Sonntag, 13. Dezember 2015

Jahrhundertwind-Trilogie Teil 3: Bella Clara von Petra Durst-Benning


Klappentext: 
1906: Clara Gropius kann die Herrschsucht ihres Mannes nicht mehr ertragen und lässt sich scheiden. Sie verliert alles, vor allem das Sorgerecht für ihre Kinder. Mittellos versucht sie, an ihre Ausbildung in der Apotheke ihrer Eltern anzuknüpfen. Doch als geschiedene Frau ist sie ein Skandal. Niemand will sie einstellen, sie wird wie eine Ausgestossene behandelt. Nur ihre Freundinnen Josephine und Isabelle stehen wir bei. Und tapfer hält Clara an ihren Träumen fest, sie zieht an den Bodensee und baut sich dort ein neues Leben auf. Mit einer selbstgemachten Creme beginnt es, ihre Schönheitsrezepte finden grossen Anklang, schliesslich revolutioniert Claras Naturkosmetik die Gewohnheiten ihrer Kundinnen. Aber zu keinem Zeitpunkt trösten Erfolg, Ruhm und die Aufmerksamkeit der Männer sie über den grossen Verlust in ihrem Leben hinweg. Clara sehnt sich nach ihren Kindern. 

Dieser dritte Teil der Jahrhundertwind-Trilogie erschien bereits im März 2015. Obwohl ich nach Beenden des zweiten Teils "Die Champagnerkönigin" kaum erwarten konnte Band 3 zu lesen, lag er nach Erscheinen nun fast neun Monate bei mir auf dem SUB. Als ob ich etwas geahnt hätte...

Wer die ersten beiden Teile (zu Teil 1 "Solang die Welt noch schläft" hier entlang) gelesen hat, weiss, dass Clara unter ihrem Ehemann litt. Nun hält sie es nicht mehr aus und lässt sich unter einem Vorwand scheiden. Ob der so wirklich nötig war oder sie einfach einen schlechten Anwalt hatte - wer weiss. Jedenfalls entscheidet der Richter zu ihren Ungunsten und auch das Wenige, das ihr noch zusteht, bekommt sie nicht - Gerhard Gropius weiss es zu verhindern. Auch hier hätte ich mehr von Claras Anwalt erhofft. Nun muss sich Clara ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und weil sie in Berlin keine Chance auf eine Arbeitsstelle hat, zieht sie nach Meersburg an den Bodensee und kann im Hotel von Lilo, Josefines Freundin, mitarbeiten. Claras Herz schlägt für die Kosmetikherstellung und so hat sie schon bald, eigentlich ganz modern, zwei Arbeitstellen: im Hotel und als Mithilfe bei einem Apotheker. Bald bekommt sie die Chance sich selbstständig zu machen, denn ihre Cremes verkaufen sich sehr gut. Clara hat viele Ideen, die sie gerne umsetzen möchte - mit Hilfe ihrer neu gewonnenen Freude erschafft sie sich viel und die Ideen gehen ihr trotzdem nicht aus. Doch leider gerät sie bald an einen schlechten Freund und der scheint alles zu zerstören.

Der Roman beginnt gut und so, dass ich ihn kaum weglegen mochte. Doch dann tauchen plötzlich Personen auf, bei denen man schon beim ersten Lesen spürt, dass die sehr negativ behaftet sind und früher oder später einige Schwierigkeiten in Claras Leben anrichten werden. Ja, und genau von diesem Augenblick an hatte ich keine Lust mehr weiterzulesen. 
Ausgelesen hab ich dennoch, aber die Lust am Buch war mir vergangen. Wenn Clara irgendwann einen gewissen Stefano kennengelernt hätte und seine Geschichte in Rückblicken eingestreut gewesen wäre, wäre der Roman für mich weitaus spannender gewesen. Mir wurde viel zu viel vorweggenommen, auch wenn ich zuerst noch nicht ganz wusste, wie es umgesetzt wird und sobald ich es wusste, dachte ich nur noch "Mensch Clara, wach auf!". Nicht mal die Bedenken ihrer Freundinnen Isabelle und Josefine hat sie ernst genommen. Sofern war Clara leider nicht nur sehr innovativ sondern doch auch ein grosses Stück naiv, was ich ihr mit ihrer neuen Selbstständigkeit nicht mehr zutraute. Ihr späteres Durchgreifen war mir zuwenig. Auch schien mir die Zukunft ihres  Ex-Ehemannes Gerhard Gropius nicht sehr glaubhaft. 

Schade um das "Vorwegnehmen", denn der Schreibstil ist wie immer bei Petra Durst-Benning sehr gut und auch ihre Themenwahl in diesem Band - der Umgang mit neuen Errungenschaften wie Autos, Telefone, Fotoapparate und natürlich auch die Kosmetik, und allgemein die langsam auftauchende Mündigkeit der Frauen dazumals - ist hervorragend und stimmig umgesetzt. 
Der Autorin gelingt es auch in diesem Band, dass der Leser den Jahrhundertwind deutlich spürt. Vor allem die Kosmetik-Thematik von "Bella Clara" fand ich als "Selberrührerin" und Seifensiederin interessant. Der Schauplatz wurde lebensnah dargestellt und macht Lust auf einen Ausflug nach Meersburg. Eigentlich ein schöner Roman, wäre da nur nicht die verhängnisvolle Geschichte gewesen... 

Fazit: Alles in allem gesehen eine fantastische Trilogie, doch "Bella Clara" ist darin der schwächste Teil. Weil für mich nach circa einem Drittel schon zuviel vorweggenommen wurde und meine Leselust deutlich schwand gibt es von mir für Band 3 nur 3.5 Punkte. 

Trilogie-Fazit: Vieles was heute so selbstverständlich für uns ist, war vor rund 115 Jahren noch verboten oder gab es noch gar nicht. Die vollständige Jahrhundert-Trilogie ist deshalb ein toller dreiteiliger "Zeitzeugen"-Roman. Für alle, die sich für das Leben der Frauen und den Fortschritt rund um die Jahrhundertwende interessieren, und dies in einer unterhaltenden Romanform geniessen wollen, seien die drei Bücher absolut empfohlen. 

Keine Kommentare: