Sonntag, 18. Oktober 2015

Kräuter der Provinz von Petra Durst-Benning

Klappentext:
Bürgermeisterin Therese liebt ihre schwäbische Heimat - Wiesen mit sattgelbem Löwenzahn, ein paar sanft geschwungene Hügel und mittendrin Maierhofen. Doch die jungen Leute ziehen weg, und der Dorfplatz wird immer leerer. Als Therese krank wird und das Dorf kurz vor dem Aus steht, raufen sich alle Bewohner zusammen - seien es die drei Greisen, die immer auf der Bank sitzen, der linkische Metzgermeister Edi oder die schüchterne Christine. Und sie haben nur noch ein Ziel: ihre schöne kleine Stadt zu retten und das erste Geniesserdorf entstehen zu lassen - einen Ort, an dem der echte Geschmack King ist!


"An dem der echte Geschmack King ist!" - wer auch immer diesen Text geschrieben hat, der "King" passt nun wahrlich nicht zu dieser netten Geschichte, die Petra Durst-Benning für einmal komplett in der Gegenwart spielen lässt. Die Autorin ist ja sonst wohlbekannt für ihre spannenden historischen Romane. Nach dem Lesen ihrer Kurzgeschichten-Sammlung "Winterwind" hab ich mir gewünscht, dass sie auch mal ein Buch ganz in der Gegenwart handeln lässt. Und nicht ganz ein Jahr später ging mein Wunsch auch schon mit dem vorliegenden Roman "Kräuter der Provinz" in Erfüllung! 

Träume sind zum Teilen da, so der Grundtenor der Geschichte. Doch zuerst muss ein Traum erst mal her. Therese, Bürgermeisterin und Restaurantbesitzerin, muss wegen ihrer Krankheit in die Klinik. Doch sie möchte nicht, dass jemand davon erfährt. Gleichzeitig hofft sie, dass wieder mehr Leben in ihr Dorf kommt und so spinnt sie sich eine gewagte Idee zusammen. Sie lockt ihre Cousine Greta, eine preisgekrönte Werbefachfrau, unter falschen Versprechungen nach Maierhofen. Diese ist anfangs von dem "Kuhdorf" nicht sehr begeistert, doch nach und nach spürt sie wie ihr das entschleunigte Landleben gut tut. Zusammen mit Therese und deren Freundin Christine gelingt es Greta die Dorfbewohner zur Aktion "Rettet und verschönert Maierhofen" zu bewegen. Anfangs zögerlich, doch dann spriessen die Ideen der Einwohner. Und sie merken: zusammen können wir vieles erreichen. Auch wenn der Weg zum Ziel lang und manchmal entbehrungsreich sein kann. Und nicht von allen verstanden wird.
Viele unterschiedliche Charaktere treten auf: Zum Beispiel Christines Mann, dem es nicht passt, dass seine Frau plötzlich aufblüht und nicht mehr so oft zuhause ist und sich nur um ihn kümmert. Sam, der Koch von Therese's Restaurant, der irgendwas zu verstecken hat. Roswitha, die zu ihren alten senilen Eltern schaut und gleichzeitig alleine den grossen Bauernhof betreibt. Magdalena, die Bäckerin, die seit über 10 Jahren kein Wort mehr mit ihrer Tochter Jessy geredet hat. Jessy, die seit zwei Jahren wieder in Maierhofen wohnt und Kräuterliköre herstellt. Madara, die Sennerin, von der niemand genau weiss, wieso sie sich hier im Dorf niedergelassen hat. Vincent, der schöne Zimmermann. Metzgersohn Edy, der sich erst nach und nach traut sich seinen Eltern gegenüber zu öffnen.
Es ist schön, von all ihnen zu lesen und sie während einem wichtigen Zeitpunkt ihrer Leben zu begleiten. 

Der Roman passt hervorragend in die heutige Zeit, wo überall alles immer schneller, besser, spezieller sein muss. Das Buch soll die Leser ermutigen ihr Leben zu entschleunigen und gleichzeitig seine Träume zu leben. Auch ist es ein Aufruf, die Gaben der Natur wieder mehr zu nutzen. Man spürt, wie wichtig der Autorin dieses Anliegen ist.  

Am Schluss des Buches sind viele Rezepte aufgeschrieben, von denen im Roman die Rede ist. Angeregt dadurch hab ich meine Balkonkräuter Ende Herbst gleich zu einem Kräutersalz verarbeitet. 

Fazit: Eine gemütliche, unterhaltende Geschichte über Träume, Freundschaften, Natur und Landliebe.  
4 Punkte. 

Reihenfolge der Maierhofen-Serie:
1. Band: Kräuter der Provinz 
3. Band: Die Blütensammlerin - erscheint am 20. März 2017 

1 Kommentar:

Tanja hat gesagt…

Den Titel habe ich auch noch auf meiner Leseliste, nachdem ich Durst-Bennings Glasbläser-Romane so gerne gemocht habe; ich find deren Art zu erzählen einfach so urig-schön! :)

LG,
Tanja