Samstag, 23. August 2014

In Nomine Diaboli von M.Kübler/H. Gerlach

Klappentext:
Oktober 1414. Kaum ist der junge Bäcker Cunrat Wolgemut in Konstanz eingetroffen, um während des Konzils sein Glück zu finden, gerät er auch schon in Schwierigkeiten: Er wird in eine Schlägerei verwickelt, seine heiratswütige Base stellt ihm nach und sein Freund wird tot aufgefunden. Bald gibt es weitere Tote und Cunrat wird klar, dass ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Gemeinsam mit dem Bäcker Giovanni Rossi und dem Humanisten Poggio Bracciolini macht er sich auf, das Geheimnis um die Toten zu lüften …



Was Konstanz in den Jahren 1414 bis 1818 erlebt hat, grenzt an logistischer Meisterleistung! So eine kleine Stadt, die urplötzlich so viele Personen mitversorgen musste. Dieses Konzil war Europas grösster kirchlicher und politischer Kongress des Mittelalters.
Zum 600. Jahrestag gibt es in Konstanz viele Events für die Bevölkerung, so dass auch uns heutzutage die Geschichte des Konzils nahe gebracht wird. Ich selbst habe mir die Ausstellung (sie dauert noch bis 21. September) angesehen. Einige sehr schöne Ausstellungsobjekte werden gezeigt, und die Geschichte wird gut aufgegliedert. Für mich war das zwar nichts Neues, da ich vom Studium her schon sehr viel über diese wichtige und kirchengeschichtlich doch sehr spezielle Zeit weiss.

Um mein Wissen aufzufrischen hab ich parallel zum Ausstellungsbesuch "In Nomine Diaboli" gelesen. Während es bei Sabine Wassermanns "Das Zeichen des Ketzers" praktisch nur um Jan Hus geht, erlebt der Leser in "In Nomine Diaboli" Konstanz aus der Sicht eines Bäckerlehrlings und Jan Hus kommt nur sehr nebensächlich vor.
Cunrat wird zu seinem Onkel geschickt, der einen weiteren Lehrling benötigt. Bald gewöhnt er sich ans Stadtleben, doch dann stirbt ein Wirt. Cunrat glaubt nicht, dass es sich hierbei um einen Selbstmord handelt. Als weitere Morde geschehen ist er sicher, dass Fledermäuse und der Teufel seine Hand im Spiel haben. Nur will das der Stadtvogt nicht so recht glauben - oder doch? Und wem kann Cunrat vertrauen, wem nicht? 

Im kriminalistischen Teil des Buches wird sehr gut beschrieben wie sich das Stadtleben zu jener Zeit gestaltete. Die Schilderungen sind so gut, dass man sich direkt dabei fühlt. Der Sekretär von Papst Johannes, Poggio Bracciolini, schreibt oft Briefe an einen gewissen Nino und erzählt darin, was am Konzil so abläuft. Dadurch wird die Konzilsgeschichte in Briefform zwischen den Erzählteil geschoben, so dass sich beides zusammen sehr gut ergänzt. 
Nicht alles ist chronologisch korrekt. Doch die Änderungen werden im Nachwort erklärt. 

Zuweilen kam es mir beim Lesen vor, als ob das Buch mit seinen 787 Seiten genau so lang wie das Konzil dauert. Doch dann wurde es jeweils schnell wieder fesselnd. Die Geschichte umfasst aber nur etwa ein Jahr des Konzils. Politisch wie geschichtlich bekommt man ganz viel mit, der Kriminalfall ist verzwickt und bleibt spannend bis zum Schluss. 

Sehr gut gefallen haben mir die "welschen" (dabei handelt es sich aber nicht wie bei uns in der Schweiz gebräuchlich um Welsche = Romands, sondern um Italiener) Bäcker mit ihren Bäckerwagen. 
Im April hab ich im SWR eine Sendung rund um das Konstanzer Konzil gesehen, in dem ein solcher Bäckerwagen nachgebaut wurde. Da war es natürlich spannend, dass im Buch Cunrat und Giovanni mit solch einem Wagen ihren Lebensunterhalt verdienen. Vielleicht wird die Sendung bald einmal wiederholt, es lohnt sich diese anzuschauen. 

Fazit: Ein tolles Buch für geschichtlich interessierte Leser, optimal wenn man das Lesen mit mit einem Besuch in Konstanz verbinden kann. 4 Punkte. 




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