Freitag, 24. Oktober 2014

Im Hause Longbourn von Jo Baker

Klappentext:
Ein Millionenpublikum liebt Jane Austens „Stolz und Vorurteil“, ihren berühmten Roman über die Sorgen der Familie Bennet, für die fünf Töchter geeignete Ehemänner zu finden. Doch niemand weiß, was sich in Küche und Stall des Hauses Longbourn abspielt: Hier müht sich die junge Sarah über Wäschebottichen und Töpfen ab. Aber sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das Leben mehr für sie bereithält. Ist die Ankunft des neuen Hausdieners James ein Zeichen? Während Elizabeth Bennet und Mr Darcy von einem Missverständnis ins nächste stolpern, nimmt im Hause Longbourn noch ein ganz anderes Liebesdrama seinen Lauf – denn James hütet ein Geheimnis von großer Sprengkraft. 
Jo Baker erzählt Jane Austens bekanntesten Roman von einer ganz anderen Seite: der der Dienstboten. Und zeigt, dass deren Dramen jenen der Herrschaften in nichts nachstehen.

Eine tolle Idee von Jo Baker. Sie macht es wie Nora Roberts und zeigt eine Geschichte von einer anderen Seite. Nur dass ihre Vorlage vor 201 Jahren geschrieben wurde und nicht von ihr selbst. Jo Baker wagt sich an den Kultklassiker von Jane Austen. Der Name "Mr. Darcy" ist sicher auch denen bekannt, die "Stolz und Vorurteil" nicht gelesen haben. So profitiert "Im Hause Longbourn" von Austens Bekanntheit.

Die Erzählsperspektive ist deshalb besonders. Das in drei Bände aufgeteilte Buch erzählt vom Leben der Angestellten im Haus Longbourn: Die Haushälterin und Köchin Mrs Hill, ihr Mann und Butler Mr Hill und die beiden Dienstmädchen Sarah und die erst 12jährige Polly. Es wird gekocht, geputzt, Kleider gewaschen, Pferde versorgt, Briefe aufs Postamt gebracht und abgeholt, Essen aufgetragen, Leute bewirtet etc. Die Dienstboten kommen kaum zur Ruhe - sie müssen auch nachts, wenn die Herrschaft von einem Fest nach Hause kommt, parat sein. Mrs Hill hat sich dieses Leben verinnerlicht und geht in ihrer Arbeit auf, doch Sarah erwartet ein wenig mehr vom Leben. So ist sie sehr fasziniert als sie den schwarzen Butler der Bingleys kennenlernt. Doch auch James, der neuen Hausdiener, gibt ihr zu Denken - sie merkt, dass er etwas verschweigt.  

Eindrücklich und ausführlich wird hier über den ganz normalen Alltag der Bediensteten berichtet - und der Unbekümmertheit der Bennets. Dreckige Kleider? Egal, die werden ja eh von den Bediensteten gewaschen... Da das Buch praktisch nur im Dienstbotentrakt spielt, bekommt der Leser den Unterschied zwischen Herrschaft und Angestellten sehr gut mit. Diese Beschreibungen haben mir sehr gut gefallen. Garniert wird das Ganze mit Sarahs Umgang mit Ptolemey und James. 

Das schöne Cover ist stimmig und passt zum Buch. Leider tauchen im zweiten Teil einige Längen auf. Im dritten Teil wird es nochmals kurz spannend (die Vergangenheit von Mrs Hill und die von James wird endlich erzählt), schwächt aber gegen Ende wieder ab. 
Ich hätte mir James in einer bestimmten Szene mutiger gewünscht, doch passt sein Verhalten in diese Zeit, wo alle, egal ob reich und arm, in den Konventionen der damaligen Verhaltensregeln gefangen waren. Sara ist da mutiger, obwohl sie sich innerhalb der Konventionen bewegt.

Man muss "Stolz und Vorurteil" nicht gelesen haben, schaden tut es aber nicht :-) Wenn die Lektüre schon zu lange her ist oder man sie nicht kennt, kann man sich auch einfach eine Zusammenfassung zu Gemüte führen, bevor man sich ans Lesen von "Im Hause Longbourn" macht. 

Die bekannte Vorlage macht den Roman rund um den Bennetschen Haushalt aussergewöhnlich. Wüssten wir alle nicht, dass dieser Haushalt so berühmt wäre, wäre es einfach nur ein durchschnittlicher, aber gut zu lesender, historischer Roman. 
4 Punkte. 

Vom Knaus-Verlag gibt es hier ein Special zu "Im Hause Longbourn"

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