Freitag, 25. Juli 2014

Krimi: Der Ruf des Kuckucks von Robert Galbraith

Klappentext:
Als das berühmte Model Lula Landry von ihrem schneebedeckten Balkon im Londoner Stadtteil Mayfair in den Tod stürzt, steht für die ermittelnden Beamten schnell fest, dass es Selbstmord war. Der Fall scheint abgeschlossen. Doch Lulas Bruder hat Zweifel – ein Privatdetektiv soll für ihn die Wahrheit ans Licht bringen. 
Cormoran Strike hat in Afghanistan körperliche und seelische Wunden davongetragen, mangels Aufträgen ist er außerdem finanziell am Ende. Der spektakuläre neue Fall ist seine Rettung, doch der Privatdetektiv ahnt nicht, was die Ermittlungen ihm abverlangen werden. Während Strike immer weiter eindringt in die Welt der Reichen und Schönen, fördert er Erschreckendes zutage und gerät selbst in große Gefahr …

Über diesen Krimi wurde im Vorfeld viel geschrieben als herauskam, dass "Robert Galbraith" nur ein Pseudonym für J.K. Rowling ist. Ich hätte das zwar lieber nicht gewusst, um das Buch neutral lesen zu können. Denn von "Ein plötzlicher Todesfall" war ich sehr enttäuscht - eine entsetzlich vulgäre Sprache, eine trostlose Handlung und viel zu viele Seiten. So wusste ich nicht recht, ob ich mir "Der Ruf des Kuckucks" antun sollte oder nicht. Doch da es bei Skoobe angeboten wird, konnte ich es also ohne Verlust lesen.

Und siehe da, es lohnte sich! Als ob "Ein plötzlicher Todesfall" von jemand anderem ist und "Der Ruf des Kuckucks von einer Autorin, die wirklich schreiben kann, so wie J.K. Rowling es ja bis auf die eine Ausnahme ja sehr gut kann.

Ein herrliches Ermittlergespann, Cormoran Strike und Robin Ellacott! Robin arbeitet in einer Zeitarbeitsagentur, sprich sie wird wochenweise an Büros etc. ausgeliehen. Diese Woche soll sie als Sektretärin in einer Detektei arbeiten. Dies erfährt sie aber erst als sie vor dem Haus steht - ihr geheimster Wunsch scheint in Erfüllung zu gehen. Doch als sie Strike und sein Büro sieht, ist sie bereits wieder auf dem Boden der Tatsache. Sie merkt, dass es finanziell nicht gut aussieht für den Detektiv. Und sie somit wohl auch keine Chance hat, dort eine Festanstellung zu bekommen. Auch Strike hat ein Problem: er hat vergessen der Zeitarbeitsagentur abzusagen, da er kaum Geld hat um die Aushilfe zu bezahlen. Doch glücklicherweise kommt gerade ein neuer Auftrag rein…

Und nun gehts los: neben dem momentan schlecht laufenden Leben von Cormoran über den Zwiespalt von Robin gibt es 641 Seiten feinste Ermittlerarbeit! Jeder, aber auch wirklich jeder kommt als Mörder in Frage. Ganz am Anfang befürchtete ich, dass das Buch mit der Zeit einige Längen bekommt, aber das war glücklicherweise gar nicht so. Jede Zeugenaussage war interessant. Cormoran Strike gibt sich alle Mühe mit jedem der Verdächtigen persönlich zu sprechen. Ob sie die Wahrheit oder Lügen erzählen, Strike findet es heraus und durch noch so kleinste Details fügt er das Puzzle rund um den Tod von Lula Landry eindrücklich zusammen.

Das Buch spielt in London und weil ich gerade erneut wieder in Mayfair war, wollte ich natürlich wissen, wo genau Lula Landry gewohnt hat. Da wäre ich dann gerne vorbei spaziert. Doch Frau Rowling/Herr Galbraith hat einfach Strassen ins Quartier eingefügt, die eigentlich ganz woanders sind. Egal, man bekommt trotzdem einiges von London mit. Und so begab ich mich halt nur an die Kings Cross Station auf Gleis 9 3/4 :-) 

Wer auf Action steht und Dialoge und Tagesbeschriebe aus unterschiedlicher Sicht langweilig findet, liegt mit diesem Krimi absolut falsch. 
Wer aber gute alte Detektivarbeit liebt und Sinn für (einige Leute nennen es: "unwichtige") Details hat (die aber unentbehrlich für die Auflösung eines guten Krimis sind) ist absolut richtig. 5 Punkte.

Ich bin noch immer begeistert und freue mich sehr auf den 24. November, da erscheint der zweite Band "Der Seidenspinner"!

Dienstag, 22. Juli 2014

Krimi: Pastis für den Commissaire von Julie Masson (Lefevre 1)

Klappentext:
Was für ein herrlicher Sommertag!
Als eine Leiche gefunden wird, sinkt Lucien Lefevres Laune allerdings schnell unter den Gefrierpunkt. Da alle Kollegen im Urlaub sind, muss der Commissaire auf sein Feierabendritual – den geliebten Pastis – verzichten. Ausgerechnet in dem beschaulichen Küstenort Contis-Plage hat das Meer den Körper eines Mannes freigegeben, der erkennbar nicht freiwillig gestorben ist. Lefevre macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. Und steht einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft gegenüber, in der jeder seine eigenen Geheimnisse hat 


Lucien Lefevre ist ein eingebildeter George Clooney-Verschnitt, der nur charmant ist wenn er will. Er muss einen Mord in einem Küstenort aufklären. Doch viel Hilfe hat er nicht. Seine Kollegen vor Ort sitzen meist im Bistro anstatt im Büro und verweigern teilweise ihre Arbeit. Wie fest sind sie in diese ganze Sache verstrickt?
Die Dorfbewohner mögen keine Fremden und "Ökos" wie der getötete Mann, schon gar nicht. Die Umwelt ist ihnen egal, Vorschriften sowieso und wenn es um Fremde geht, halten sie zusammen. Dabei sind sie untereinander verkracht, korrupt und jeder tratscht über jeden. Lucien versteht die Dorfgeschichten zunächst nicht, bis er dank Sophie, die Schwester des Toten, Zugang zu dessen Notizbuch bekommt. Und nun kommt er auch endlich dem Motiv und dem Mörder näher.

Luciens Lieblingsgetränk besteht aus drei Zutaten: Pastis, Grenadinesirup und Minzesirup. Nicht schütteln, sondern übereinander eingiessen - so erhält man den "Feuille Morte". Wenn man einen verschrobenen Kommissar, schwierige Dorfbewohner und einen Mord nimmt und sie mixt, bekommt man einen Krimi.

Mir gings zuerst ähnlich wie Lucien. Ich brauchte eine Weile um mit den Charakteren klarzukommen, um herauszufinden wer davon vertrauenswürdig ist und wer falsch spielt. Doch danach las sich der Krimi gut. 

Da Lucien am Ende zu einem neuen Job gerufen wird, nehme ich an, dass es mit "Pastis für den Commissaire" noch nicht zu Ende ist und Lucien bald weitere Feuille Morte trinken kann. 
Ein gutes Debut! 4 Punkte. 


Montag, 21. Juli 2014

Montagsfrage 20.07.2014


Mit welcher Romanfigur wärst du gern befreundet?


Als Kind wäre ich liebend gern mit Dicki aus "Geheimnis um…" von Enyd Blyton befreundet gewesen. Dann hätt ich mit ihm und seinen Freunden zusammen Geheimnisse aufklären können! Ein Kindheitstraum :-)

Wenn ich nun an Einzelpersonen denke, dann an Fran aus Rachel Hores "Der Zauber des Engels".
Ich merke aber gerade, dass mir eher Ortschaften und ihre Bewohner durch den Kopf gehen. Zum Beispiel die Gegend um Lovers Knot aus Christina Jones "Zauber"-Serie oder Boothbay Harbor von Mia March und Rose Harbor von Debbie Macomber. Dort würde ich gerne wohnen und mich mit den Protagonistinnen ab und zu mal zu einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen treffen. 
Nicht unbedingt befreundet, aber gerne kennenlernen würde ich Honey Driver (von Jean G. Goodhind), Commisario Brunetti, Bruno der Chef de police (Martin Walker)Gemma James und Duncan Kincaid (Deborah Crombie) und Meredtih Mitchell und Alan Markby (Ann Granger)
Und ich glaube, wenn ich heute weiter darüber nachdenke, werden mir noch einige mehr in den Sinn kommen… 



Samstag, 19. Juli 2014

Der wilde Garten von Barbara Claypole White

Klappentext:
Seit die junge Landschaftsgärtnerin Tilly ihren Mann auf tragische Weise verlor, lebt sie sehr zurückgezogen. Bis James vor ihrer Tür steht. Er leidet an einer Zwangsneurose. Mit Gärtnerei will er sie überwinden, und ausgerechnet die bezaubernd-chaotische Tilly soll ihm dabei helfen. Tilly ist wenig begeistert. Sie hat genug eigene Probleme, und ein ordnungsliebender Amerikaner ist das Letzte, was sie in ihrem Garten gebrauchen kann. Doch James bleibt hartnäckig, und plötzlich werden beide zwischen Rosen und Lavendel von der Liebe überrascht.



James möchte einen Garten anlegen und will dafür Tilly engagieren. Doch diese will schlichtweg nicht. James lässt aber nicht "lugg", er gibt nicht auf und folgt ihr sogar nach England, wo Tilly ihre Mutter für ein paar Wochen unterstützt. Als wäre das nicht schon genug taucht auch noch Tillys Jugendfreund Sebastian auf. Zusammen mit Rowena, Tillys bester Freundin, und Tillys Sohn Isaac erleben sie alle eine emotional schwierige Zeit. 

Der Roman ist voll beladen mit Themen wie Trauerarbeit, Zwangsneurosen und unerfüllter Liebe. Es ist keine leichte, einfache Geschichte. Das Buch lebt von der inneren Welt der Protagonisten und ihren Ängsten. Doch die Gartenarbeit bringt die fehlende Leichtigkeit minim zurück und heitert die Tiefgründigkeit ein wenig auf. Wie Tilly mit James umgeht, hat mir gut gefallen. Sie merkt dadurch selbst, in welchen Zwängen sie feststeckt. 

Das Buch berührt. 

Ich musste das Buch immer wieder weglegen, weil es inhaltlich einfach zu schwer war. Zwischendurch gab es auch einzelne Längen, in deren sich viele Ängste wiederholt haben. Trotzdem finde ich es gut, dass diese schwere Thematik der Zwangsneurosen einmal in einem Roman behandelt wurde und auf eine doch irgendwie leichte Art verarbeitet wurde. 

Fazit: Ein Roman mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte, auf die man sich einlassen muss. 4 Punkte. 

Montag, 14. Juli 2014

Montagsfrage 14.07.2014


Welche Bücher nehmt ihr mit in den Urlaub?

Fast alle! Da ich ja nur noch elektrisch lese (auf dem Kindle Paperwhite und iPad), habe ich immer alle Bücher dabei und muss mich nicht mehr entscheiden, welche ich in die Ferien mitnehme. War das jeweils eine Qual! Vor allem hatte ich nie genug Bücher dabei. Aber noch mehr mitnehmen konnte ich nicht, sonst hätte ich einen zweiten Koffer gebraucht. 
Mit den Readern ist es eine tolle Sache: ich kann spontan nach Lust und Laune wählen, welches Buch ich lese. Ob ein ungelesenes oder bereits gelesenes Buch ist - ich habe die Qual der Wahl und alle mit dabei. Und das Wichtigste: ich habe nie mehr Übergepäck aufgrund von Büchern!


Stichwort Ferien/Urlaub:
Übrigens gibt es das Wort "Urlaub" bei uns in der Schweiz nicht, bei uns heisst das ganz einfach Ferien, egal ob man zuhause oder irgendwo anders ist.
Seit diesem Wochenende haben wir 5 Wochen Schulferien, das heisst werden öfters spontan unterwegs sein und deshalb werde ich in den nächsten paar Wochen eher unregelmässig posten.

Freut euch aber auf folgende Rezensionen in den nächsten Wochen:
- Pastis für den Commissaire
- Der Ruf des Kuckucks
- Sommerblau
- Sommerprickeln
- Sommer im Herzen

Nun wünsche ich euch einen tollen Sommer - er soll ja kommen ab Mittwoch! Wenigstens für ein paar Tage… 




Freitag, 11. Juli 2014

Süsses Gift und bittere Orangen von Eve Rudschies

Klappentext: 
Landshut im Advent 1541. Anna Lucretia, die uneheliche Tochter Herzog Ludwigs X., fiebert ihrer Heirat entgegen. Doch Unheimliches geschieht auf Burg Trausnitz: Ihr Verlobter entgeht knapp dem Tod, ein Bote stirbt auf mysteriöse Weise. Ihr Vater erkrankt an Diabetes, dem „süssen Fluss“, was einen Krieg der deutschen und italienischen Köche um die bessere Heilkost auslöst. Doch der Herzog weist bald Vergiftungserscheinungen auf. Wer steckt hinter den rätselhaften Ereignissen?




In rasantem Tempo wird von vielen seltsamen Geschehnissen erzählt: J.A. Widmanstetter erwacht plötzlich in der Löwengrube. Er schreit um Hilfe und wird gerettet. Wie kam es, dass er fast zum Löwenfutter wurde? Kurz danach stirbt ein Bote. Herzog Ludwig X. bricht seit Neuestem plötzlich öfters zusammen und Ärzte, Köche und Baumeister streiten munter weiter… Einzig Anna Lucretia scheint einen klaren Kopf zu bewahren und kommt den vielen Intrigen auf die Spur.

Endlich mal wieder ein Buch mit einer Thematik, die vorher noch nie aufgenommen wurde. Die Auseinandersetzung mit der Zuckerkrankheit des Herzogs war sehr interessant. Nicht nur die Diskussionen darüber wie man Diabetes am besten heilt, sondern auch die Lebensmittel-Verteil-Hierarchie, wer am Hof wieviel und welches Essen bekommt: Isst der Herzog weniger fürstlich, bekommen am Schluss die Arbeiter fast nichts mehr zu essen. Deshalb waren einige Hofbewohner gar nicht begeistert davon, dass Annas Tante Sabina Ludwig zum Essen nach Paracelsus riet.  

Beim Lesen fühlte ich mich als Schatten von Anna Lucretia, es war als ob man jeden ihrer Schritte mitläuft. 

Am Ende des Buches gibt es einen Ausblick auf das weitere (wahre) Leben der Protagonisten samt einem Rezepteteil.

Fazit: Beste Unterhaltung und eine wahrlich vollgepackte Geschichte über das Essen im Mittelalter, Politik, Liebesgeplänkel, Eifersucht und vielem mehr. 4 Punkte. 


Mittwoch, 9. Juli 2014

Die verlorene Zeit von Michelle Ross

Klappentext:
Die junge Amerikanerin Dinah kann es nicht glauben: Ihre Urgroßmutter soll in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Mörderin hingerichtet worden sein! Gegen den Willen ihrer Eltern macht sie sich auf nach Cornwall, um das Rätsel um die Vorfahrin zu lösen, und deckt einen unglaublichen Skandal auf.






Dinah, die verwöhnte Tochter eines amerikanischen Politikers, der sich für einen Senatorensitz aufstellen lässt, mag nicht immer die brave Tochter sein und rebelliert gegen ihre Eltern. Es passt ihr auch gar nicht, dass sie mit nach Washington umziehen soll. Beim Räumen des Hauses entdeckt sie einen alten Zeitungsbericht, in dem steht, dass ihre Urgrossmutter in England hingerichtet wurde. Aber wie kann das sein: einerseits wurde sie angeblich in England hingerichtet, andererseits lebte sie glücklich in Amerika? 
Dinahs Eltern ist der Artikel egal, aber ihr lässt es keine Ruhe und so fliegt sie kurzerhand nach England. Ihr Vater sperrt Dinah daraufhin die Kreditkarte; zum Glück erst als sie ihr Cottage schon gemietet und bezahlt hat. Zum ersten Mal in ihrem Leben muss sie nun auf eigenen Füssen stehen und arbeiten. Mit Hilfe des Dorfpfarrers und zwei anderen Personen spürt sie die Geschichte ihrer Urgrossmutter Ellen langsam auf. 

Die Geschichte von Ellen ist unheimlich spannend und gut erzählt. Ich konnte das Buch kaum mehr weglegen. Denn das, was in Ellens Leben passiert ist, hab ich in dieser Form noch nie in einem Roman verarbeitet gelesen.

Fazit: Endlich mal wieder eine innovative und überraschende Idee! So wurde es mir beim Lesen auch nicht ein einziges Mal langweilig. 
Absolute Lese-Empfehlung! 5 Punkte.

Montag, 7. Juli 2014

Montagsfrage 07.07.2014



Gibt es ein Buch, das ihr untrennbar mit einer bestimmten Person verbindet?

Es gibt zwar einige Bücher, die mich an bestimmte Personen und Erlebnisse erinnern, aber nur eins das mich mit jemandem, meiner damals besten Freundin, verbindet. Über 20 Jahre ist das her. Es ist ein kleines Gedichte-Foto-Büchlein, in das wir uns gegenseitig immer mal wieder etwas hineingeschrieben haben. Ich glaub, ich hab das sogar noch irgendwo im Keller zusammen mit einem alten Tagebuch aufbewahrt. 

Samstag, 5. Juli 2014

Die Traumsucherin von Anjali Banerjee

Klappentext:
Eine unvergessliche Geschichte über Liebe, Verlust und einen zauberhaften Neubeginn.
Ein Jahr ist seit dem Tod ihres Ehemanns Josh bereits vergangen, doch Lilys Schmerz ist immer noch so groß wie am ersten Tag. Auf der Suche nach einem Neuanfang kehrt sie ihrem Zuhause in Seattle den Rücken und gelangt durch Zufall auf die malerische kleine Insel Fairport. Die Bewohner wirken glücklich, und als Lily gleich am ersten Abend eine anhängliche weiße Katze zuläuft, beschließt sie, sich auf Fairport niederzulassen und ihren Traum von einer eigenen Boutique zu erfüllen. Doch wird sie hier Ruhe finden vor den Geistern der Vergangenheit und ihr Herz endlich wieder öffnen für das Leben – und die Liebe?

Lily entdeckt auf der Insel Fairport ein kleines Häuschen, das sie sofort ins Herz schliesst. Es steht zum Kauf bereit, und nach kurzem Überlegen schlägt sie zu, kauft das Häuschen und eröffnet eine Boutique mit Second-Hand-Kleidern. Das Geschäft läuft anfangs nicht so gut - die Konkurrenz mit dem Kleidergeschäft nebenan ist anscheinend zu gross. Doch dann sorgt die Katze, die ihr zugelaufen ist, überraschend für neue Kundschaft. Lily freundet sich mit einigen Bewohnern an. Auch mit Bish, die Tochter des Insel-Tierarztes. Schlussendlich auch noch mit dem Tierarzt, aber mehr verrate ich nun nicht. 

Wer "Die Bücherflüsterin" von Anjali Banerjee kennt, wird in ihrem neuen Buch einigen bekannten Örtlichkeiten begegnen. Doch "Die Traumsucherin" kommt bei Weitem nicht an "Die Bücherflüsterin" heran. Hier wird abwechselnd aus Sicht von Lily und der Katze "Kitty" erzählt. Der Kitty-Erzählstrang bleibt kühl, beobachtend - mir fehlte die Wärme, die im anderen Buch so allumfassend und herzlich war. 

Auch der deutsche Titel find ich nicht sehr gut gewählt. Viel mit Träumen hat das Buch nicht zu tun, da passt der englische Originaltitel "Enchanting Lily" (Bezaubernde/Betörende Lily) schon viel besser. 

Fazit: Trotz den Mängeln hab ich das Buch gerne gelesen und würde auch jederzeit ein weiteres von Anjali Banerjee lesen. 4 Punkte. 


Mittwoch, 2. Juli 2014

Krimi: Peter Grant von Ben Aaronovitch

Ben Aaronovitch schrieb jung einige Science Fiction-Drehbücher, arbeitete später als Buchhändler und begann Bücher zu schreiben. Heraus kam eine Urban Fantasy Serie um Police Constable Peter Grant, die in London spielt.

Peter Grant hat soeben die Polizistenschule hinter sich und wird nun als Police Constable zu einer eher langweiligen Abteilung zugeteilt. Statt zu ermitteln muss er meistens die Polizeidatenbank Holmes füttern, bis er eines Abends bei einem Mordfall ein Geist als Zeuge befragen soll. Daraufhin wird er zur Sondereinheit für Magie versetzt. Diese wird belächelt, leistet aber wertvolle Arbeit. Chef ist Detective Inspector Thomas Nightingale, der letzte Magier Englands. Nightingale lebt mit dem Hausmächen Molly im Folly - die Machtzentrale und ein vor Magie geschütztes altes Haus in London. Peter zieht dort ein und fortan muss er nun Latein pauken und uralte Zaubersprüche lernen. Die ganze moderne Informationstechnik kommt dennoch nicht zu kurz. 
Obwohl seine Freundin Lesley aus der Polizistenschule in einer andern Abteilung arbeitet, treffen sie bald wieder zusammen und können gemeinsam ermitteln. 
Oft brauchen sie alle den Rat von Kryptopathologe Dr. Abdul Haqq Walid, der ihnen immer mit wertvollen Hinweisen zur Seite steht. Diese Fünf sind die Hauptpersonen der Serie. Im Laufe der Zeit gesellt sich noch ein Hund, Tobby, mit dazu. Peter lernt ihn magische Spuren zu erkennen.

»Mein Name ist Peter Grant. Ich bin seit Neuestem Police Constable und Zauberlehrling, der erste seit fünfzig Jahren. Mein Leben ist dadurch um einiges komplizierter geworden. Jetzt muss ich mich mit einem Nest von Vampiren in Purley herumschlagen, einen Waffenstillstand zwischen Themsegott und Themsegöttin herbeiführen, Leichen in Covent Garden ausgraben. Ziemlich anstrengend, kann ich Ihnen sagen – und der Papierkram!«

Peter zeichnet sich durch fleissiges und hintergründiges Arbeiten aus, das gefällt mir, denn ich bin eigentlich gar kein Fantasyfan. Aber eben weil er so genau und detailreich ermittelt, hebt sich diese Serie sehr von "Books & Braun" ab. Peter ermittelt und lässt sich nicht beirren ob all den speziellen Gestalten, denen er im Laufe seiner Ermittlungen begegnet. Da tauchen Jazz-Vampire, Baumnymphen, etliche Geister und Flussgötter auf. Bei den Flussgöttern handelt es sich z.B. um die Themsegöttin und eine ihrer Töchter, Beverley, die es Peter angetan hat. Sie erscheinen in Menschengestalt, haben teilweise sogar studiert und können sich dann wieder in "Götter" verwandeln, kaum sind sie im Wasser. Haufenweise skurille Charaktere und bester britischer Humor, das alles erzählt aus Sicht von Peter. Empfehlenswert!


Bisher auf Deutsch erschienen sind vier Bände; der fünfte folgt wohl im nächsten Jahr,  auf Englisch erscheint "The Foxglove Summer" im September. Es empfiehlt sich die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da es schlichtweg zu viele Informationen und Beschreibungen sind, die einem sonst zum Verständnis fehlen.

Band 1, Die Flüsse von London:
Peter Grant ist Police Constable in London mit einer ausgeprägten Begabung fürs Magische. Was seinen Vorgesetzten nicht entgeht. Auftritt Thomas Nightingale, Polizeiinspektor und außerdem der letzte Zauberer Englands. Er wird Peter in den Grundlagen der Magie ausbilden. Ein Mord in Covent Garden führt den frischgebackenen Zauberlehrling Peter auf die Spur eines Schauspielers, der vor 200 Jahren an dieser Stelle den Tod fand. 

Band 2, Schwarzer Mond über Soho:
Constable Peter Grant ist ein ganz normaler Londoner Bobby. Die Abteilung, in der er arbeitet, ist allerdings alles andere als normal: ihr Spezialgebiet ist – die Magie. Peters Vorgesetzter, Detective Inspector Thomas Nightingale, ist der letzte Magier Englands und Peter seit kurzem bei ihm in der Ausbildung. Was im Moment vor allem das Auswendiglernen von Lateinvokabeln bedeutet, die uralten Zaubersprüche wollen schließlich korrekt aufgesagt werden. Doch als Peter eines Nachts zu der Leiche eines Jazzmusikers gerufen wird, verliert das Lateinstudium auf einmal seine Dringlichkeit. Peter findet heraus, dass in den Jazzclubs in Soho, im Herzen Londons, plötzlich verdächtig viele Musiker eines unerwarteten Todes sterben. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu 

Band 3, Ein Wispern unter Baker Street:
Es ist ja nicht so, dass Peter Grant, Zauberer in Ausbildung und Police Constable, nichts für das Pauken von Lateinvokabeln übrighätte – bestimmt nicht! Aber es ist doch immer wieder schön, wenn zur Abwechslung auch mal reelle Polizeiarbeit gefragt ist. Ein Unbekannter wird im U-Bahn-Tunnel nahe der Station Baker Street tot aufgefunden – erstochen, und es deutet alles auf die Anwesenheit von Magie hin. Ein Fall für Peter! Der unbekannte Tote stellt sich als amerikanischer Kunststudent und Sohn eines US-Senators heraus und ehe man »internationale Verwicklungen« sagen kann, hat Peter bereits die FBI-Agentin Kimberley Reynolds mitsamt ihren felsenfesten religiösen Überzeugungen am Hals. Dabei gestalten sich seine Ermittlungen auch so schon gruselig genug, denn in vergessenen Flüssen und viktorianischen Abwasserkanälen hört er ein Wispern von alten Künsten und gequälten Geistern…

Band 4, Der böse Ort:
Seltsame Dinge geschehen im Skygarden Tower, einem berüchtigten Sozialwohnblock in Südlondon. Dinge, die eine magische Anziehungskraft auf Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant ausüben. Zunächst geht es nur um ein gestohlenes altes Buch über Magie, das aus der Weißen Bibliothek zu Weimar stammt. Doch dann weitet sich der Fall rasant aus. Denn der Erbauer des Tower, Erik Stromberg, ein brillanter, wenngleich leicht gestörter Architekt, hatte sich einst in seiner Zeit am Bauhaus offenbar nicht nur mit modernem Design, sondern auch mit Magie befasst. Was erklären könnte, warum der Skygarden Tower einen unablässigen Strom von begabten Künstlern, Politikern, Drogendealern, Serienmördern und Irren hervorgebracht hat. Und warum der unheimliche gesichtslose Magier, den Peter noch in schlechtester Erinnerung hat, ein so eingehendes Interesse daran an den Tag legt …