Sonntag, 29. März 2015

Yoga: Das wahre Leben der Montagsmenschen von Milena Moser

Klappentext: 
Als Balletttänzerin und als Yoga-Lehrerin konnte sich die 36-jährige Nevada stets auf ihren Körper verlassen. Plötzlich aber lässt er sie im Stich. Drei Schüler halten ihr dennoch die Treue und kommen immer montags zum Kurs. Als ein Mord geschieht, gesteht eine Schülerin die Tat der Polizei - allerdings ohne sie begangen zu haben, wie Nevada mit Hilfe eines Yoga-Spruchs herausfindet. Milena Mosers neuer Roman knüpft an ihre großen Erfolge an: treffend beobachtet, spannend und witzig erzählt, verwickelt die Autorin aus der Schweiz vier Menschen in ein tragikomisch-furioses Lebens- und Liebesdrama.


"Montagsmenschen" ist ein Roman über das Leben von einigen Frauen und Männern, die Montags einen Yogakurs bei Yogalehrerin Nevada besuchen.
Detailgenau zeichnet die Autorin ein klares Bild und das Alltagsleben der Protagonisten; beschreibt die Hintergründe, wie sie zu dem wurden was sie jetzt sind, ihre Träume und wie sie gern sein möchten: 
Nevada, die ihrem Körper schon immer zuviel zumutete und immer öfters wiederkehrende Schmerzen hat. Poppy, Archivarin, die nichts auf die Reihe bringt, weil ihre Gedanken nie zur Ruhe kommen. Marie, die genug von ihrem Schauspieler-Ehemann hat und lieber als Hausärztin anstatt im Spital arbeiten würde. Und Ted, der von seiner Frau und Tochter getrennt lebende Lehrer.

Der Roman lässt nichts aus, egal ob es Banalitäten, Abgründe, Krankheiten, Liebeskummer oder sogar Gefängnisaufenthalte sind. Aber trotz aller Tragik ist das Buch leicht und flüssig zu lesen. Am besten gefallen hat mir die Geschichte von Poppy: gegen Schluss kommt heraus, dass es für ihr "neben-den-Schuhen-stehen" und nichts auf die Reihe bringen, einen Begriff gibt und man ihr helfen kann. 

Ansonsten bin ich ein wenig zwiegespalten - was bei der Lektüre dieses Romans nur als leichte Skepsis im Hinterkopf begann, wurde bei der Fortsetzung "Das wahre Leben" grösser: 

Klappentext: 
Zwei Frauen in der Mitte ihres Lebens, beide in der Krise. Nevada ist krank und lernt gerade damit umzugehen. Immer noch unterrichtet sie Yoga und das so erfolgreich, dass ihr eine Klasse mit schwierigen, absturzgefährdeten Mädchen anvertraut wird. Erika dagegen beschliesst angesichts ihres Versagens als Mutter und Ehefrau das zu tun, was ihr niemand zutraut: Sie verlässt ihr luxuriöses Zuhause am Zürichberg und zieht in eine heruntergekommende Vorstadtsiedlung. Dort lernt sie Nevada kennen, die unverhofft von der grossen Liebe erwischt wird. Mit Witz, Verve und voller Zuneigung lockt Moser ihre Figuren durch existentielle Höhen und Tiefen. Eine intensive Liebesgeschichte rund um Schmerz, Krankheit und Trennung. 

Neben den bereits bekannten Protagonisten kommt hier u.a.  noch Erika dazu. Auch ihre Geschichte hat es in sich. 
Nevada kann mittlerweile kaum mehr laufen und sitzt im Rollstuhl. Beim Arzt lernt sie einen Mann kennen und verliebt sich sofort in ihn. Auch er hat kein leichtes Leben hinter sich. Nevada zieht um und trifft am neuen Wohnort auf Ted und Marie, ebenso auf Erika. Nun verweben sich die Geschichten noch mehr ineinander. 

Und spätestens jetzt sass meine Skepsis nicht mehr nur im Hinterkopf - obwohl die Autorin sehr bildlich und intensiv schreibt und trotz allen Schicksalsschlägen auch humorvoll bleibt, sind mir all diese Geschichten irgendwie zu konstruiert. Jede einzelne Person, die in den beiden Büchern vorkommt, hat von Geburt weg keine einfache Lebensgeschichte. Das ist mir zu unglaubhaft und viel zu viel Tragödie auf einem Haufen.

Fazit: Zuviel Schicksal auf kleiner Fläche. Für beide Bücher 3.5 Punkte. 


PS: Mir gefiel sehr gut, dass Milena Moser in beiden Büchern schweizerdeutsche Ausdrücke die sich nur schwerlich auf Hochdeutsch übersetzen lassen schweizerdeutsch gelassen hat. S' "Znünitäschli" z.B. :-)

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