Samstag, 31. Oktober 2015

Lesebiografie Oktober 2015

- Mandeljahre von Katrin Tempel 
- Coco und das Geheimnis des Glücks von Niamh Greene 
- Der Duft des Oleanders von Silvija Hinzmann 
- Mord auf der Levada von Joyce Summer 
- Agatha Raisin und die tote Urlauberin von M.C.Beaton 
- Inspector Bradford trinkt Friesentee von Marion Griffith-Karger 
- Canterbury Serenade von Gitta Edelmann 
- Weihnachtszauber wider Willen von Sarah Morgan 
- Oops, die Arche ist weg von Mark Hodkinson 
- Winterglanz von Elin Hilderbrand


Freitag, 30. Oktober 2015

Weihnachtszauber wider Willen von Sarah Morgan

Klappentext:
Als Skifahrer war er unschlagbar - aber als Dad ist Tylor O’Neil weit von einer Goldmedaille entfernt. Um seiner 13-jährigen Tochter zu beweisen, wie sehr er sie liebt, will er ihr das schönste Weihnachtsfest aller Zeiten bereiten. Das Snow Crystal Skiresort seiner Familie bildet dafür schon mal die perfekte Postkartenidylle. Doch bei den restlichen Details braucht er Unterstützung. Wer könnte ihm besser beibringen, was zum Fest der Liebe gehört, als eine Lehrerin? Gut, seine alte Schulfreundin Brenna ist genau genommen Skilehrerin, dennoch scheint sie auch den Slalom weihnachtlicher Bräuche perfekt zu beherrschen. Der guten alten Tradition des Kusses unterm Mistelzweig kann Tylor jedenfalls schnell etwas abgewinnen

Der dritte Band der O'Neil-Trilogie ist da! Begeistert hab ich mich damit aufs Sofa verzogen. Und in die Bahn. Ins Tram. Ins Bett. Ganz schlimm wars jeweils beim Umsteigen von Bahn aufs Tram oder umgekehrt, oder der Fussmarsch nach Hause. Kindle schliessen und aufs Weiterlesen planggen. Viel zu schnell hatte ich es ausgelesen, trotz der Umsteige- und Koch- und anderen Pausen!
Ich konnte kaum aufhören zu lesen, denn der Roman knüpft leistungsmässig wieder an den ersten Band, "Winterzauber wider Willen" an. Vom zweiten Band "Sommerzauber wider Willen" war ich ja nicht so überzeugt. So freute ich mich umso mehr, dass sich "Weihnachtswunder wider Willen" wieder als ein Pageturner herausstellte.  

Es schneit und schneit und somit ist das Resort in Snow Crystal blitzschnell ausgebucht. Deshalb muss Brenna ihren Bungalow hergeben und wird bei Tyler und seiner Tochter Jess einquartiert. Jess ist begeistert, Tyler und Brenna nicht so sehr. Brenna, weil sie seit Kindheit verliebt in Tyler ist und Tyler beginnt langsam zu merken, dass Brenna nicht nur seine allerbeste Freundin, sondern auch eine Frau ist. Doch er hat das Gefühl, dass er bisher alle Beziehungen zerstört hat und will nun nicht noch seine ihm sehr wichtige Freundschaft mit Brenna aufs Spiel setzen. Ihr geht es genau gleich, doch irgendwann hat sie genug davon - im Umgang mit Jess erinnert sie sich wieder an ihre Schulzeit und was sie alles einstecken musste, weil ihr das Selbstbewusstsein fehlte. Brenna übt sich also mit neuem Selbstvertrauen, was ihr auch hervorragend steht. Manchmal zweifelt sie zwar noch an sich selbst, und auch Tyler kämpft mit sich. Doch am Ende überrascht er nicht nur Brenna, sondern auch seine Familie. 

Vielleicht gefiel mir "Weihnachtszauber wider Willen" ja so gut, weil Walter nur einen Mini-Auftritt hatte und hier vor allem die Frauen der Familie im Vordergrund stehen? 
Nein, nicht nur. Der Grundtenor hier ist zwar harmonischer, trotz all der verkorksten Beziehungen, die beschrieben werden. Und auch in diesem Band geht es wie schon in den ersten beiden um Vergangenheitsbewältigung und ihre Aufarbeitung. Vielleicht lag es auch am Humor, der hier gar nicht zu kurz kam  - oft lachte ich vor mich hin, wenn Brenna selbst plötzlich erschüttert von ihrem Mut war. Mir gefiel auch der respektvolle Umgang der Darsteller untereinander. Dass Tylers dreizehnjährige Tochter oft erwachsener dachte als die Erwachsenen beeindruckte ebenso. 

Kurzum: eine tolle Liebesgeschichte verteilt auf 384 Seiten, die auch vor ernsteren Themen nicht halt macht und die Leser blitzschnell in ihren Bann zieht. 5 Punkte für diesen gelungenen Abschluss der viel zu kurzen Serie. 


PS: Ich habe mir vorgenommen im Dezember 2016 (oder vielleicht auch schon zwischen den Feiertagen Ende 2015?) alle drei Bände hintereinander zu lesen. Also sowas wie einen "Snow Crystal"-Marathon - wer würde mitlesen? 

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Coco und das Geheimnis von Glück von Niamh Greene

Klappentext:
Seit sie denken kann, hat Coco Swan sich für ihren Vornamen geschämt. Bei einem solchen Namen, davon ist die Zweiunddreißigjährige überzeugt, erwartet man Schönheit und Glamour. Eben eine Frau wie Coco Chanel – und keine durchschnittlich aussehende Antiquitätenhändlerin aus einer durchschnittlichen Kleinstadt. Als allerdings in einem ersteigerten Schränkchen eine alte Chanel-Handtasche auftaucht, wird Cocos Leben völlig auf den Kopf gestellt. Denn ein vergilbter Brief im Seitenfach der Tasche entpuppt sich für Coco mit einem Mal als Schlüssel zum Glück.



Eigentlich hätte ich ja andere Bücher lesen wollen, doch irgendwas sprach mich an diesem Buch auf meiner Skoobe-Merkliste an und so zog ich es meinen SUB vor. Was Nettes ohne Ansprüche für Zwischendurch, war mein hauptsächlicher Gedanke. Und dann hat mich dieser "nette", kleine, unscheinbare Roman sowas von positiv überrascht: 

Die 32jährige Coco wurde von ihrer Grossmutter aufgezogen und lebt immer noch mit ihr zusammen. Ihnen gehört ein Antiquitätengeschäft im irischen Dronmore. Coco liebt ihren Beruf und geht ganz in ihm auf. Das einzige was sie nicht mag, ist ihr Namen, denn fast jeder spricht sie darauf an, "Coco - wie Coco Chanel"? Ja, denn ihre Mutter, die vor fast 20 Jahren an einem Verkehrsunfall starb, war ein grosser Fan von der Modeschöpferin. Als Coco in einem Waschtisch eine echte Chanel-Handtasche inklusive einem darin versteckte Liebesbrief entdeckt, ist Coco so fasziniert davon, dass sie die Tasche samt Brief der rechtmässigen Besitzerin zurückgeben will. Die romantisch veranlagte und an Zeichen glaubende Coco denkt, dass ihre Mutter ihr durch die Tasche etwas mitteilen möchte - denn sie versprach ihr eines Tages genau so eine Tasche zu kaufen. Und auch wenn es kein Zeichen sein sollte, die Tasche möchte sie auf jeden Fall zurückgeben. Und so beginnt eine aufregende Reise durchs Leben einiger mit der Handtasche in Verbindung stehender Personen.
Doch Coco muss sich auch mit ihrem direkten Umfeld auseinandersetzen. Dass Grossmutter Ruth in ihrem Alter und nach dem Tode von Ruths Ehemann wieder ein Liebesleben hat, muss Coco erst verarbeiten. Und Anna, Ruths ewig motzende Schwester, ist so schwierig, dass sie am besten nichts davon erfährt. Und wie kann Coco ihrer besten Freundin Cat helfen, die mit ihrem ältesten Sohn Mark Probleme hat? 

Diese wundervolle Geschichte mit ihren authentisch wirkenden Charakteren überzeugt durch ihre Warmherzigkeit. Passieren tut viel, und dennoch ist der Roman unaufgeregt. So kommt zwar eine klitzekleine Liebesgeschichte darin vor, doch die ist so gekonnt in die Rahmenhandlung gesetzt, dass sie glücklicherweise nicht zum Hauptthema wird. Hauptthema bleibt das Rätsel um die Herkunft der Tasche. Und natürlich das "Glück", das im Titel vorkommt. Glück wird hier vor allem mit Zufriedenheit übersetzt: zufrieden sein mit dem was man hat und nicht immer noch mehr oder möglichst Ausgefallenes zu wollen. 

Fazit: Die etwas andere Detektivgeschichte. Es ist ein Roman mit "Jö, herzig"-Faktor, der ohne Kitsch auskommt, dafür mit einigen Prisen Glücksstaub für das Wohlbefinden der Protagonisten am Schluss sorgt. Beeindruckte 5 Punkte. 

Montag, 26. Oktober 2015

Montagsfrage 26.10.2015


Halloween naht, stimmt ihr euch mit passender Lektüre ein oder macht ihr euch nichts daraus?

Ich mag weder Gruselgeschichten noch Halloween - das mag in Amerika Tradition haben, aber nicht bei uns in der Schweiz - von daher mach ich mir da gar nichts draus. 
Aber anscheinend wohnten mal Amerikaner hier oder es wurde sonst aufgeschnappt, denn im Quartier ist es fast schon üblich, dass die Kinder losgehen. Nun, ich habe eine Tochter, die findet es natürlich lässig, wenn man einfach nur durch ein Sprüchlein aufsagen und sich verkleiden Süssigkeiten geschenkt bekommt. Letztes Jahr durfte sie zum ersten Mal mit Nachbarn auf "Tour". Und würde auch dieses Jahr wieder gerne. Doch da letztes Jahr anscheinend einige Teenies im Quartier Steine geschmissen und sonst Mist gebaut haben, wollen jetzt die Mütter mit den unter Zehnjährigen nicht mehr los. Finde ich gut :-) 
Als Alternativprogramm habe ich mir überlegt, dass wir dafür unsere eigene Tradition erfinden können und an dem Abend (solange Halloween am Wochenende ist) jeweils einen Harry Potter-Film schauen und dem Geknabbere dazu ein wenig einen Halloween-Touch geben könnten. Harry Potter Band 1 hab ich ihr im Frühsommer als Gutenachtgeschichte erzählt und danach hat sie dass Buch noch selbst gelesen, so könnten wir also gut mit dem Film starten :-) Den Vorschlag werde ich diese Woche Kind und Mann unterbreiten, falls Halloween zur Sprache kommt. Da es am Wochenende ist, reden sie in der Schule nicht so oft davon und ich hoffe, sie könnte es ja auch vergessen....

Vor zwei Jahren hab ich am Halloween-Weekend unserer europäischen Tradition - Reformationstag und Allerheiligen - gedacht, indem ich mich dem Historien-Marathon angeschlossen hatte und hab ein Buch über die Reformationszeit gelesen. Das entspricht mir schon viel eher :-)

Freitag, 23. Oktober 2015

Krimi: Mord auf der Levada von Joyce Summer

Klappentext: 
Eigentlich wollte die Hamburger Café Besitzerin Pauline mit ihrem Mann Ben einen geruhsamen Schnorchel- und Wanderurlaub auf Madeira verbringen. Aber gleich kurz nach ihrer Ankunft stolpert sie über den ersten Toten. Als sie auf eigene Faust Nachforschungen beginnt, muss sie feststellen, dass die Spuren zum Tod des letzten Habsburger Kaisers führen. Was hat dieser mit dem Mord und einem Flugzeugabsturz zu tun? Der einheimische Comissário glaubt nicht so recht an Paulines Theorien und schon bald schwebt sie in größter Gefahr.



Da hatte ich von Madeira bisher nur immer in Zusammenhang mit Sissi oder mit Schnaps gehört und dann komm ich zum Vergnügen, innerhalb dreier Monate gleich zwei Bücher zu lesen, die auf Madeira spielen. Das erste war ein Roman, "Das Lied der Sturmvögel" von Anna Levindas zweite Buch ist ein Kriminalfall von der Autorin Joyce Summer, die mir das eBook zur Verfügung stellte - erst noch mit elektrischer Widmung sozusagen, das fand ich ja ganz herzig :-) Herzlichen Dank, Joyce ! 

Kaffeebesitzerin Pauline macht mit ihrem Ehemann Ben Ferien auf Madeira. Sie waren schon einmal da - und weil es ihnen gefallen hat, buchten sie erneut. Doch der Urlaub ist schon bald betrübt, da Pauline beim Joggen eine Leiche entdeckt. Comissàrio Avila verdächtigt das deutsche Paar zuerst, doch bald schon hat er weitere Verdächtige zur Hand. Der Tote, Lucca DeFreitas, scheint nicht nur jovial gewesen zu sein, sondern auch politisch verstrickt, hatte einige heimliche Affären und zwei uneheliche Kinder. Pauline und Ben lenken sich vom Todesfall ab, in dem sie die Insel erkunden und sich bei einer Tauchschule wegen einem Tauchgang erkundigen. Dort treffen sie auf einen arroganten Schweizer (leider kommen wir Schweizer sehr schlecht weg im Buch), der kurz darauf spurlos verschwindet. Nun steht Avila gleich vor zwei ungelösten Fällen in dem sonst ruhigen Madeira und wieder verdächtigt er zuerst Pauline und Ben. Pauline wiederum geht ihren eigenen Vermutungen nach.

Als "richtige" Detektivin erscheint Pauline mir nicht, sie ist mehr einfach grad zur Stelle, wenn etwas passiert. Comissàrio Avila und sein Subcomissàrio sind da schon eher die Ermittler. Es dauert zwar bis sie auf die richtige Spur kommen, aber erst Pauline sorgt für das wichtigste Detail, das zur Lösung beiträgt. Dem Leser hingegen gehen bereits während der Lektüre einige Kronleuchter auf, da man die Verbindung zur Vergangenheit hat und sich so einiges zusammenreimen kann.

Der Krimi bezieht sich nicht nur auf die Gegenwartsgeschichte mit Pauline, sondern startet fesselnd mit einem Auftakt anno 1977. Ein Mann besteigt in Genf ein Flugzeug nach Madeira und möchte etwas Wichtiges auf der Insel erledigen, doch das Flugzeug stürzt bei der Landung ab. Ob es Überlebende gab oder nicht, erfährt der Leser erst mittendrin und auch dann bleibt noch lange offen, um wen es sich bei dem ominösen Flugpassagier handelte. 
Erzählt wird auch die Geschichte vom letzten österreichischen Kaiser, Karl I., der seine letzten Lebensmonate 1922 auf Madeira verbrachte. Mit ihm seine Frau, Königin Zita.
Der Einbezug von Karl und Zitas Leben auf Madeira fand ich ganz toll. Ich mag es gerne, wenn eher unbekanntere, historische Persönlichkeiten (über die es sonst kaum was zu lesen gibt) in Büchern auftauchen. Noch mehr, wenn damalige wahre Begebenheiten weiter gesponnen werden, wie es im vorliegenden Krimi der Fall ist. Mit der Erwähnung von Zita war meine Neugier natürlich schon am Anfang geweckt, denn Zita verbrachte einen Grossteil ihres Lebens im bündnerischen Zizers. Da ich selbst in der Nähe aufwuchs und meine Mutter sogar noch näher, nur ein, zwei Dörfer neben Zizers, war mir Zita ein begriff. Den hab ich als Kind natürlich immer mit Sissi in Verbindung gebracht (wir Kinder und Teenies liebten damals die Sissi-Filme, kein Weihnachten ohne Sissi-Filme!), und so fand ich es immer spannend, wenn meine Mutter mir erzählte, dass sie Kaiserin Zita oft gesehen hat, vor ihrem Häuschen und auch unterwegs in den Dörfern

Joyce Summer Erstling ist spannend geschrieben und machte nicht nur wegen Kaiserin Zita Freude zu lesen. Manchmal verzettelt sich die Autorin zwar in zu vielen Details und sie könnte an der Sprache noch feilen - zu viele holprige Sätze trüben leider den Lesegenuss. 

Fazit: Ein spannendes, gelungenes Debut mit kleinen Mängeln. 4 Punkte. 

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Krimi: Der Duft des Oleanders von Silvija Hinzmann

Klappentext:
Die spätsommerliche Idylle ist trügerisch. Vor der malerischen Kulisse von Rovinj und anderen Orten in Istrien bewegt sich Joe Prohaska am Rande der Legalität, und doch kann er nicht anders, als der Wahrheit auf den Grund zu gehen, die die späten Opfer und Täter des Krieges in Ex-Jugoslawien miteinander verbindet. Joe Prohaska, ehemaliger Kriminalhauptkommissar aus Stuttgart mit deutsch-kroatischen Wurzeln, lebt seit seiner Frühpensionierung in einem winzigen Dorf in der Nähe von Rovinj. Er ist gerade stiller Teilhaber eines kleinen Fotoladens geworden, den sein Jugendfreund Ivo betreibt. Prohaska möchte künftig nur noch als Fotograf arbeiten und eine Istrien-Monografie herausbringen. Doch eines nachts wird er Zeuge eines Überfalls…


Da ich Krimis liebe, schau ich mich immer gerne nach neuen Fällen um, die an nicht so üblichen Orten und Gegenden spielen. Da kam mir im Sommer die Anfrage des Verlages gerade recht, denn Istrien ist Neuland für mich. Ich war gespannt! Leider war ich aber doch nicht so schnell mit Lesen wie gedacht. Herzlichen Dank an den Verlag, der mir das eBook zur Verfügung stellte! Entschuldigung, dass ich länger brauchte als versprochen.

Denn die Verspätung hatte einen Grund: Als ich die Lektüre zum ersten Mal in die Hand nahm, war ich ganz schnell durcheinander. So viele verschiedene Personen, denen ganz kurze Kapitel gewidmet werden - mein Kopf rauchte und so legte ich das iPad wieder zur Seite.
Als ich mir den Krimi dann definitiv vornahm, sorgte ich vor, indem ich Notizbuch und Bleistift zur Hand nahm und mir all die Namen oder Merkmale der vorkommenden Personen notierte; Personen, die anfangs oft auch namenlos blieben. Ich mag das ja gar nicht, wenn ein Buchanfang derart kompliziert vielfältig mit diversen Namen gespickt ist. Es stört den Lesefluss erheblich. Nun gut, meine Notizen fassten folgendes zusammen:

Da hätten wir zuerst mal Jäger, ein deutscher Journalist, der aus anfänglich unbekannten Gründen nach Kroatien reist und dort jemand treffen will. Blöd nur, dass er vor dem Treffen ermordet wird. 
Luca Aquila und sein Trüffelschwein finden zusätzlich zu einigen Trüffeln eine Leiche im Wald. Sein Sohn Maurizio rät ihm zur Polizei zu gehen - obwohl man das Gefühl hat, dass auch Maurizio etwas zu verbergen hätte. Luca wendet sich nicht direkt an die Polizei, was auch ihn irgendwie verdächtig macht. 
Der 26jährige Robert wird angefahren - zum Glück taucht Joe Prohaska auf bevor noch Schlimmeres geschieht. Aber was verschweigt Robert? Auch Robert will nicht zur Polizei Anzeige erstatten. Wieso haben die alle Angst vor der Polizei?
Prohaska ist ein ehemaliger deutscher Polizist mit kroatischen Wurzeln, der sich nach seiner Frühpensionierung in Istrien niederliess. Wüsste man nicht, dass er in dieser neuen Krimiserie der Ermittler sein soll, würde man auch ihm misstrauen. Prohaska will eigentlich nur fotografieren und stellt sich bereits ein Bildband sowie eine Ausstellung im Fremdenverkehrsbüro vor. 
Nora, die dort arbeitet, scheint ihm zu gefallen. Immerhin gibt es durch ihr Erscheinen einen Hinweis auf den Buchtitel. Doch auch sie ist sehr komisch drauf. 
Denn der Chauffeur Igor Busetta macht den reichen und unkoscheren Unternehmer Drago Blagic drauf aufmerksam, dass sich Nora mit einem Polizisten eingelassen hat. 
Auch Tomo, sein Butler und Schiffsführer, wird darüber informiert. Was der wohl für ein Spiel treibt?

Nun haben wir die wichtigsten Protagonisten im Buch, ausser eventuell noch Kommissar Rossi. Er und Prohaska umkreisen sich anfangs wie misstrauische Hunde. Doch bald freunden sie sich an. Immerhin zwei, denn alle andern Personen bleiben undurchsichtig und scheinen gegeneinander zu agieren.  
Bald aber wurde mein Durcheinander im Kopf weniger, denn langsam verbanden sich die Fäden miteinander und man erahnte in welche Richtung es geht. Doch wer und wieso für all die Toten verantwortlich ist, löst sich erst gegen Schluss auf. 

Es lohnt sich das Chaos vom Anfang durchzustehen. Der Krimi entwickelt sich zu einer spannenden und unterhaltenden Lektüre mit teilweisem Bezug zum Kroatienkrieg. Auch witzige Szenen, wie z.B. Prohaskas nächtliches, unfreiwilliges Bad und das fehlende Benzin des Motorbootes mitten im Meer, fehlen nicht. 

Das Titelbild soll wohl die Altstadt von Rovinj darstellen. Ein Foto vom Hafen hätte meiner Meinung nach besser gepasst, da sich doch vieles in Hafennähe abspielt. Ich war noch nie in Kroatien, doch die Beschreibungen der Ortschaften machen glustig darauf sich Rovinj mal selbst anzuschauen.

Leider tauchen vor allem gegen Schluss einige Layoutfehler auf. Es fehlen Worte in den Sätzen oder es gibt zu viele davon ;-) Da müsste der Lektor nochmals drüber lesen.

Fazit: Ein gelungener Erstling! Hat man den wirren Anfang überstanden, macht es Spass Prohaska bei seinen mehr oder weniger offiziellen, und vor allem eigenmächtigen Ermittlungen zu begleiten. 
4 Punkte. 


Montag, 19. Oktober 2015

Montagsfrage 19.10.2015


Falls du aktuell Bücher vorbestellt hast, welches erscheint als nächstes?

Ich bestelle äusserst selten Bücher vor, habe aber eine Wunschliste, auf der das Erscheinungsdatum der Bücher zuvorderst steht. Das sieht dann etwa so aus  - nur viel länger natürlich, die Liste reicht bis in den März hinein ;-) :


Oktober 2015:
22.10: Als die Träume noch uns gehörten von Marian Izaguirre

November 2015: 
09.11: Der tödliche Tanz des Monsieur Berard von Marie Pellissier (Band 2)
09.11: Die Sturmschwester von Lucinda Riley
09.11: Ein Stück vom Himmel von Claudie Gallay
12.11: Jene Jahre in Paris von Rachel Hore
16.11: Der Kommisssar und der Orden von Mont-Saint-Michel (Normandie-Krimi Band 3) von Maria Dries
16.11: Janes Austen bleibt zum Frühstück von Manuela Inusa
16.11: Das Schönste kommt zum Schluss von Monica McInerney

Als erstes auf der Liste wäre also das Buch von Marian Izaguirre, aber ich weiss noch nicht ob ich es mir bereits schon kaufe oder noch damit warte. Dafür werde ich mir aber sicher der erste November-Eintrag kaufen, auf Band 2 der  Pariser Hausmeisterin Madame Blandel-Serie freue ich mich schon sehr! 


Vergangene Woche fand die Frankfurter Buchmesse statt, alternativ für die Daheimgebliebenen gab es auf den verschiedenen Social Media Kanälen die Leseparty ≠fbm15 - ich war mit meinem Blog auf Facebook mit dabei. Habt ihr auch daran teilgenommen oder wart ihr gar vor Ort in Frankfurt?

Diese Woche erwarten euch auf meinem Blog zwei Krimi-Erstlinge von bisher unbekannten Autorinnen vor, die beide lesenswert sind. Seid gespannt! 



Sonntag, 18. Oktober 2015

Kräuter der Provinz von Petra Durst-Benning

Klappentext:
Bürgermeisterin Therese liebt ihre schwäbische Heimat - Wiesen mit sattgelbem Löwenzahn, ein paar sanft geschwungene Hügel und mittendrin Maierhofen. Doch die jungen Leute ziehen weg, und der Dorfplatz wird immer leerer. Als Therese krank wird und das Dorf kurz vor dem Aus steht, raufen sich alle Bewohner zusammen - seien es die drei Greisen, die immer auf der Bank sitzen, der linkische Metzgermeister Edi oder die schüchterne Christine. Und sie haben nur noch ein Ziel: ihre schöne kleine Stadt zu retten und das erste Geniesserdorf entstehen zu lassen - einen Ort, an dem der echte Geschmack King ist!


"An dem der echte Geschmack King ist!" - wer auch immer diesen Text geschrieben hat, der "King" passt nun wahrlich nicht zu dieser netten Geschichte, die Petra Durst-Benning für einmal komplett in der Gegenwart spielen lässt. Die Autorin ist ja sonst wohlbekannt für ihre spannenden historischen Romane. Nach dem Lesen ihrer Kurzgeschichten-Sammlung "Winterwind" hab ich mir gewünscht, dass sie auch mal ein Buch ganz in der Gegenwart handeln lässt. Und nicht ganz ein Jahr später ging mein Wunsch auch schon mit dem vorliegenden Roman "Kräuter der Provinz" in Erfüllung! 

Träume sind zum Teilen da, so der Grundtenor der Geschichte. Doch zuerst muss ein Traum erst mal her. Therese, Bürgermeisterin und Restaurantbesitzerin, muss wegen ihrer Krankheit in die Klinik. Doch sie möchte nicht, dass jemand davon erfährt. Gleichzeitig hofft sie, dass wieder mehr Leben in ihr Dorf kommt und so spinnt sie sich eine gewagte Idee zusammen. Sie lockt ihre Cousine Greta, eine preisgekrönte Werbefachfrau, unter falschen Versprechungen nach Maierhofen. Diese ist anfangs von dem "Kuhdorf" nicht sehr begeistert, doch nach und nach spürt sie wie ihr das entschleunigte Landleben gut tut. Zusammen mit Therese und deren Freundin Christine gelingt es Greta die Dorfbewohner zur Aktion "Rettet und verschönert Maierhofen" zu bewegen. Anfangs zögerlich, doch dann spriessen die Ideen der Einwohner. Und sie merken: zusammen können wir vieles erreichen. Auch wenn der Weg zum Ziel lang und manchmal entbehrungsreich sein kann. Und nicht von allen verstanden wird.
Viele unterschiedliche Charaktere treten auf: Zum Beispiel Christines Mann, dem es nicht passt, dass seine Frau plötzlich aufblüht und nicht mehr so oft zuhause ist und sich nur um ihn kümmert. Sam, der Koch von Therese's Restaurant, der irgendwas zu verstecken hat. Roswitha, die zu ihren alten senilen Eltern schaut und gleichzeitig alleine den grossen Bauernhof betreibt. Magdalena, die Bäckerin, die seit über 10 Jahren kein Wort mehr mit ihrer Tochter Jessy geredet hat. Jessy, die seit zwei Jahren wieder in Maierhofen wohnt und Kräuterliköre herstellt. Madara, die Sennerin, von der niemand genau weiss, wieso sie sich hier im Dorf niedergelassen hat. Vincent, der schöne Zimmermann. Metzgersohn Edy, der sich erst nach und nach traut sich seinen Eltern gegenüber zu öffnen.
Es ist schön, von all ihnen zu lesen und sie während einem wichtigen Zeitpunkt ihrer Leben zu begleiten. 

Der Roman passt hervorragend in die heutige Zeit, wo überall alles immer schneller, besser, spezieller sein muss. Das Buch soll die Leser ermutigen ihr Leben zu entschleunigen und gleichzeitig seine Träume zu leben. Auch ist es ein Aufruf, die Gaben der Natur wieder mehr zu nutzen. Man spürt, wie wichtig der Autorin dieses Anliegen ist.  

Am Schluss des Buches sind viele Rezepte aufgeschrieben, von denen im Roman die Rede ist. Angeregt dadurch hab ich meine Balkonkräuter Ende Herbst gleich zu einem Kräutersalz verarbeitet. 

Fazit: Eine gemütliche, unterhaltende Geschichte über Träume, Freundschaften, Natur und Landliebe.  
4 Punkte. 

Reihenfolge der Maierhofen-Serie:
1. Band: Kräuter der Provinz 
3. Band: Die Blütensammlerin - erscheint am 20. März 2017 

Samstag, 17. Oktober 2015

Mandeljahre von Katrin Tempel

Klappentext:
Als Katharina die Jugendstilvilla ihrer Familie an der pfälzischen Weinstraße entrümpelt, findet sie Fotoalben und Erinnerungsstücke ihrer Urgroßmutter Marie. Die lebenslustige Ehefrau eines gnadenlosen Großunternehmers erlebte den Aufstieg und Fall einer deutschen Kaffeeröster-Dynastie in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts – und sie verheimlichte ihre wahren Gefühle für den Mann, den sie nicht lieben durfte.





Die schönen Cover von Katrin Tempels Büchern passen jeweils sehr gut zum Titel - und hier, im Gegensatz zu "Holunderliebe" , auch perfekt zum Inhalt.

Die Autorin wurde durch die Verwandtschaft ihres Mannes, die die Quieta-Fabrik gründeten, zum vorliegenden Buch inspiriert. Hier auf SWR gibts einen schönen Bericht zum Buch und zur Kaffeegeschichte in Bad Dürkheim.

In die "Mandeljahre" werden wir in den Zeitraum von 1907 bis 1945 versetzt. Marie von Rabenhorst heiratet Carl, einen Drogisten und lebt fortan in Bad Dürkheim. Beide Seiten profitieren von der Hochzeit, Carl hat eine adlige Ehefrau und Maries Familie kommt dadurch wieder zu Wohlstand. 
Maries vorsichtiger Bruder Otto arbeitet bei Carl in der Drogerie mit. Die beiden Männer entwickeln sie den Getreidekaffee Quieta. Marie würde sich gerne mit einbringen ins Geschäft und auch mit Carl über Politik diskutieren, aber er lässt das nicht zu. Die anfangs naive Marie denkt, dass diese Heirat ihr Lebenssinn sei und es sich ihrem Stand gemäss gehört, den Erstbesten zu heiraten. Erst viel später merkt sie, dass das nicht so sein müsste. Carl lebt auf Kosten von anderen. Er ist besitzergreifend und will immer mehr und immer das Neueste, ohne Rücksicht auf Verluste und stets auf Kosten der Arbeiter. Er liebt wohl nur sich selbst - und seinen Sohn, der ganz nach seinem Vater kommt.  
Wie gut tut es in dieser Situation Marie, als sie den Weinkommissär Jacob Schneider kennenlernt. Er arbeitet für seine Eltern, aber viel lieber ist er in seinem kleinen Haus, umgeben von Mandelbäumen. Marie liebt ihre Spaziergänge, die sie zu ihm führen und mag auch die vielen Gespräche, in denen Jacob Marie von der Welt, der Politik und seinen Gedanken dazu erzählt. Sie fühlt sich erstmals ernstgenommen. Doch schon bald beginnt der Krieg und die Männer müssen an die Front...  

Wahrscheinlich hätte ich mir das Buch nicht gekauft, wenn der Klappentext nur von Marie und der Zeit in der sie liebte - Kriege noch und nöcher - gehandelt hätte. Für mich sind solche Kriegsgeschichten und vor allem die Nazizeit sehr bedrückend und die mag ich nur lesen, wenn die Rahmenhandlung stimmt.
Meist lockert die Rahmenhandlung die tragischen Beschreibungen der Kriegszeiten auf, aber wenn das Buch ausschliesslich in der Kriegszeit spielt und die auch Thema ist, ist das Lesevergnügen ermattend.
Aber ich hatte das Buch ja nun mal und war mittendrin im Lesen und war anfangs noch gespannt, ob man mehr von Katharina lesen wird. Was leider nicht der Fall war. So blieb mir fast nichts anderes übrig als am Ball zu bleiben mit der doch sehr bedrückenden Geschichte. Die Alternative wäre ein Leseabbruch gewesen, aber ich war dann doch gespannt wie sich schlussendlich alles mit der Gegenwart vereinbaren liess. 

Und die Geschichte rund um die Kaffeefabrik Quieta war sehr interessant. Gerade auch zu erfahren, wie man mit der Produktion die Kriegszeiten überstand und wann und wieso die Idee der ersten Wertmarken aufkam. Ebenso wusste ich nicht, weshalb die Weinstrasse "erfunden" wurde und auch nicht, dass die Gegend bekannt ist für seine vielen Mandelbäume. 
Als Leser bekommt man viel Wissenswertes mit, das hat mir sehr gut gefallen. Der Roman ist sehr stimmig und spannend. Gerade in Kriegszeiten weiss man  ja nie, wer den Krieg überlebt und wer nicht. Oft litt ich mit Marie mit, wenn Carl oder Max mal wieder ausflippten oder als Marie jemanden im Keller verstecken musste und Gefahr lief entdeckt zu werden. Auch Maries stetige Angst, dass das Geheimnis ihrer Zwillingsmädchen aufflog, war ansteckend. Aber ich genoss es auch, wenn es Marie im Mandelbaum-Garten gut ging und sie die Mandelblüte genoss. 

"Holunderliebe" von derselben Autorin hat mir dennoch besser gefallen, was die Verbindung der Gegenwarts- mit der Vergangenheitsgeschichte betrifft. Denn hier in "Mandeljahre" ist die extrem kurze Gegenwartsgeschichte nur ein Auftakt und Schlusspunkt der Vergangenheitsgeschichte. Katharina, von der im Klappentext die Rede ist, ist nur "Prolog und Epilog", man kann nicht mal von Rahmenhandlung reden. Sie findet beim Räumen der Villa Fotos und wie man ganz am Schluss des Buches erfährt, rekonstruiert sie daraus die Familiengeschichte. Für mich hätte es diese Umrandung mit Katharina nicht gebraucht - sie hat mich sogar gestört, denn ich rechnete aufgrund der Buchbeschreibung zumindest mit einer vollständigen Gegenwartsgeschichte, und somit mit einer sich am Schluss verbindenden Geschichte.

Fazit: Eine gut geschriebene und sehr stimmige Geschichte, die über einen Zeitraum von über 30 Jahre Marie und ihre Kaffeefabrik in Bad Dürkheim begleitet.
Einen halben Punkt Abzug für das "falsche Anpreisen" auf dem Klappentext ergeben 3.5 Punkte.

Freitag, 16. Oktober 2015

Wie ein Sommertag von Veronica Henry

Klappentext:
Claire und Luca haben sich einen Traum erfüllt: Gemeinsam führen sie ein charmantes Hafenhotel in Cornwall. Als ein langes sonniges Wochenende bevorsteht, ahnt Claire noch nicht, dass es ihr ganzes Leben verändern wird. Denn nicht nur die Urlauber bringen ihre Geheimnisse und Sehnsüchte mit. Auch für Claire nimmt dieser Sommer mit der Ankunft eines völlig unerwarteten Gastes eine schicksalhafte Wendung … 






Nachdem mir Veronica Henrys "Nachts nach Venedig" so gut gefallen hat, wollte ich noch mehr von ihr lesen. So griff ich zu "Wie ein Sommertag" und war gespannt, ob mich mein zweites Buch von ihr auch überzeugen kann. Und ob! Denn hinter diesem Cover steckt eine gefühlsvolle Geschichte, bzw. sind es mehrere kleine; verbunden mit einer Hauptgeschichte. Wie auch in "Nachts nach Venedig" teilen sich verschiedene Paare die Aufmerksamkeit des Lesers. 

Claire und Luca sind die Besitzer eines Hafenhotel in Cornwall. Sie sind mehr Geschäftspartner als ein Liebespaar. Luca steigt anderen Frauen nach, Claire weiss aber von nichts. Luca flirtet sogar mit ihrer Rezeptionistin Angelica, die total in ihn verliebt ist, dies aber geheim hält. Luca weiss es, und nutzt es schamlos aus.
Dennoch ist Luca eifersüchtig als ein Schulfreund von Claire übers Weekend mit seinen Freunden in ihr Hotel kommt. Seine Freunde haben hier gebucht um Nicks Polterabend an der Küste zu verbringen. Was Luca nicht weiss, ist, dass Nick einmal Claires grosse und einzige wirkliche Liebe war/ist.
Ein tragisches Ereignis brachte das ehemalige Paar auseinander und Claire verschwand daraufhin spurlos aus ihrer Heimatstadt. Claire und Nick sind nun beide total überrascht sich gegenüberzustehen und kämpfen mit ihren Gefühlen. Doch das Hafenhotel ist ausgebucht und Nick hat viel Programm und so haben beide nicht so viel Zeit sich mit ihren Gefühlen zu beschäftigen, sie müssen beide "funktionieren". 
Dass das Hotel voll belegt ist, liegt auch an weiteren Paaren, die das Wochenende in Claires Hotel verbringen: 
- Die junge Laura sucht nach ihren unbekannten Vater. Ihre Recherche ergab, dass er hier vor Ort wohnen soll. Lauras Freund Dan begleitet und unterstützt sie bei der für sie so wichtigen Reise nach Cornwall.
- Colin, ein Fabrikant, verbringt jedes Jahr ein Wochenende mit seiner ehemaligen Geliebten und der gemeinsamen Tochter. Seine Familie wähnt ihn an einem Kongress, dabei teilt er sich eine Suite mit seiner "anderen" Familie. Seine  Ex-Geliebte beginnt aber zu zicken, da ihr hier zu wenig los ist und sie sowieso keine Lust mehr auf ihr Kind hat. 
- Trevor und Monique wollen an diesem Wochenende zusammen mit Luca und Claire ihre Pläne für ein neues gemeinsames Hotel in London besprechen. Trevor liebt Monique über alles und denkt, dass das neue Hotel Monique aus ihren Depressionen reissen könnte. Hinter ihrer Krankheit steckt eine tragische Geschichte, die bisher niemand kannte.  

Es sind tragische und unerwartete Begegnungen und Gespräche die in diesem Roman Thema sind. Wieder einmal schafft es die Autorin, all die Schicksale auf eine schöne Art miteinander zu verbinden, ohne das es kitschig wird. 
Schade am Buch fand ich lediglich zwei Dinge: 
a) dass die Verantwortlichen nicht den Originaltitel "The Long Weekend" übernommen habe. "Ein langes Wochenende" passt nämlich perfekt zum Buch und sagt auch etwas zum Zeitraum, in dem die Haupthandlung spielt.
b) dass es kein Nachfolgebuch gibt - da sich alle diese Beziehungsgeschichten im Hotel abspielen, fühlt man sich mit den vorgestellten Menschen freundschaftlich verbunden. Wie schon bei "Nachts nach Venedig" würde ich gerne erfahren, wie es all diesen wundervoll gezeichneten Charakteren in der Zwischenzeit ergangen ist. 

Fazit: Schön wars! Und viel zu schnell war das tolle Buch ausgelesen. Ich war so gefangen von der wundervollen Geschichte, dass ich den Roman in wenigen Stunden durch gelesen habe - "The Long Weekend" bezieht sich also nur auf die Zeitdauer im Roman, nicht auf die Lesezeit :-) 4.5 Punkte. 

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Krimi: Apulien-Krimis von Kristen Wulf

Autorin Kirsten Wulf lebte einige Jahre in Lecce, und begann dort mit dem Aufschreiben ihrer Ideen für den ersten Apulienkrimi "Aller Anfang ist Apulien". Aber erst als sie nach Genua umzog, hat sie das Buch geschrieben. Mittlerweile folgten noch zwei weitere.

Hauptperson ist die Hamburger Foto-Journalistin Elena. Sie findet heraus, dass ihr Mann sie betrügt und packt daraufhin ihre Koffer. Zusammen mit ihrem Sohn Ben fährt sie zu ihrem schwulen Onkel Gigi nach Lecce in Süditalien. Sein Partner Ettore lebt in Genua und ist nur selten zu Besuch. Der Antiquitätenhändler Gigi hat das bekannte Problem einiger Männer in fortgeschrittenem Alter: sie erzählen gerne und übertreiben dabei ein klitzekleines Bisschen. So stellt sich sein Palazzo als noch nicht fertig renoviert heraus und Elena muss sich selber helfen, wenn sie ihr Zimmer bezugsfertig haben will. Ben geniesst es bei Gigi und wird von allen verwöhnt. Tante Benedetta, eine strenge katholische Ordensschwester, nimmt Ben an ihrer Schule auf. 
Elena lernt in Band 1 den Römer Maler Michele kennen, der nach dem Tod seiner Mutter seinen unbekannten Vater kennen lernen will und etwa gleichzeitig mit Elena in Lecce auftaucht und dort als Kellner Arbeit findet. Auch er wohnt vorübergehende bei Gigi. Alsbald macht Elena Bekanntschaft mit Commissario Pantaleo Cozzoli, ein römischer Mafiakommissar, der sich nach Lecce versetzen liess um ein wenig Ruhe zu haben.  Auch Elenas Freundin Elisabetta hilft immer mal wieder mit, sei es mit einem offenen Ohr oder ihren Beziehungen, die in Italien nach wie vor wichtig sind. 

Zuerst habe ich "Tanz der Tarantel" gelesen, weil mir Titel und Cover aufgefallen sind. Und Lecce war auch ein Grund, das Buch zu lesen
Ich war als Kind zwar etwa 3x in Brindisi, und sah den Wegweiser nach Lecce. Aber: zu meinen Schulzeiten gabs im Nebendorf einige, ähm, hübsche Jungs. Einer davon war aus Lecce und war stolz darauf. Mit denen traf ich mich ab und zu, deshalb muss ich jedesmal an die Jungs denken, wenn ich Lecce höre :-)  
Da wusste ich noch nicht, dass das Buch Teil einer Serie ist. Ich hatte einige Mühe um ins Buch reinzukommen, da es aus sehr vielen Rückblicken besteht. Trotzdem fand ich den Krimi interessant und las danach die ersten beiden Bände. Nun hat sich einiges geklärt - zum Beispiel wer der ominöse Michele ist, der in Band 2 nicht vor Ort ist und weswegen Elena bereits Bekanntschaft mit dem Commissario gemacht hat. 
Auch die Themen sind spannend. So geht es im ersten Band um illegale Einwanderung und Prostitution, im dritten Band um Mord an einen Weinkritiker und an einem Touristenführer, und im zweiten Band um den Mord an einem bekannten Pizzica-Musiker. In jedem der drei Bände spielt auch die Gegend eine wichtige Rolle. 

Vielleicht werden einige Leser gestört von den enthaltenen italienischen Wörtern (die aber hinten in den Büchern alle erklärt werden), weil sie sie nicht verstehen. Wir Schweizer haben da einen kleinen Vorteil, denn wir sind italienische und französische Sprachfetzen gewöhnt und deshalb verstand ich trotz nur rudimentären italienischen Sprachkenntnisse doch alle Einschübe. Klar ginge es auch ohne, aber mit hat die Serie eindeutig mehr Flair. 

Ermittlungstechnisch sind die Kriminalromane interessant, weil viel mehr hinter den Morden steckt als man anfänglich annimmt. Nur schwerlich und oft nur zufällig kommen die "Ermittler" einigen Geheimnissen und jahrelangem Vertuschen gewisser Vorkommnisse auf die Spur. Oft nehmen die Ermittlungen gegen Schluss neue Aspekte auf, die dem Ganzen eine ganz neue Richtung geben. 
Gut gefallen tun mir die unterschiedlichen Charaktere, die in den Büchern vorkommen. Seien es die bereits oben vorgestellten Hauptprotagonisten oder einige nur in einzelnen Büchern vorkommenden Personen: italienische Patriarchen fehlen ebenso wenig wie "la Mama"-Figuren und ihre wie auch immer gearteten Sprösslinge. Extreme Gegensätze innerhalb einer Familie sind auch zu finden und somit wird die Lektüre nie langweilig.  

Fazit: Sehr unterhaltsame Kriminalfälle mit Italianita, in denen der Humor nicht zu kurz kommt. Mi piace :-) 4 Punkte. 


Band 1:
Eine einzige Postkarte kann alles verändern. Als sie an ihrem Geburtstag durch Zufall erfährt, dass ihr Mann sie betrügt, ist Elena erst mal weg: Sie packt ihre Koffer und ihren kleinen Sohn und fährt nach Süditalien, ins Land ihrer Kindheit. Im apullischen Lecce quartiert sie sich im Palazzo ihres Onkels Gigi ein. Dort lernt sie Michele kennen, einen jungen Maler aus Rom, der ebenfalls neu in der kleinen Stadt ist - und seiner Familiengeschichte auf der Spur. Auf einem nächtlichen Spaziergang machen die beiden eine Entdeckung, die das Leben in der kleinen Stadt auf den Kopf zu stellen droht - und die mehr mit ihnen zu tun hat, als sie ahnen. Eine brisante Affäre, ein lang gehütetes Familiengeheimnis und eine ungewöhnliche Liebesgeschichte - der Roman einer grossen Entscheidung unter dem azurblauen Himmels Süditaliens. 


Band 2: 
Am frühen Morgen des dritten Tages des Festes zu Ehren von Santu Paulu, dem Schutzheiligen der kleinen Stadt Galatina in Apulien, liegt eine Leiche in der Kapelle des Heiligen: Nicolà Capone, der erfolgreichste junge Pizzica-Musiker aus dem Salento, der zwei Tage zuvor noch einen umjubelten Auftritt hatte. Der brummige Commissario Cozzoli, der gerade in Mailand in einem Antimafiaprozess aussagt, kommt Hals über Kopf zurück und trifft auf Elena Eschenburg. Die Hamburger Journalistin, die sich gerade in Apulien niedergelassen hat, um ein neues Leben zu beginnen, hat den Musiker in den Tagen zuvor für eine Reportage begleitet. Gemeinsam beginnen sie zu ermitteln; die Nachforschungen führen sie in malerische Städte und in uralte Steindörfer, zu Nicolàs Familie und zu seinen Verehrerinnen. Sie stossen auf Schweigen und stellen fest, dass in Apulien manche Geschichten nur die Musik erzählen kann.

 Band 3: 
So anregend, sinnlich und spannend wie die neuen Weine Apulliens - perfekte Sommerlektüre! Commissario Cozzoli bracht Entspannung. Findet zumindest sein bester Freund Gigi und lädt ihn zu einem Weinseminar ein. Höhepunkt ist der letzte Abend auf dem Gut einer jungen Winzerin, deren Weine zu den "stillen Stars des Salento" zählen, die seit Kurzem international rasant an Renommee gewinnen. Ausgerechnet ein französischer Sommelier darf als Gastreferent sein aufgeblasenes Urteil abgeben - am nächsten Morgen liegt seine Leiche im Weinkeller. Ein Fall, der sich für Commissario Cozzoli kompliziert entwickelt, denn ausgerechnet Gigi zählt zu den Verdächtigen. Da kann sich seine Nichte, die Hamburger Journalistin Elena Eschenburg, nicht aus den Ermittlungen heraushalten. Die Spuren führen das ungewöhnliche Ermittlerteam in das Geschäft mit europäischem Wein, in die noble Familie der Gastgeberin und in die jüngere, fast schon vergessene Geschichte Süditaliens, die noch immer ihre Schatten wirft.


Leseparty fbm15

LesepartyFBM15


Wie am Montag angekündigt, wurde als Alternativprogramm zur Frankfurter Buchmesse für alle Daheimgebliebenen die "Leseparty fbm15" gestartet - heute um 10:00 Uhr ging es auf vielen Bücherblogs und auf der Veranstaltungseite bei Facebook los. Initiatorin ist Jess vom primeballerina-Blog
Einige Blogger berichten direkt von der Buchmesse, die anderen lesen oder bloggen was das Zeug hält; bis Sonntagabend um 20:00 Uhr.

Bei mir werdet ihr nun bis Sonntag auf dem Blog jeden Tag eine Rezension lesen können und auf meiner Blog-Facebookseite gibts immer wieder mal Links zu allem Möglichen, was mit Büchern zu tun hat. 

Seid ihr mit dabei?




Dienstag, 13. Oktober 2015

Krimi: Laura Gottberg-Serie von Felicitas Mayall

Die Journalistin Barbara Veit widmet sich mittlerweile ganz dem Schreiben. Unter dem Pseudonym Felicitas Mayall veröffentlicht sie Kriminalromane. Sie lebt abwechselnd in Australien und in der Nähe von München. 
Ich kann mir vorstellen, dass sie auch noch oft in der Toskana unterwegs ist um die Schauplätze ihrer Geschichten zu recherchieren. 

Über Band 1, "Nacht der Stachelschweine" hab ich im Frühling schon berichtet. Mittlerweile hab ich die ganze Serie gelesen, die bisher aus neun Büchern besteht. 

Im Mittelpunkt stehen zwei Kommissare: Laura Gottberg in München und Angelo Guerrini in Siena. Die beiden lernen sich kennen, als Laura nach Italien geschickt wird, um bei einem Mordfall an einer deutschen Urlauberin zu ermitteln. 
Laura ist Mitte Vierzig, geschieden vom Journalisten Ronald und hat zwei Kinder im Teeniealter, Sophia und Luca. Die Kinder werden je länger je selbstständiger und damit hat Laura zu kämpfen. Sie ist einerseits froh, dass sie dadurch wieder mehr Freiheit bekommt, andererseits fällt ihr die Abnabelung ihrer Kinder, wie wohl jeder Mutter, schon schwer. Laura kümmert sich auch um ihren Vater Emilio, der seit dem Tod ihrer Mutter alleine wohnt und sich manchmal schwer tut. Doch auch er wird selbstständiger, besonders nachdem er Fernando kennenlernt.
Fernando ist der Vater von Commissario Angelo Guerrini. Auch Fernando lebt alleine, ist aber im Gegensatz zu Emilio ein begnadeter Koch. Doch auch Angelo hat so seine Probleme mit seinem Vater. Die Familienverhältnisse von Laura und Angelo sind immer wieder Thema und beide sind froh, miteinander darüber reden zu können. 
Lauras Mutter war Italienerin, und somit ist Laura wohl die einzigste Kriminalkommissarin in München, die italienisch spricht. So scheint es zumindest. Laura arbeitet zusammen mit Peter Baumann, der sich anfänglich Hoffnung auf Laura macht. Doch bald sieht er, dass er gegen Angelo null Chancen hat - und Laura würde auch gar nichts mit ihm wollen. Baumann ist ein launischer, unsicherer und oft neidischer Tschooli (= Naivling). Aber ein guter Polizist. 
Unterstützt werden Peter und Laura von der alleinerziehenden und herzensguten Sekretärin Claudia, die oft unter den Launen ihres gemeinsamen Chefs Becker leidet (der nur allzu selten seine guten, menschlichen 5 Minuten hat), und vieles vor den beiden Kommissaren abfedern kann. 
In der Toskana arbeitet Angelo, der wegen eines mafiösen Unternehmers von Florenz nach Siena versetzt wird, zusammen mit Tomassini, der Angelo aus Respekt immer siezt, sich aber gerne per Du ansprechen lässt. D'Annunzio ist neu am Empfang und passt auch bald gut zur Truppe. 
Angelo isst oft bei Tomassinis Bruder im Restaurant Aglio e Oglio, auch der Gerichtsmediziner und Laura fühlen sich wohl dort. 

Entweder wird in München oder aber an verschiedenen Orten rund um Siena ermittelt. Laura fährt nach Italien oder Angelo kommt nach München; je nach Fall kann dies beruflich oder auch aus privaten Gründen sein. 
Die Bandbreite der Mordfälle-Thematik ist gross - mal wird aus privaten Gründen gemordet, mal ist Rache der Grund, dann steckt die Mafia oder andere korrupte Banker oder Unternehmer dahinter. In den letzten zwei, drei Büchern nimmt die Mafia-Thematik für mich fast zu viel Platz ein. Deshalb hoffe ich sehr, dass in Band 10 wieder einmal ein Mord aus privaten und niederen Beweggründen passiert. 

Es empfiehlt sich die Serie der Reihe nach zu lesen, denn einiges spannt sich über mehrere Bücher hinweg. So z.B. Band 4 und 5. 

Die Fälle sind unterhaltend und bis auf Band 9 auch spannend. Die Autorin schildert glaubhaft die Verbindungen zwischen Deutschland und Italien. Manchmal fragt man sich zwar schon, ob Laura die einzige italienisch-sprechende deutsche Kommissarin ist, aber für die Serie braucht es sie und wenn man damit klarkommt, ist auch das Lesevergnügen da. 
Anfangs der Serie habe ich auch die Fernbeziehung samt ihrer Krisen glaubhaft gefunden. Doch so langsam sollten sich Laura und Angelo auf irgend einen gemeinsamen Nenner ihrer Beziehung festlegen. Sie lieben sich, das wissen sie mittlerweile. Gut so. Eine Fernbeziehung zu führen ist auch okay. Aber mich würde es nerven, wenn nun weiterhin in jedem Buch von einer Beziehungskrise zu lesen wäre. Lieber ein wenig mehr detailliertere Polizeiarbeit einfügen und alles ist wieder gut :-)
Band 9 ist, wie schon erwähnt, nicht so spannend wie seine Vorgänger. Dafür zeichnet hier Frau Mayall eine fast komplette Psychoanalyse von Sergio, einem der Protagonisten. Das ist zwar interessant zu lesen, aber der "Krimi an sich" geht darin unter. 
Was mir sehr gut an der Serie gefällt, sind einerseits die Disputationen der Hauptprotagonisten mit ihren Vätern - oft musste ich schmunzeln! Andererseits gefallen mir die Hierarchien-Beschreibungen der Polizeistellen. In Italien gockeln die Polizisten und Möchtegernchefs umher, an ihrer Seite kauzige Polizeiaspiranten, während hingegen in München oft laut gemault wird und zumindest nach aussen vieles besser organisiert aussieht. 
Auch gutes Essen fehlt in der Serie nicht. Besonders natürlich in Italien, obwohl mir da zu oft Kaninchen gegessen wird.
Ich bin gespannt, ob und wie die Serie weiter geht. 

Fazit: Unbeschwerliche, spannende Lesestunden stehen einem mit der Lektüre der Laura-Gottberg-Serie bevor. 4 Punkte. 


 

Montag, 12. Oktober 2015

Montagsfrage 12.10.2015


Welche/s Reihe/Buch hast du zuletzt abbrechen müssen und warum? 


Reihe:
Das war Elizabeth George, Band 8 "Im Angesicht des Feindes" - Bis Band 6 überzeugte mich die Reihe und schon Band 7 war nicht mehr so gut und spannend. Der "Kriminalfall" musste für  kapitelweise "Psychoanalysen" zurücktreten und somit machte mir das Lesen keinen Spass mehr. 
Vielleicht gebe ich der Reihe mal wieder eine Chance, aber ich hab noch ganz viele weitere Krimis, die ich momentan bevorzuge - in denen es noch um die Ermittlungsarbeit und nicht um psychologische Analysen geht. 

Buch:
Erst kürzlich, "Ein Jahr auf dem Land" von Anna Quindlen. Laut Klappentext ging ich von einer Geschichte einer Stadtfrau aus, die aufs Land zieht und sich dort zurecht finden muss. Ich stellte mir eine gemütliche Geschichte vor. Doch hier gings - zumindest bis zu dem Punkt an dem ich aufging - um ihre Vergangenheitsbewältigung, und nicht um das "Landleben". Muss nicht sein. Da gebe ich lieber Bücher eine Chance, die es verdienen ausgelesen zu werden!


Leseparty - teilt mit uns 4 Tage lang die Bücherliebe! 
Ende Woche findet die Frankfurter Buchmesse statt - für alle "Daheimgebliebenen" organisiert Jess vom Blog primeballerina eine Leseparty. Alle teilnehmenden Blogs schreiben von Donnerstag 10:00 Uhr bis Sonntagbend um 20:00 Uhr häufiger als sonst - auf Facebook findet ihr alle Beiträge.
Bei mir werdet ihr jeden Tag einen Post finden: wie auf einer richtigen Messe ein Mix aus altbekannten Autoren und bisher noch unbekannten Autoren, die ihre Erstlingswerke präsentieren. Damit Messestimmung aufkommt, dürft ihr auch gerne viel kommentieren - ins Gespräch kommen sozusagen :-)

Auch auf meiner FB-Blogseite werdet ihr noch zusätzliche Artikel lesen können - klickt doch rein !

Sonntag, 11. Oktober 2015

Ein zauberhafter Sommer von Corina Bomann

Klappentext:
Die 23-jährige Wiebke muss nach einem quälend langen Winter, einer verhauenen Prüfung und einem zähen Beziehungskampf einfach mal raus. Die Urlaubskasse gibt nicht viel her, und ihre beste Freundin macht Pärchenurlaub, doch Wiebke hat eine wunderbare Alternative: Sie besucht ihre Tante Larissa an der Müritz. 
Larissa ist genau so, wie Wiebke gern wäre: unabhängig, stark, eine Lebenskünstlerin. Doch Wiebke merkt, dass auch Larissa ihre Zweifel, Schwächen und Sehnsüchte hat. Ihre Gespräche helfen ihnen, die eigenen Wünsche ans Leben klarer zu sehen. Als die Liebe bei beiden einschlägt, wird ihre sommerliche Schicksalsgemeinschaft zu einer emotionalen Achterbahnfahrt.


Von Corina Bomann hab ich bereits "Mondscheingarten" und "Die Weihnachtsreise" gelesen; und ich dachte, da wäre noch ein anders, aber anscheinend doch nicht. Weitere Romane von ihr liegen noch auf meinem SUB. In den Ferien hab ich "Ein zauberhafter Sommer" gelesen, weil ich dachte es passe zum Sommerfeeling. 

Doch es trügt. Wiebke reist spontan und ohne Vorankündigung zu ihrer Tante in ein Dorf nach Mecklenburg-Vorpommern. Schon an der Bushaltestelle trifft Wiebke auf einen komischen Kauz, der über sie schimpft. Auch ihre Tante Larissa ist über ihren unerwarteten Besuch nicht so begeistert. Der Streit zwischen Larissa und Wiebkes Mutter steht im Raum. Doch die beiden Frauen gewöhnen sich aneinander und beginnen sich zu öffnen. Neben dem Tagesablauf, der vor allem aus dem Füttern der Tiere besteht, haben sie genug Zeit für Gespräche. Larissa lernt nebenher ihren neuen Nachbarn, einen bekannten Maler kennen, und Wiebke verbringt, zuerst ungewollt, viel Zeit mit dem komischen Kauz von der Bushaltestelle. Und dann kommt bei beiden Frauen Amor auf Besuch... 

"Ein zauberhafter Sommer" ist ein netter Sommerroman, der mir aber zu "flach" erscheint und einige mich störende Dinge beinhaltet. 
Das erste störende ist die finanzielle Situation: Wiebke reist aus heiterem Himmel zu ihrer Tante, zu der sie seit zwölf Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Ohne Ankündigung. Ohne Geld. Larissa nimmt Wiebke unter der Bedingung auf, dass sie mithelfen muss. Aber heutzutage finde ich das zu einfach, es müsste doch auch geklärt sein, wer fürs Einkaufen etc. Geld ausgibt. Das hat mich erheblich gestört, und ist im realen Leben nicht umsetzbar. Nicht mal meine Mutter würde mich, ohne die finanzielle Seite zu besprechen, aufnehmen. Besonders da es Larissa finanziell auch nicht so rosig geht, müssten meiner Meinung nach im Buch mindestens zwei, drei Sätze über ihre gemeinsame und eben finanzielle Wohnungsituation vorkommen.
Der zweite Störenfried ist der eine Schlenker in der Liebesgeschichte. Die ist zwar einfach gestrickt und für einmal eine Abwechslung zu komplizierteren Geschichten, doch die Autorin konnte dann doch nicht drauf verzichten, kurz vor Schluss doch noch diesen verhängnisvollen Schlenker einzubauen, ohne den in so vielen Büchen kein Autor auskommen will. Ich habs befürchtet und ihn kommen sehen: Larissa sieht Max mit einer anderen Frau und statt beide direkt ansprechen und sich so erhebliche Emotionsachterbahnen zu ersparen, macht sie kehrt und igelt sich ein. Da vorher alles so glatt läuft zwischen beiden, störte mich dieser Schlenker umso mehr. 

Interessant fand ich aber Larissas Arbeit - bemalen von Hochzeitsschuhen. Darüber hätte ich gerne mehr gelesen. Oder auch über ein gemeinsames Kunstwerk von Larissa mit Max - vielleicht Hochzeitsschuhe integriert in ein Bild von ihm?

Das Buch konnte mich leider nicht wirklich überzeugen. Liegt es daran, dass "Der Mondscheingarten" so wunderbar speziell ist und dieses hier im Gegenzug fast zu langweilig wirkt?
Fazit: Nette, aber farblose Geschichte um Aussteiger, Liebe und Lebenszielsuche. Haut mich nicht von den Socken.  3.5 Punkte.