Mittwoch, 24. September 2014

Krimi: Xavier Kieffers kulinarische Krimis von Tom Hillenbrand

Tom Hillenbrand, geboren 1972, kommt aus Hamburg und wohnt in München. Er studierte Europapolitik, volontierte an der Holtzbrinck-Journalistenschule und war Ressortleiter bei Spiegel Online. Während eines Praktikum verliebte sich der Hobbykoch in das Großherzogtum Luxemburg. Unter dem Namen "Tom König" verfasst er Sachbücher und schreibt eine Wirtschaftskolumne.

Der Luxemburger Koch Xavier Kieffer ist in seinen Food-Krimis, wie Tom Hillenbrand sie selbst nennt, der Hobby-Detektiv. Eigentlich könnte Xavier schon längst ein Sternekoch sein, doch diese hochrangige Gastronomiewelt ist ihm zu stressig und er führt  lieber sein kleines gemütliches Restaurant "Deux eglises" in der "D'Stad", wie Luxemburger ihre Hauptstadt nennen. Sehr gerne sitzt er auch mit seinem finnischen Freund Pekka Vatanen, einem EU-Beamten, auf seiner Terrasse um eine Flasche Wein zu trinken. 
Sympathisch, dass diese Reihe in einer literarisch eher wenig beachteten Gegend angesiedelt ist. Seine Dienstreisen und Ermittlungen führen Xavier aber auch nach Paris, nach Deutschland, Italien und in die Schweiz. Er freundet sich mit Valérie, Herausgeberin und Erbin des Restaurantführers Guide Gabin, an.  Durch Valérie lernt er auch den Bürgermeister von Paris, François Allégret, kennen. Obwohl Xavier nichts dafür kann, dass in Band 1 ein Gast tot in seinem Restaurant zusammenbricht, fordert ihn Kommissar Manderscheid stark. So bleibt das Verhältnis zwischen ihnen beiden in allen Büchern angestrengt. 

Diese kulinarischen Krimis sind gut geschrieben, keine Frage. Die Gastronomieszene wird jeweils kritisch durchleuchtet und kriegt in allen Büchern ihr Fett weg. Auch die Machenschaften der internationalen Nahrungsmittelkonzerne schneiden nicht gut ab. Der Leser erhält viele Informationen zu den jeweiligen Hauptthemen der Bücher.
Inhaltlich aber enthalten sie mir viel zu viel Wirtschaftsgedöhns und Börsenzirkus, die nehmen besonders in Band 3 massenweise Raum ein. Das Kulinarische kommt oft zu kurz, und ich würde die Serie eher Wirtschaftskrimis nennen. "Teufelsfrucht" hat mir diesbezüglich fast noch am besten gefallen. 
Dazu kommt, dass Xavier praktisch auf jeder Seite mindestens einmal raucht oder sich gerade eine Zigarette ansteckt und oft noch eine zweite, so im Sinne von "Wie viele Zigaretten bring ich auf eine Seite?". "Er raucht wie ein Schlot" ist untertrieben. Man könnte fast meinen, der Autor bekäme Geld fürs Erwähnen der Zigarettenmarke oder das Rauchen überhaupt. Mich stört das enorm und es lenkt mich zu stark von der eigentlichen Krimi-Handlung ab. 

Deshalb kann ich auch keine ungeschränkte Lesempfehlung abgeben. Band 3 wollte ich zuerst nicht kaufen, habe es schlussendlich doch. Ich bin noch unschlüssig ob Band 4 "Tödliche Oliven", welches am 6. November erscheint, bei mir einziehen darf. Wahrscheinlich schon, aber nur weil mich das Thema Oliven interessiert, da ich persönlich Olivenbauern kenne. 

Band 1, Teufelsfrucht:
Ein Krimi zum Genießen! Der ehemalige Sternekoch Xavier Kieffer hat der Haute Cuisine abgeschworen und betreibt in der Luxemburger Unterstadt ein kleines Restaurant, wo er seinen Gästen Huesenziwwi, Bouneschlupp und Rieslingpaschtéit serviert. Doch dann bricht eines Tages ein renommierter Pariser Gastro-Kritiker tot in seinem Restaurant zusammen – und plötzlich steht Kieffer unter Mordverdacht. Als dann noch sein alter Lehrmeister spurlos verschwindet, beschließt der Luxemburger, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen; sie führen ihn bis nach Paris und Genf. Dabei stößt er auf eine mysteriöse, außergewöhnlich schmackhafte Frucht, auf gewissenlose Lebensmittelkonzerne und egomanische Fernsehköche. Immer tiefer taucht Kieffer in die von Konkurrenzkampf und Qualitätsdruck beherrschte Gourmetszene ein – und erkennt, was auf dem Spiel steht.

Band 2, Rotes Gold:
Seit der Luxemburger Koch Xavier Kieffer mit Frankreichs berühmtester Gastrokritikerin liiert ist, wird er zu den exklusivsten Events eingeladen. Doch das edle Dinner beim Pariser Bürgermeister endet bereits nach der Vorspeise: Ryūnosuke Mifune, Europas berühmtester Sushi-Koch, kippt plötzlich tot um.
Die Diagnose lautet: Fischvergiftung. Doch Kieffer ist skeptisch und deckt schnell Widersprüche auf. Er taucht ein in die Welt der Sushiküche und muss erkennen, dass es Fische gibt, die teurer sind als Gold – und wertvoller als ein Menschenleben.

Band 3, Letzte Ernte:
Ein Glas Wein, Rieslingspastete und danach ein Stück Quetschetaart mit Sahne – auf der Luxemburger Sommerkirmes lassen es sich der ehemalige Sternekoch Xavier Kieffer und seine Freundin, die Gastrokritikerin Valerie Gabin, richtig gut gehen. Doch in einem Bierzelt drückt ihm ein Fremder plötzlich eine Magnetkarte in die Hand und verschwindet. Am nächsten Morgen wird der Mann unter der Roten Brücke tot aufgefunden. Warum hat er Kieffer diese Karte gegeben? Was hat es mit den Computercodes darauf auf sich? Und warum sind plötzlich so viele Leute hinter ihm her? Der Luxemburger Koch steht plötzlich im Zentrum einer Verschwörung und erkennt, dass seine Freundin in höchster Gefahr schwebt.

Band 4, Tödliche Oliven:
Einmal im Jahr gönnt sich der Koch und Gourmet Xavier Kieffer einen Ausflug nach Italien. Gemeinsam mit seinem Schulfreund, dem Wein- und Ölhändler Alessandro Colao, fährt er in die Toskana, unternimmt Weinproben und fährt einige Tage darauf mit einem Laster voller Wein und Öl zurück nach Luxemburg.Diesmal geht der Trip allerdings gehörig schief. Sein Freund versetzt ihn und Kieffer findet heraus, dass Alessandro bereits Tage zuvor ohne ihn nach Italien aufgebrochen ist – und seither hat niemand etwas von ihm gehört. Der Koch macht sich auf die Suche. Aber statt Alessandro findet er eine verlassene Mühle, Tanks voll seltsam riechenden Olivenöls und bewaffnete Männer, die gerade Öl in einen Lastwagen pumpen. Hat der Ölhändler krumme Geschäfte getätigt? Kann Kieffer seinen Freund finden, bevor es zu spät ist?


Keine Kommentare: