Leseinsel entdecken. Da dies nicht mein Genre ist, habe ich mich da nicht sehr lange aufgehalten. 
An der Messe gab es nicht nur Bücher: Lesetische, Holzmöbel, Buchhüllen, Notizbücher, Karten, Städte/Länder in einer Zündholzschachtel, Schreibgeräte und vieles mehr. Gelesen, gefilmt und interviewt wurde nicht nur auf den Leseinseln oder den mobilen Fernsehstudios sondern auch mitten in den Gängen. 

Halle 4 wie auch Halle 3 waren für mich attraktiver, da einige interessante, grosse wie auch kleinere, Verlage vertreten waren. Der Stand "Auftritt der Schweiz" (auf dem Foto Andreas Gross) vom SBV oder auch kleinere Verlage wie der österreichische Mandelbaum-Verlag, um zwei Beispiele zu nennen.  
In Halle 5 befand sich, für uns Blogger sehr anziehend, die Bloggerlounge und auch der Lovelybooks-Stand. Ideal für eine kurze Ruhepause und eine Tasse Kaffee zwischendurch. In allen Hallen konnte man sich mit Kleinigkeiten wie zum Beispiel Crêpes verpflegen. Zwischen den Hallen und in der Glashalle gab es Restaurants. Doch besonders am Donnerstag war es viel zu heiss für die Glashalle, die Sonne heizte tüchtig auf. Deshalb lief ich nur kurz den oberen Teil entlang, in der sich alle möglichen Fernsehstudios befanden und fast rund um die Uhr Sendungen aufnahmen. 
Einige Verlagsmitarbeiter kannten mich bisher nur via Mail, deshalb versuchte ich mich bei einigen Verlagsständen persönlich vorzustellen. Bei Harper Collins traf ich Julius Arens, deren Kollegin Miriam das Büro hüten musste. Bei Diogenes lernte ich Susanne Bühler kennen, die mich spontan für Freitag zum Diogenes-Bloggertreffen einlud. Einzig bei Dryas war niemand vor Ort, aber das wusste ich bereits. Bei Bastei entdeckte ich Sky du Mont, der spontan mit mir für ein Fotos posierte. 


Am Donnerstag hatte ich neben der morgendlichen Führung nur noch einen Termin. Von 15:00 bis 16:00 Uhr fand das Read & Meet Lovelybooks-Treffen statt. Wir wurden animiert auf ein Blatt Papier entweder unserer Messe-Entdeckung oder unser Lese-Highlight aufzuschreiben und in die Kamera zu haltenHeute hab ich erfahren, dass ich eine der 50 Gewinner der Lovelybooks-Goodie-Bag bin. Sieht so aus, als ob ich bald mal Post aus Deutschland bekomme *freu*! Besser als jeder Osterhase! Hier traf ich auf Anja von mein kleines Bücherzimmer und auf Karin von Buchgefieder mit ihren schönen Buchzeichen, wir lernten uns nun persönlich kennen. 
Etwas schade fand ich, dass von Lovelybooks - auch bei meinen Rundgängen zuvor - niemand vom Team die Besucher ansprach. Vielleicht hatte ich einfach nur Pech und sie haben die Vorbeigehenden angesprochen oder beim Treffen Kontakt mit den Usern gesucht, aber jedenfalls nie wenn ich da war oder nie in meiner Nähe. 
Wir blieben bis nach 16:00 Uhr sitzen; dann hatte ich erstmal genug von der Messe und machte mich auf Richtung Stadt, wo ich beim Goodies eine Pause einlegte und einen der wundervolllen Soja Latte genoss. Pssst: Mit einem Stück Raw-vegan-Chessecake dazu. Wir Schweizer sind ja nicht so Kuchen und Kaffee-affin wie die Deutschen, aber hätte ich ein Goodies hier, müsste ich diese Kultur übernehmen ;-) Nach einem Spaziergang zum Rathaus gings zum Pinguin - Abendessen mit den Usern des Büchertreffs stand an. Nur eine Person kannte ich bereits, sie kam mal zu uns in die Schweiz zu einem Büchertreffen. Aber es brauchte nicht lange und ich hatte neben Nicknames und Avatar nun auch reale Gesichter abgespeichert ;-) Das Essen war gut, die Bedienung nett, meine Sitznachbarn ebenfalls. So klang der Abend gemütlich aus. 

Freitagmorgen hiess es bereits wieder Kofferpacken und direkt zum Flughafen - Koffer abgeben und einchecken und zurück zur Messe, wo ich zuerst durch die Manga-Convention schritt, damit ich eine Ahnung davon bekomme, was in Halle 1 ausser bunten Verkleidungen so angeboten wird. Anschliessend mischte ich mich unter die Buchleute und führte nette Gespräche mit Verlagsmitarbeitern. Um 12:00 traf ich mich mit vielen anderen zum inoffiziellen Bloggertreffen, welches Simone von Papiergeflüster initiiert hatte, nur leider nicht dabei sein konnte. Hier traf ich erneut auf Anja und auf Malu von Buchbüchse mit ihren herzigen, selbstgemachten Visitenkarten. Mit Deborah von Sommerdiebe ergab sich ein langes, interessantes Gespräch. Generell dünkte mich, dass man sich nicht so mischte, sondern in sicheren Gefilden, sprich in der Nähe der einem schon bekannten Blogger blieb. Ich eingeschlossen. 

Mein Hunger trieb mich in Halle 4 zum Crêpes-Stand, danach suchte ich mir einen Weg Richtung Pressecafé, doch vor lauter Menschen und Einbahnstrassen kam ich kaum vorwärts und setzte mich deshalb viel zu früh an den LB-Stand, an dem um 14:00 Uhr zur Happy Hour mit 5 Kölner Verlagen eingeladen wurde. Nach vier Sätzen (wann, wo, hier das Programm, kommt stossen wir an) über die LitBlogConvention am 4. Juni in Köln schenkte man Sekt aus und - das wars? Hmm, eigentlich dachte ich bei Happy Hour an Infos aus den Verlagen und nicht an eine Vorankündigung und war enttäuscht. Erst jetzt als ich nach der LBC googelte, fand ich eine Beschreibung des Leipziger Events. Hätte ich dies im vornherein gewusst, hätte ich die Happy Hour ausgelassen. Ich blieb noch ein bisschen sitzen, doch es passierte nichts weiter und da ich keinen Sekt mag, machte ich mich auf zum Diogenes-Bloggertreff der zeitgleich stattfand. 

Im Pressecenter begegnete ich Mona von Tintenhain (sie organisiert jeweils den Blogger-Adventskalender), die das gleiche Ziel hatte. Wir verpassten den Ausblick auf den Diogenes-Herbst, den wir aber in Papierform in die Hand gedrückt bekamen. Dann nahm auch schon Benedict Wells, ein junger deutscher Autor auf dem "heissen" Stuhl Platz. Er erzählte über eine Stunde von der Entstehung seines gerade erschienenen neuen Buches, über den Unterschied Buch - Drehbuch schreiben, was für Vor- und Nachteile beides hat, gab auf Spanisch seine Ansicht zur Unabhängigkeitsforderung der Katalanen preis und plauderte mit mir ein bisschen in Schweizerdeutsch. 
Vor Leipzig habe ich sein Buch zwar wahrgenommen, fand den Hype darum aber doof. Vor Hypes nehme ich mich grundsätzlich in Acht und ignoriere sie gerne. Da Benedict aber sehr sympathisch, witzig und wortgewandt rüberkam setzte ich seine Bücher sofort auf meine Wunschliste. Daheim wollte ich mir die Bücher in elektronischer Form gleich kaufen, doch er scheint irgendwas gegen eBooks zu haben :-( Eine Andeutung hat er in einem Nebensatz gemacht, doch das hab ich da noch nicht einordnen können. Auf jeden Fall war diese Stunde, bzw. dieser Autor meine Messeentdeckung. Mitte April liest er in Zürich, den Termin habe ich mir gleich in der Agenda notiert. 

Vom Pressezentrum ging es zum Randomhouse-Bloggertreffen in Halle 3. Die ausgelosten Blog-Teilnehmer bekamen per Post ein Namensschild plus ein Fragebogen mit Namen eines Autoren, den man kurz interviewen soll. "Mein" Autor war Stephan Reich. Nie gehört und gleich nach ihm gesucht und sein Buch angefordert. Wenn ich jemanden ausfragen soll, muss ich doch auch wissen, was derjenige so schreibt. Wir waren zu dritt, erneut Anja :-) und Rebecca von Always read on the light side of life. Da kam eine geballte Ladung Fragen auf Stephan zu! Mein Interview mit ihm stelle ich in den nächsten Wochen online. 

Gleich neben Stephan stand Kiera Brennan zuerst ganz alleine. Als ich mich mit ihr unterhalten wollte, bekam grad Tina von Tianas Bücherfeder eine Unterschrift von Kiera. Die Welt ist klein, Österreicherin Tina war beim Büchertreff-Abendessen mit dabei! Die anschliessende Unterhaltung mit Kiera war unterhaltsam, wir fanden heraus, dass wir dasselbe studiert hatten, aber halt bei der "Konkurrenz". Sie schreibt unter verschiedenen Pseudonymen, ich hatte das Cover zu einem der Bücher im Kopf, nicht aber, bzw. nur im Hinterkopf und ich war zu unsicher und wollte erst zuhause nachschauen, dass ich bereits ein Buch von ihr rezensiert habe. Ihr neuestes Buch "Die Herren der grünen Insel" ist 920 Seiten stark und spielt im Irland des 12. Jahrhunderts und ist definitiv kein Fantasybuch, wie ich und andere angenommen haben. Und wanderte gleich auf meine Merkliste!

Langsam musste ich mich auf den Rückweg machen, doch ich traf nochmals auf Claudia Winter, die mich mit Aprikosenküsse überzeugt hatte und mit der ich Anfang des Treffens schon gesprochen hatte. Eine Kundin, die ein Buch vom Goldmann-Stand kaufen wollte, wollte dies bei ihr tun - wir kamen kurz ins Gespräch (ungefähr so: Buch für Urlaub? Italien? Ja dann müssen Sie Claudias Buch lesen! Unbedingt!) und schlussendlich kaufte sie nicht das erstausgewählte, sondern tatsächlich Claudias Buch! 

Nun war es definitiv Zeit in Richtung Pressecenter aufzubrechen um meinen Mantel abzuholen und mit der vollgestopften Bahn zum Flughafen zu fahren. Der kam mir sehr leer vor nach zwei Tagen überfüllter Messehallen. Buchmässig ging es in mehreren Gesprächen weiter: In der Hand ein Sandwich, das mir die Bistroangestellte frisch zubereite,  kam ich kaum zum Essen, den ich teilte mit einem Holländer den Tisch und wir kamen ins Gespräch über den Flughafen, Berufe, eReader und und und - die Welt ist klein, seine Freundin stammt aus demselben Dorf wie ich :-) Im Flugzeug sass ich neben einem Vertriebsmitarbeiter, der die kleine Buchhandlung in meinem Heimatdorf kennt. Zufälle gibts.
In Zürich angekommen, wurde ich an der Gepäckaufgabe von meiner Sitznachbarin vom Hinflug angesprochen, die in Leipzig kurz vor mir am Lost & Refound-Schalter war. Ihr Koffer kam kaputt an, meiner ja gar nicht. Wir waren uns am Dienstag schon nicht sicher, was schlimmer war, denn beides ist doof - und waren es am Freitag in Zürich immer noch nicht. So schloss sich der Kreis meiner Reise nach Leipzig.

Fazit:

Ich erlebte in Leipzig aufgeschlossene, kommunikative Menschen - vom Taxifahrer über die Museumsangestellte, Blogger und Autoren bis hin zu den Sicherheitsmenschen am Flughafen. Nur an der Buchmesse haperte es ein wenig. Und so stimme ich einem Verlagsmitarbeiter voll und ganz zu, der zu mir meinte es sei eigentlich sehr schade, dass sie vor lauter Meetings mit Fachleuten kaum Zeit zu spontanen Gesprächen hätten. Obwohl ich ganz viele herzliche Menschen kennenlernte, hätte ich mir besonders bei den grösseren Verlagen gewünscht, dass sie mehr unverplante Zeit zur Verfügung haben um auf Besucher zuzugehen. 
Entschuldigt, wenn ich  jemanden nicht erwähnt haben sollte, etwa meine Gesprächspartner beim Kaffee im Presseclub. Ein grosses Merci für all die spontanen oder geplanten Begegnungen mit euch! 

(Mehr Fotos auf meiner Facebookseite)



Dienstag, 22. März 2016

#LBM 2016 Teil 1 - Reisebericht zur Leipziger Buchmesse

Mitte Februar entschied ich mich spontan zu einer Reise an die Leipziger Buchmesse. Da am Mittwochabend bereits eine Lesung auf dem Plan stand, flog ich schon am Dienstag nach Leipzig und kam am frühen Nachmittag an. Ich in Leipzig. Mein Koffer nicht. 
Statt nun die kurze Zeit zu nutzen und mir die Stadt anzusehen, verbrachte ich den halben Nachmittag mit unfreiwilligem Shoppen - Pijama, Unterwäsche, Kosmetik; es war ja alles im Koffer. Auch hatte ich noch Arbeit miteingepackt, die nun liegenblieb. Meine Laune entsprach exakt dem Wetter: grau und kalt und nass. 
Mittwochmorgen schien zwar die Sonne draussen, ideal für Stadtfotos. Doch mein Handy sah schwarz, Akku leer. Und das Aufladekabel, ja, das befand sich im Koffer... Man sagte mir, dass im Einkaufzentrum Höfe am Brühl eine Aufladestation vorhanden sei. War sie auch. Aber Aufladen geht anders :-( Nach 30 Minuten und einer "Voll geladen"-Meldung entnahm ich mein Gerät ungeladen. Läck, war ich sauer! Insgesamt habe ich deswegen mehr als eine Stunde verplempert und kam später im Zoo an als geplant. Herzlichen Dank an dieser Stelle den beiden Mitarbeitern im Safaribüro, die wohl alle Zoomitarbeiter angerufen haben und mir ein Aufladekabel verschaffen wollten! Die Suche war erfolglos, aber die Geste sehr lieb und zuvorkommend. Mit leerem Akku ging es ins Gondwanaland, um mich bei der Flussfahrt ein wenig abzulenken. Die Masoala-Halle im Zoo Zürich gefällt mir besser als das Gondwanaland (weil bei uns alle Tiere frei herumlaufen), aber die Flussfahrt ist wirklich einzigartig und empfehlenswert. 

Nach dem Zoobesuch machte ich mich auf den Weg zurück in meine private Unterkunft - ich hoffte auf den Koffer, der am Morgen ankommen hätte sollen. Denkste... Also erneut in die City. Aufmerksam wurde mir im Mediamarkt eine Powerbank, ein mobiler Akku, empfohlen und verkauft - der Verkäufers erwischte aber eine ungeladene Version. Zum Glück hab ich sie direkt vor dem Laden ausprobiert und konnte gleich wieder rein um sie umzutauschen. 
Während mein Handy lud, machte ich Pause im "Goodies" (Bistro im Veganz, Nikolaistrasse). Ein Akku, ein Soja Latte und ein Stück Raw-Vegan-Blueberry-Cheesecake und ich war im siebten Himmel. Nach dem Zvieri konnte ich wieder Anrufe tätigen und man sagte mir, dass der Koffer um 21:00 Uhr ankommen sollte. Ich traute der Sache nicht so, aber mittlerweile hatte ich mich damit abgefunden und wollte die restlichen Stunden in der Stadt noch geniessen. 

Das Sightseeing konnte weitergehen - die Fotos entstanden alle mit Kabel am Handy. Die Nikolaikirche habe ich mir am Dienstag angeschaut, Mittwochs ging es zur Thomaskirche, wo sie wohl gerade die Orgel stimmten. Eindrücklich tiefe Töne erklangen in der Kirche. So tönte es wohl, als im 18. Jahrhundert Johann Sebastian Bach die Orgel spielte. 

Ich spazierte weiter via Markt und Café Riquet zum Augustusplatz und mit dem Lift ging es in Nullkommanichts hoch auf den Panoramatower. Die Aussicht war wunderbar, von oben sieht alles gleich viel übersichtlicher aus. Auf dem Foto sieht man sogar das Zoogelände.


Da ich am Abend an eine Lesung in die Talstrasse wollte und mein Stadtplan und die ausgedruckte Wegbeschreibung, ja wo wohl, genau, im Koffer lagen, machte ich mich auf die Suche nach der Touristinformation um einen kleinen Gratis-Stadtplan zu bekommen. Da ich die nicht grad auf Anhieb fand, fragte ich im Stadtgeschichtlichen Museum nach. Die Angestellte nahm einen kleinen Plan und erklärte mir den Weg und gab mir den Plan mit. Ich lachte und sagte, nun müsse ich nicht mehr weiter - ich hätte mir dort einen kostenlosen Plan holen wollen. So kamen wir ins Gespräch und ich erfuhr, dass die Frau in der Talstrasse aufgewachsen war. Ich bekam somit die allerbeste Wegerklärung :-)

Nach einem kleinen Abendessen am Augustusplatz war ich in 10 Minuten bei der Grieg-Gedenkstätte mit ihrer eindrücklichen Eingangshalle. Das Musikzimmer war schon gut besetzt, doch ich fand noch einen einzelnen freien Platz ziemlich weit vorne. Die Lesung der "Sturmschwester" von Lucinda Riley wurde musikalisch umrahmt - Hintergrundinfos zu den Musikerinnen bekam ich frei Haus von meiner Sitznachbarin. Dafür bekam sie von mir Infos zu der "Sieben Schwestern"-Serie, welche sie noch nicht kannte. Infos gegen Infos, guter Deal ;-)
Passend zur Lesung wurde Solveigs Lied gesungen und Griegs Klavierkonzert a-moll gespielt. Die Autorin wurde von der C.F. Peters-Verlagsmitarbeiterin Caroline Schatke interviewt. Die beiden verbindet eine persönliche Geschichte, da Lucinda Carolines Vater gut kannte und während eines Telefonats sass die eine in Leipzig und arbeitete oberhalb des Musikzimmers, während die andere genau an der Szene schrieb, in der Edvard Grieg im besagten Musikzimmer zusammen mit Anna Landvik musizierte. Diese Geschichte und weitere Einblicke zur Entstehung der "Sturmschwester" machten den Abend auch für uns Besucher unvergesslich. 
Für mich sowieso, denn ich stand mit Lucinda Riley wegen meiner Einleitung in die Serie bereits in nettem Mailkontakt und so freute ich mich sie persönlich kennenzulernen. Da mir in dem einen Buch ein Detail auffiel, dass mir wegen Ortskundigkeit unlogisch erschien (jeder andere liest darüber hinweg), hab ich sie die Woche zuvor nochmals kontaktiert und bekam prompt Antwort. Als ich dann bei ihr sass und mich vorstellte, rief sie gleich ihre Assistentin und stellte mich Susan vor. Die beiden haben tatsächlich die von mir kritisierte Stelle im Buch nochmals angeschaut und Lucinda hat mir versichert, sie sei diese Strecke tatsächlich so gefahren. Ich fand es sehr schön und auch irgendwie berührend, dass so eine grosse Autorin die Leser ernst nimmt und sogar unwichtige Details nochmals überprüft - das machte mir grossen Eindruck! Mit Susan hab ich später auch noch ein wenig geplaudert. Beides sehr nette und sympathische Frauen :-)

Auf dem Heimweg gelang mir ein Foto vom beleuchteten Gewandhauses und in der Unterkunft bzw. im Restaurant wartete dann endlich endlich der Koffer auf mich. Die letzte Herausforderung des Tages wartete ebenso: den Koffer fünf Stockwerke ohne Lift hochzutragen. Aber Hauptsache, mein Koffer war bei mir, pünktlich zum Messebeginn. 

Morgen folgt der Messebericht. 


Montag, 21. März 2016

Montagsfrage 21.03.2016


Besitzt du Bücher, die hinten im Regal stehen (oder gar nicht im Regal stehen), weil du dich insgeheim dafür schämst?

Nein, ich besitze keine Bücher für die ich mich schäme. Und wenn ich welche hätte, würde man die eh nur schwer zu Gesicht bekommen da wir (seit meine Tochter laufen kann) Türen an den Bücherregalen haben ;-)

Und ehrlich gesagt, finde ich die Frage blöd. Wieso soll man sich für irgendein Buch schämen? Es gibt ja Leute, die was auf sich geben, weil sie fast nur Klassiker lesen. Aber ihnen ist wohl entgangen, dass man über viele der heutigen Klassiker bei Erscheinungstermin genauso die Nase rümpfte, wie sie es nun über viele AutorInnen tun. 

Ich finde, es ist weniger wichtig was man liest, sondern dass man überhaupt liest! Es kann nun mal nicht alles jedem gefallen und je nach Lebensspanne liest man auch ganz anders - nicht nur weil politisch und ideell immer wieder andere Themen aktuell sind (als ich 18 war, war z.B. die Apartheid grosses Thema, auch literarisch, doch heute liest kaum mehr was von damals), sondern weil man selbst mit den Jahren auch anders liest. Als Student entdeckt man gerade neu einige Klassiker oder je nach Studiengang Bücher über aktuelle Fachthematiken; wenn man einen anstrengenden Job hat, liest man eher nur kurze Novellen oder Krimis zur Entspannung;  wenn man gerne reist, liest man vielleicht gerne von Autoren des jeweiligen Reiselandes zur Reisevorbereitung, etc. etc.  Deshalb sollten auch gerade wir Blogger nicht über die jeweils anderen Lesevorlieben schimpfen, sondern unsere Mitmenschen zum Lesen animieren - egal wer welche Lektüre gerade bevorzugt. 
Es kann auch gar nicht alles allen gefallen und das ist gut so, denn für uns alle gibt es genug Bücherauswahl. Aber Nase rümpfen oder gar sich schämen muss nicht sein. Und so schäme ich mich auch nicht für die Rosamunde Pilcher-Bücher, die übrigens neben Julien Green und Hermann Hesse stehen - das waren meine Top-Bücher der 80er. Wir sollten auch weniger stolz darauf sein, welche Autoren wir lesen, sondern es schätzen, dass wir überhaupt so eine grosse Bücherauswahl haben und frei entscheiden können was wir lesen wollen. Das war nicht immer so und auch heutzutage in vielen Ländern leider immer noch nicht möglich.


Für was ich mich aber einmal geschämt habe, war, als ich damals mit 18, als ich die Ausbildung in der Buchhandlung machte und einer älteren Dame ein Aufklärungsbuch verkaufen sollte. Sie wollte ihrem Enkelsohn, der wohl etwa gleich alt war wie ich, aber laut ihr "bisschen verklemmt" wäre, eins zum Geburtstag schenken. Das Buch musste ich als Geschenk einpacken und die Grossmutter legte noch ein Kondom mit rein. Erst als ich aus lauter Gewohnheit das Geschenkband mit Firmenlogo draufklebte, dachte ich "ups, das war jetzt wohl nicht so clever" - nicht dass der Typ dann denkt, in der Buchhandlung könne man neuerdings auch Kondome erwerben... Aber dafür sorgte die Episode noch lange für Erheiterung bei mir und meinen Kolleginnen :-)  



Seit Freitagnacht bin ich zurück aus L
eipzig, die Messe war toll! Ein Erlebnisbericht zur #LBM folgt im Laufe der Woche.  

Mittwoch, 16. März 2016

Jene Jahre in Paris von Rachel Hore

Klappentext:

Paris, 1937. Während ihres Studiums lernt Kitty den amerikanischen Arzt Eugene kennen und lieben. Fast 25 Jahre später reist ihre Tochter Fay nach Paris. Sie kennt die Stadt kaum, und doch kommt ihr vieles bekannt vor. Schon vor ihrer Abreise hat ihre Mutter ihr einen Kinderrucksack mit ihrem Namen und der Adresse eines Pariser Konvents zukommen lassen. Er ist Fays einziger Anhaltspunkt und führt sie zurück in die Zeit der deutschen Besatzung - und zu der Frage, wer sie eigentlich selbst ist und wohin sie gehört...


Nachdem Rachel Hores vorletzter Roman nicht ins Deutsche übersetzt wurde, freute ich mich auf "A week in Paris", auf Deutsch "Jene Jahre in Paris". Beide Titel passen gut zum Buch, der englische zum Gegenwartsteil, der deutsche Titel zum Vergangenheitsteil. 
Die beiden Geschichten spielen von 1937 bis 1944 in Paris und 1961 in England und Paris. 

Auf ihrer Schulreise nach Paris anno 1956 lernt Fay Adam kennen. 15 Jahre später treffen sie sich in Paris wieder, als Violonistin Fay mit ihrem Orchester für eine Woche in Paris weilt. Adam arbeitet als Journalist in der Stadt der Liebe. Beide treffen sich in dieser Woche öfters. Doch Fays Zeit ist knapp. Neben ihren Auftritten und den dazugehörigen Anlässen möchte sie vor allem herausfinden, wieso sie in dieser Woche ein Kloster aufsuchen soll. Ihre Mutter hat sie darum gebeten. Fay spürte schon lange, dass diese ein Geheimnis hat. Doch auf Fragen weichte ihre Mutter immer aus. Jetzt ist es fast zu spät, denn Kitty wurde kurz vor Fays Reise in eine Klinik gebracht. Alles was Fay hat, ist eine Klosteradresse - und tief sitzende Erinnerung an Szenen, die sie schon einmal erlebt hat, sie aber nicht einordnen kann. Nach und nach enträtselt sie die Lebensgeschichte ihrer Eltern.

Gefallen hat mir, dass die Autorin den "Gegenwartsteil" nicht heutzutage, sondern 1961 spielen lässt. Geschickt platziert sie einen Bezug zum damals sehr aktuellen Algerienkrieg, der auch als Verbindung zum zweiten Weltkrieg gesehen werden kann und aufzeigt, wie Menschen (leider auch heute noch) trotz Wissen um die Weltgeschichte sehr leicht beeinflussbar sind. Die Romangeschichte ist zwar fiktiv, aber so ähnliche Geschichten wird es tatsächlich gegeben haben. 


Einmal mehr beweist Rachel Hore, dass sie eine Geschichte nicht nur fesselnd schreiben, sondern ihr auch viel Leben einhauchen kann. Ihre Protagonisten hat sie überzeugend dargestellt. Der Roman sorgte öfters für Überraschungen und entwickelte sich zu einem Pageturner.


Fazit: Spannend und emotional erzählte Mutter-Tochter-Geschichte, umrahmt von den schrecklichen Ereignissen der Nazi-Zeit.

5 Punkte.